"Der 13te Krieger" (USA 2002) Kritik – Die Gefahr aus dem Nebel

„Sie kommen nachts, mit dem Nebel, wenn es am dunkelsten ist!“

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Bagdad, im Jahr 922 vor Christus: Ahmed Ibn Fadlan ist ein angesehener Araber, der den Fehler begeht, eine Affäre mit einer verheiraten Frau einzugehen. Die Strafe: Verbannung aus dem eigenen Land. Ahmed muss die mystischen und ebenso gefährlichen Nordländer erkunden, so will es der Kalif, und schon bald trifft er auf seiner Reise auf ein kleines Wikingerlager, in dem raue und barbarische Sitten an der Tagesordnung stehen. Angeführt vom Krieger Buliwyf streifen die Wikinger als Söldner durch das unbekannte Land, doch die schwerste Mission steht den Männern erst noch bevor: Der König höchstpersönlich hat die Krieger beauftragt, sein Reich vor übermenschlich grausamen Kreaturen zu beschützen, die immer wieder aus dem Nebel aufsteigen und nur als flammender Drache bekannt sind. Insgesamt 13 Krieger müssen in den Kampf ziehen und ausgerechnet in Ahmed liegt das Schicksal des 13. Kriegers…

„Der 13te Krieger“ besitzt alles andere als eine Reibungslose Entstehungsgeschichte: Die anfänglichen Reibereien zwischen dem ersten Regisseur John McTiernan und dem Produzenten Michael Crichton arteten immer weiter aus, bis aus Reibereien extreme Streitereien wurden, die John McTiernan dazu bewegten, das Handtuch zu werfen und Crichton den Regiestuhl zu übergeben. Das Drehbuch musste wieder umgeschrieben werden, abgedrehte Szenen nochmal auf Anfang gesetzt und die Stimmung am Set war natürlich dementsprechend. Aber diese hintergründigen Probleme sollten nicht die einzigen sein, denn nach dem verspäteten Kinostart sollte kam es noch dazu, dass „Der 13te Krieger“ einer der größten kommerziellen Misserfolge der Filmgeschichte wurde. Nicht mal im Ansatz wurde die Hälfte der 100 Millionen Produktionskosten wieder eingespielt. Omar Sharif war bei dem katastrophalen Ergebnis so schockiert, dass er das Schauspiel verschreckt an den Nagel gehängt hat.

Dabei liegt es sicher nicht den Darstellern, dass „Der 13te Krieger“ an den Kinokassen derart durchfiel. In der Hauptrolle als Araber Ahmed Ibn Fadlan sehen wir den Spanier Antonio Banderas . Banderas passt zwar nicht unbedingt die Rolle des Morgenländers, aber er ist talentiert genug, um die Rolle solide auszufüllen, ohne sich in irgendeiner Art und Weise zu blamieren, oder sich unnötigen Übertreibungen zu bedienen. Der erwähnte Omar Sharif selbst spielt nur eine winzige Rolle und fungiert als Ahmeds Begleiter. Sicher ist es immer wieder schön, den Altstar zu sehen, doch seine Performance hier ist wirklich nichts Besonderes und verlangt keinerlei schauspielerisches Können. Die Nebenrollen der Nordmänner sind dagegen durchweg mit unbekannten Gesichtern wie Vladimir Kulich, Dennis Storhoi, Clive Russel oder Richard Bremmer besetzt, die allerdings durch das robuste Äußere ihre Figuren passend ausfüllen. Interessanter ist noch die düstere Atmosphäre, die „Der 13te Krieger“ mühelos erzeugen kann und den Zuschauer dadurch in die finstere Zeit zieht. Dabei hilft auch das wunderbare Setting, das ohne pompöse Bauwerke auskommt, dafür aber auf dreckige Gebäude und grobe Naturaufnahmen, die den überzeugenden optischen Eindruck stark abrunden.

In „Der 13te Krieger“ treffen der edle Morgenländer und die schmutzigen Nordmänner ungebremst aufeinander. Die überdeutlichen Gegensätze müssen jedoch eine Einheit bilden und gegen den klar überlegenen Gegner antreten, der sich feurig aus den nebeligen Mooren erhebt und unzählige Menschen im Reich des nordischen Königs auf dem Gewissen hat. Dabei kann „Der 13te Krieger“ gerade durch die ungewisse Stimmung punkten, die sich um die Frage klammert, mit welchem Gegner wir es hier wirklich zu tun bekommen. Mensch? Monster? Übernatürliches Wesen? Vor allem in Verbindung mit der atmosphärischen Finsternis, die das Zeitalter durchaus fühlbar macht. Jedoch geht der Film nicht den Fehler ein, einen historischen Standpunkt zu ergreifen, denn dann wäre er von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wir werden hier lediglich in eine Geschichte gezogen, die zwar einen historischen Kern hat, aber nicht ÜBER diese Zeit erzählen will, sondern WÄHREND dieser Zeit. So haben McTiernan & Crichton die inszenatorischen Freiheiten auf ihrer Seite, solang sie einen gewissen Rahmen nicht sprengen.

Das Problem von „Der 13te Krieger“ ist jedoch die Unausgegorenheit, die im Laufe des Films immer deutlicher wird und irgendwann jeden klaren Verlauf aus den Händen verliert. Immer wieder wird eine neue Richtung eingeschlagen, doch auf eine nachvollziehbare Linie wird dabei kein Wert gelegt, was dem Handlungsgerüst jedes standhafte Fundament entzieht und die Unlogik des Ganzen vorantreibt. Hier sind die Diskrepanzen des Drehs zwischen Crichton & McTiernan in ihrer ganze Stärke zu spüren und machen aus dem Drehbuch ein zusammenhangloses Einerlei, dass sich ab einem bestimmten Punkt nur noch durch die Eindimensionalität auszeichnet, ohne aber den Unterhaltungswert gänzlich zu verlieren. „Der 13te Krieger“ nimmt immer weiter ab und die vollkommen akzeptable Länge des Films wird schlussendlich der schwerwiegende Nachteil, einfach weil die inszenatorische Talfahrt nicht mehr zu stoppen ist und den zu Anfang positiven Eindruck zerstört.

Fazit: „Der 13te Krieger“ überzeugt durch seine düstere Atmosphäre, dem zeitgenössischen Setting, dem grandiosen Score von Jerry Goldsmith und der passenden Darsteller. Ab dem letzten Drittel verliert sich der Film jedoch vollkommen aus den Augen, wirft immer neue Handlungsstränge ein, kann aber keinem wirklich folgen, geschweige denn sie überzeugend verknüpfen. Die Probleme des Drehs lassen sich eben doch nicht vertuschen und zeichnen den unausgegorenen Eindruck schlussendlich viel zu deutlich ab, was „Der 13te Krieger“ zu keinem guten Film macht, sondern lediglich geradeso in das Mittelfeld des Genres drückt.

Bewertung: 5/10 Sternen