"10.000 BC" (USA 2008) Kritik – Roland Emmerich erreicht seinen Karrieretiefpunkt

„Die Menge der Speere bedeutet nichts. Menschen können nicht gegen Götter gewinnen.“

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Unser deutscher Hollywoodvertreter Roland Emmerich hat sich über die Jahre seinen ganz eigenen Namen in der Filmwelt gemacht. Wir bekamen von ihm einen Blockbuster nach dem anderen vorgesetzt, bei denen er immer wieder seine Zerstörungswut unter Beweis gestellt hat und nicht selten amerikanischer als die Amerikaner selbst sein wollte. Eines ist jedoch so gut wie immer sicher: seine Filme haben zwar keinerlei Tiefgang, aber lassen es immer wieder aufs Neue krachen. 2008 versuchte sich Emmerich dann als Geschichtenerzähler und blamierte sich mit dem Steinzeit-Abenteuer ‚10.000 BC‘ auf ganzer Linie.

Der einzige Punkt in dem ‚10.000 BC‘ voll und ganz überzeugen kann, sind die tollen Landschaftsaufnahmen von Ueli Steigers. Seine Kameraarbeit hat wirklich so einiges an beeindruckenden Einstellungen zu bieten und egal ob Wüste, Gebirge oder Dschungel, alles ist eine kräftige und schöne Bilderwucht. Der Soundtrack von Thomas Wanders und Harald Kloser löst dagegen rein gar nichts aus. Auf der einen Seite haben fast klischeehaften afrikanisch angehauchten Gesang mit wildem Getrommel und auf der anderen Seite Möchtegern bombastische Musik, die keinerlei Atmosphäre erzeugen kann und einfach überladen wirkt.

Schauspielerisch bewegen wir uns auf dem Nullpunkt und die Qualität einer RTL-Telenovela wird locker erreicht, wenn nicht sogar noch übertroffen. Unser tapferer Held D’Leh wird von Steven Strait verkörpert. Strait dümpelt mit dem gleichen Blick durch den Film und scheint noch nie etwas von einer facettenreichen Darstellung gehört zu haben. Camilla Belle als D’Lehs geliebte Evolet bleibt ebenfalls vollkommen blass. Der weinerliche Gesichtsausdruck wird durchgehend aufgesetzt und was mit ihrem Charakter im Laufe des Films geschieht, interessiert nun wirklich niemanden.

Wir begeben uns also ins Jahr 10.000 vor Christus. D’Leh muss sich auf eine gefährliche Reise begeben, um seine entführte geliebte Evolot zu befreien und dazu noch seine ihm vorbestimmte Prophezeiung erfüllen. Dabei bekommt er so manches Raubtier zu Gesicht und auch die mächtigen Mammuts kreuzen seinen Weg. Auf seiner harten Reise muss er unerforschte Landschaften durchqueren, ein starkes Heer zusammenführen und sich gegen eine hochentwickelte Zivilisation auflehnen.

Die Steinzeit würde als Thema selbst sicherlich genügend interessante Aspekte bieten. Auch die Historiker aller Länder würden sich für einen Kinogang zusammentrommeln lassen. Das Emmerich aber keinen Geschichtsfilm macht, sollte von vornherein klar sein. Also verlassen wir uns einfach auf die Schauwertung und hoffen auf gute Unterhaltung. Ob er nun das Weiße Haus von Aliens sprengen lässt, Godzilla in neuer Gestalt alles in Schutt und Asche legen lässt, oder auch eine gigantische Welle und Tornados auf die Welt loslässt. Spaß haben die Filme sicher gemacht, ob sie nun gut waren ist eine andere Frage. Hier jedoch müssen wir in dieser Hinsicht eine herbe Enttäuschung erleben.

Es passiert größtenteils eben einfach rein gar nichts. Wer sich hier spannende Kämpfe und Jagden mit sämtlichen prähistorischen Getier erhofft, der findet schnell auf dem Boden der Tatsachen wieder. Zu Anfang gibt es eine Mammutjagd, die sich durchaus sehen lassen, doch das war es leider. Der riesige Säbelzahntiger, der auch das Cover schmücken durfte, ist in Wirklich eine ganz liebe Schmusekatze und steht auch noch in der Schuld von unserem großen Helden. Die Szenen im gestürmten Tempel gegen Ende des Films, machen zwar rein optisch auch nochmal was her, kommen nur leider viel zu spät und sind deutlich zu kurz geraten.

So will uns Emmerich eine Geschichte über den ersten großen Helden erzählen. Und der ist so platt, das einem leider nicht Hören und Sehen vergeht, sondern die Schamesröte ins Gesicht getrieben wird. Wenn er durch verschiedenste Klimazonen trampelt, ohne dabei auch nur einmal seinen Blick zu ändern und dabei jede seiner Handlungen absolut vorhersehbar ist, dann hat die Langeweile längst gesiegt.

Die Geschichte selbst schleppt sich von Minute zu Minute, ohne dabei auch nur einmal richtig einem Verlauf oder gar einem Sinn zu folgen. Ein schlimmes und trauriges Übel eröffnet sich dazu noch dem geschulten Ohr. Denn unsere Reise wird von einschläfernden und völlig aufgeblasen philosophischen Kommentaren begleitet, die im Original von Omar Sharif und in der deutschen Version von Armin Mueller-Stahl stammen. Tragisch, das zwei große Schauspieler ihre Stimmen für so einen Schund leihen. Dann gibt es da noch eine Schamanin namens Alte Mutter, die immer wieder eingeblendet wird und mit unseren Figuren mitfühlen und mitleiden kann. Dabei steuert sie andauernd nur nervtötendes Gebrabbel bei und lässt ihre Figur schnell in den Bereich des lächerlichen treiben.

Die Kostüme der Priester beim Gottestempel setzen dem Film in Sachen Peinlichkeiten noch die Krone auf und könnten frisch aus dem Kostümverleih der Grundschule kommen. Dazu legt Emmerich keinen Wert auf Authentizität, Abwechslung oder Ideenreichtum. Eine eigene Sprache unseres Stammeshelden gibt es nicht und ein Tropfen Blut, das in dieser rauen und kompromisslosen Zeit nicht selten geflossen ist, bleibt ebenfalls aus. Man könnte den Zuschauer ja mit zu vielen Untertiteln und Realismus überfordern und auch die 12 jährigen könnten nicht mehr im Kino platznehmen. So bleibt schlussendlich nur noch zu sagen: ‚10.000 BC‘ ist ein absoluter Totalausfall.

Fazit: Roland Emmerich wollte mal einen anderen Weg einschlagen und uns ein Steinzeitspektakel bieten. Pustekuchen. ‚10.000 BC‘ ist gesegnet mit grottenschlechten Darstellern, einem der löchrigsten Drehbücher überhaupt, peinlichen Dialogen und natürlich Emmerichs grausiger Inszenierung. Das Einzige, was sich sehen lassen kann, sind die Landschaftsaufnahmen, die wirklich schön geworden sind. Mehr bleibt aber nicht. Eine absolute Blamage im Schaffen von Roland Emmerich und einer der schlimmsten und banalsten Fehltritte überhaupt.

Bewertung: 1/10 Sternen