"36 – Tödliche Rivalen" (FR 2004) Kritik – Ein zwiespältiges Duell

„Wer gibt dir das Recht mich so zu behandeln, Leo? Außer diesem Beruf hab ich nichts, verstehst du?“

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Olivier Marchal ist auch nach seinem Debütfilm ‚Gangsters‘ aus dem Jahr 2002 eine kleine und unbekannte Nummer geblieben. Zwei Jahre später war das mit seinem zweiten Film ’36 – Tödliche Rivalen‘ schon ganz anders. Sein Krimi mit französischer Topbesetzung wurde von allen Seiten gefeiert und auch der Titel „europäischer Heat“ wurde dem Film nicht nur einmal aufgelegt. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, die Enttäuschung im Nachhinein allerdings auch. ’36 – Tödliche Rivalen‘ ist mit Sicherheit kein schlechter Krimi, allerdings ist der Film in seiner Qualität so weit entfernt von ‚Heat‘, wie Marchal von der inszenatorischen Klasse eines Jean-Pierre Melville.

Fahndungschef Leo Vrinks (Daniel Auteuil) und Dezenatschef Denis Klein (Gerard Depardieu) sind die ranghöchsten Polizisten der Einheit. Während eine Bande Geldtransporter mit kompromissloser Brutalität ausräumt, entbrennt ein Zweikampf: Derjenige, der der Überfallserie ein Ende setzt, wird neuer Polizeichef. Dazu kommt der Hass, den die beiden schon vorher aufeinander hatten, denn Vrinks hat Klein einst die Frau ausgespannt. Der Rivalismus zwischen den Männern zieht immer größere Kreise.

Die Geschichte der ewigen Rivalen haben wir in der Vergangenheit schon mehr als nur einmal aufgetischt bekommen. Interessant bleiben diese Filme dennoch, denn die verschiedenen Ausrichtungsweisen haben doch immer wieder ihre eigenen und spannenden Reize. ’36 – Tödliche Rivalen‘ versteht es auch zu Anfang den Zuschauer zu packen. Wir sehen einen Transporterüberfall, der wirklich einen Hauch von ‚Heat‘ mit sich bringt und nicht nur blendend gefilmt wurde, sondern auch realistisch dargestellt. Wer getroffen wird, der stirbt auch und ballert nicht noch unzählige Male durch die Gegend. Vor allem verzichtet Marchal dabei auf unnötige Toneffekte und konzentriert sich rein auf die echten Geräusche. Auch die Schießerei auf einem alten Hof ist toll festgehalten, reißt einige Löcher und ist nie übertrieben und schon ist die erste Stunde des Films fast rum. Unsere beiden Charaktere konnten wir auch schon mehr oder weniger kennenlernen. Vrinks, der als Polizist auch keine weiße Weste mehr hat und durch Klein nicht nur einen Kollegen, sondern auch einen guten Freund verliert, wird uns nach und nach verständlicher vorgestellt. Klein hingegen hängt immer an der Flasche, wird zunehmend unzurechnungsfähiger und seine Handlung auf der Beerdigung des Polizisten, der wegen ihm gestorben ist, schießt den Vogel ab. Ein hassenswerter Mensch.

Doch nach dieser Szene geht dem Film schlagartig die Puste aus. Nebenhandlungen, die erst eingeführt wurden, fallen weg. Charaktere bekommen keine richtige Zeit mehr geschenkt und alles dreht sich um den Machtkampf der Polizisten. Doch dieser Kampf, der anfangs noch so interessant und klar gezeichnet wurde, verliert sich ebenfalls. Es kommt zu einer Abhandlungen von Szenen und es wird einfach strickt von A bis Z durchgezogen. Und das allerdings auch noch erschreckend ziehend und spannungsarm. Unsere beiden Männer füllen ihre Charaktere typisch aus, ganz nach dem alten Schema Gut und Böse. Gewürzt mit Rachegefühlen, Wut und moralisch fragwürdiger, aber vertretbarer Gerechtigkeit. So werden knappe 60 Minuten zu gefühlten 120 und der erste Eindruck, wird wieder zurückgedrückt. Mit Sicherheit liegt der Film noch über dem Standard, nicht zuletzt auch wegen der klaren Optik, dem passenden Soundtrack und der Darsteller, wobei Depardieu die Nase gegenüber Auteuil vorn hat.

Fazit: Visuell, akustisch und darstellerisch überzeugt ’36 – Tödliche Rivalen‘ in jedem Fall. Auch die erste Hälfte des Films packt und macht deutlich Lust auf mehr. Dann geht es jedoch bergab. Charaktere verlieren den Halt und das Interesse des Zuschauers, die Story wird langatmig und das Ende lässt deutlich auf sich warten. Der Film ist zwar sicher nicht schlecht, aber diese Punkte drücken ihn in das überdurchschnittliche Mittelfeld. Einmal kann man ihn sich ansehen, das reicht dann aber auch.

Bewertung: 6/10 Sternen