Die 10 besten Klassik-Momente aller Zeiten – Conrad-Mildner stellt seine Lieblinge vor

Filmmusik ist toll. Filmmusik ist großartig, doch oftmals greifen Filmemacher nach bereits geschriebener Musik, sogenannter „Source Music“. In vielen Fällen ist das Pop- oder Rockmusik des letzten Jahrhunderts, wie z.B. bei Quentin Tarantino, aber nicht selten wird auch Musik älteren Kalibers verwendet. Klassische Musik ist der Filmmusik nicht unähnlich. Sie hat viele Jahrhunderte überstanden, somit ihre Meisterschaft bewiesen, und sie verleiht der Szene in der sie ertönt eine weitere Ebene, etwas was aus dem Film hinaus ragt. Nun will ich euch meine liebsten Klassik-Momente vorstellen.

null10. Verdi in „Match Point“

Obwohl Woody Allens London-Premiere gemein als ernsthafter Film gilt, finde ich, dass „Match Point“ auch ein sehr komischer Film ist. Der Humor ist leise und ensteht gerade durch die diese ausgestellte Ernsthaftigkeit, die durch den Einsatz von Opernmusik noch verstärkt wird. Als Chris seinen Plan ausführt wird das mit einem Duett aus Guiseppe Verdis „Othello“ untermalt, wo die Dramatik und der schwarze Humor ihren fulminanten Höhepunkt erreichen.

Achtung Spoilergefahr!

9. Grieg in „The Social Network“

Selbst in einem so zeitgenössischen Film wie David Finchers „The Social Network“, der zudem einen umso innovativeren Score besitzt, hat klassische Musik ihren Platz. Trent Reznor und Atticus Ross arrangierten Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ aus der „Peer Gynt Suite“ elektronisch neu und illustrierten damit die Niederlage der Ruderzwillinge bei einem Wettbewerb. In einem Film, der praktisch nur in Dialogen strukturiert scheint, wirkte diese Szene wie ein Fremdkörper, da sie ohne Worte, also rein filmisch und mit der Kraft der Musik auskam.

8. Vivaldi in „Oldboy“

Spätestens mit „Lady Vengeance“ offenbarte Park Chan-wook das musikalische Ziel seiner Rachetrilogie. Die Kontrastierung von Gewalt mit der klaren Schönheit barocker Musik. Das bewies er bereits in seinem Smash-Hit „Oldboy“ in der Oh Dae-su einem seiner Peiniger zur Strafe mehrere Zähne zieht, untermalt mit dem ersten Satz aus „Der Winter“ von Antonio Vivaldi.

7. Wagner in „Apocalypse Now“

Da braucht man nicht mehr viel zu sagen. Eine der bekanntesten Verwendungen klassischer Musik in der Filmgeschichte. Die Gewalttätigkeit von Richard Wagners „Ritt der Walküren“ findet in der Bombardierung Vietnams seine filmische Entsprechung.

6. Händel in „Antichrist“

Lars von Triers großes Comeback war nicht nur eine stilistische Neuorientierung des Regisseurs, sondern auch ein umstrittenes Genrewerk. Eingerahmt wurde das ganze durch Händels „Lascia ch’io pianga“. Die Musik unterstrich die extreme Zeitlupe und die Unausweichlichkeit des Kindstodes auf berührende Weise.

5. Schubert in „Minority Report“

Schon oft wurde der erste Satz aus Schuberts 8. Sinfonie, auch „Die Unvollendete“ genannt, in Filmen verwendet, doch niemals so treffend wie in Steven Spielbergs Meisterwerk „Minority Report“, ein Film, der sich mit der „perfekten“ Verbrechensbekämpfung beschäftigt. Tom Cruises Figur demonstriert uns zu Beginn des Films, wie diese funktioniert und nebenbei läuft eben diese Musik. Das Scheitern des Systems ist schon zu Beginn in die Tonspur gebrannt.

4. Pachelbel in „Black Out – Anatomie einer Leidenschaft“

Für mich ist Johann Pachelbels „Kanon in D-Dur“ eines der schönsten Stücke der Musik. Es ist vollendete Kunst und es freut mich sehr, dass der große Nicolas Roeg es schaffte dieser Musik den richtigen Platz in der Filmgeschichte zu schenken. In seinem Liebesdrama „Black Out“ unterlegt Roeg die Abschiedsszene zwischen Milena und ihrem Mann mit Pachelbels Kanon und gibt dieser Sequenz damit den Anmut einer heiligen Prozession.

3. Bach in „The Tree of Life“

Die „Toccata und Fuge in D-Moll“ ist nicht gerade ein unbekanntes Werk und wurde in der Filmgeschichte bereits zum Erbrechen oft benutzt. Das schien Terrence Malick aber nicht davon abzuhalten es nochmal zu tun. In seinem Opus „The Tree of Life“ ertönt die Fuge als On-Musik, also als Teil des Filmgeschehens, wo sie Brad Pitt auf einer Orgel spielt und sein Sohn den Blasebalg tritt. Es ist ein fast sakraler Moment, den Malick da kreiert. Die Ernsthaftigkeit und Strenge des Vaters verwandeln sich vor den Augen des Sohnes in Musik.

2. Strauss in „2001 – Odyssee im Weltraum“

Stanley Kubricks Einsatz von klassischer Musik war stilbildend und im Bezug auf „2001“ legendär, denn eigentlich wurde für den Sci-Fi-Film ein Soundtrack geschrieben, doch der gefiel Kubrick dann nicht so gut wie die Musik, die er aus Vorschauzwecken während des Filmschnitts verwendete (Temp-Tracks). Eben diese Musik war der Anfang aus Richard Strauss sinfonischer Dichtung „Also Sprach Zarathustra“. Trotz des eindeutigen Titels, hat es Kubrick geschafft, dass Strauss Musik nicht in erster Linie mit Nietzsches Werk in Verbindung gebracht wird, sondern mit „2001“ und mit dem großen Kino an sich.

1. Dukas in „Fantasia“

Ohne viele Worte zu verlieren, küre ich Disneys innovatives Filmexperiment „Fantasia“ zum Sieger und wähle exemplarisch die Episode in der Mickey Maus als Zauberlehrling auftritt. Paul Dukas Vertonung des Goethe-Gedichts traf auf das Medium Film und bildete den Grundstein heutiger Musikvideos.