"21 Jump Street" (USA 2012) Kritik – Zurück in die Jugend

„Jetzt hast du Schulfrei, du Dreckschwein.“

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Beliebte Serien wurden auch in der Vergangenheit gerne und erfolgreich auf die großen Leinwände gebracht. Ob es nun ‚Mission: Impossible‘, ‚Auf der Flucht‘ oder das ‚A-Team‘ waren. Sie alle basieren auf TV-Serien und konnten ihre Anhänger auch in die Kinos locken, wenn auch nicht wirklich alle zufrieden mit der neuen Interpretation waren. Nun schreiben wir das Jahr 2012 und es kündigte sich schon die nächste Serien-Verfilmung an. Dieses Mal handelte es sich um die 80er Jahre Serie „21 Jump Street“, durch die Johnny Depp seinen Durchbruch schaffte. Auf den Regiestühlen nahmen Phil Lord und Chris Miller Platz, die vorher im Animationsbereich tätig waren. Lord und Miller dürfen aber auch in Zukunft gerne mit echten Menschen weiterdrehen, denn ’21 Jump Street‘ ist eine der Überraschungen des Jahres.

Schmidt und Jenko haben die Polizeischule gerade mit gemeinsamer Hilfe abgeschlossen und freuen sich auf ihr neues, aufregendes Leben als Hüter des Gesetzes. Die Realität sieht jedoch etwas anders aus und die beiden Frischlinge werden zu Parkwächtern. Als eine neue Droge ihre Kreise in der Szene zieht, sind Jenko und Schmidt endlich gefragt und sollen wegen ihrem unreifen und jugendlichen Auftreten in der High-School untertauchen und die Drogenhändler wie Quellen aufspüren. Doch erst mal müssen sich die beiden Männer im neuen Leben zurechtfinden…

In den Hauptrollen setzten Lord auf Miller auf Jonah Hill und Channing Tatum. Das Hill komödiantisches Talent hat, konnte er in der Vergangenheit einige Male beweisen. Zuletzt zeigte er auch in ‚Moneyball‘ an der Seite von Brad Pitt eine gute Leistung und konnte sich für die ernste Rolle eine Oscar Nominierung einstecken. Hill passt auch hier als schüchterne Mimose Schmidt wieder genau in den Film und füllt seine Rolle sympathisch aus. Gespannter durfte man auf Mädchenschwarm Channing Tatum sein, der in der Vergangenheit eher vollkommen ausdruckslos durch seine Filme stolperte. Doch auch das ist hier jetzt endlich anders und Tatum hat sich nicht nur die beste Rolle seiner bisherigen Karriere geschnappt, sondern zeigt auch als durchtrainierter Jenko seine stärkste Leistung, in dem er sein Image einwandfrei aufs Korn nimmt und einige Spitzen gegen sich selbst schießt. Die Nebenrollen bleiben zwar eher Randerscheinungen sind aber mit Ice Cube, Brie Larson und Dave Franco passend besetzt.

Wer sich die Serie „21 Jump Street“ in den 80ern gerne angesehen hat und sich auch als Fan betitelt, wird trotzdem zugeben müsse, dass die Serie ziemlich schlecht gealtert ist und heute doch sehr angestaubt wirkt, auch wenn der 80er-Look nach wie vor seinen eigenen Charme besitzt. Die Frage, die sich nun stellen sollte war, wie man diese Serie am besten in die heutige Zeit verlegen könnte und diese Beantworten die beiden Regisseure hervorragend. Sie nabeln sich vollkommen von der Vorlage ab, verlegen die Story in die Gegenwart und setzten frische Gesichter ein. Mehr braucht es gar nicht. Jenko und Schmidt waren zu ihrer High-School-Zeit vollkommen gegensätzliche Schüler. Während Schmidt guten Noten schrieb, aber keine Freunde hatte, war Jenko der beliebteste Typ an der Schule, dafür allerdings im Unterreicht eine Niete. Dann begegnen sie sich auf der Polizeischule wieder, freunden sich an und helfen sich mit ihren Stärken gegenseitig. Für diese Charaktereinführung verliert der Film knapp 10 Minuten und verläuft sich gar nicht erst in irgendwelche ausufernden Vorstellungen. Nun haben sie ihre Marke, Vorzeigepolizisten sind sie aber sicher nicht. Schmidt fehlt der Mut und Jenko hat nicht mal die leichtesten beruflchen Sätze drauf. Als sie dann wieder die High-School besuchen müssen, stellen beide fest, dass sich in nicht einmal 10 Jahren so einiges getan hat. Jenko, der nun Brad McQuaid heißt, kommt mit der draufgängerischen Art gar nicht mehr an und wenn er jemanden verprügelt, klatscht niemand mehr Beifall und schon landet er, auch durch einen Fehler von ihm, bei den Strebern. Genau bei denen sich früher Schmidt, heute dann Doug McQuaid, rumtreiben musste. Als Doug kommt er mit seiner vertrauenswürdigen Eigenart plötzlich bei den Jugendlichen an und schon sind die aufgezwungenen und klischeehaften Rollen vertauscht und verwechselt und die Suche nach der Drogenquellen wird zur extrem witzigen Fahrt durch eine neue Jugend.

’21 Jump Street‘ bringt wieder neuen Schwung in das oft festgefahren wirkende Komödien-Genre. Dass der Film aber so toll funktioniert, liegt ganz klar an den fantastisch harmonierenden Hauptdarstellern, die mit ihren verschiedenen Charakteren ein Feuerwerk zünden, bei dem wirklich jeder Gag sitzt. Die Inszenierung ist so herrlich selbstironisch, dass der Film einen schnell in seinen Bann zieht und auch auf liebenswerte Weise viel Spaß macht. Natürlich gibt es auch wieder die Witze, die klar unter der Gürtellinie sind, doch das Ganze wird nie niveaulos und verkommt zu dämlichem Hau-Drauf-Humor. Ganz im Gegenteil, neben den richtig großen Lachern (brillant ist die Toilettenszene zwischen Hill und Tatum, wenn sie von einem Hausmeister beobachtet werden), sind auch unheimlich feinfühlige Sprüche vertreten, die uns hier bei der Laune halten. Wer die Originalserie kennt, wird die vielen tollen Anspielungen dankend annehmen und der Cameo von Johnny Depp ist nahezu genial. Aber auch alle anderen, die vorher noch nie etwas von dieser Serie gehört haben, werden hier beste Unterhaltung geboten bekommen. Auf die Action wird ebenfalls nicht verzichtet, ob es nun die Verfolgungsjagd auf der Brücke ist, oder das blutige Finale. Es kracht und das Tempo wird aufrecht gehalten. Zwischendurch schleichen sich zwar einige kurze Längen ein, der Bösewicht und die Drogensuche rutschen auch etwas in den Hintergrund, denn das zurechtfinden der beiden Undercover-Cops ist viel unterhaltsamer, doch das stört kaum. ’21 Jump Street‘ macht unglaublich viel Spaß und ist eine wahre Stimmungskanone.

Fazit: Viel Spaß, beste Unterhaltung, extrem sympathisch, mit schönen, herzlichen Zwischentönen und feiner Action. So lässt sich ’21 Jump Street‘ wohl am besten beschreiben. Die Kernhandlung mit der Drogensuche gerät etwas aus den Augen und auch den Bösewicht hätte man interessanter gestalten müssen, doch das sind nur kleine Schönheitsfehler. ’21 Jump Street‘ ist ganz klar sehenswert und man darf sich auf Teil 2 freuen.

Bewertung: 7/10 Sternen