"50/50 – Freunde fürs (Über)leben" (USA 2011) – Joseph Gordon-Levitts Kampf gegen den Krebs

„No one wants to fuck me. I look like Voldemort.“

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Drei kleine Wörter, die wohl wirklich niemand von seinem Arzt hören will: „Sie haben Krebs“. Wie geht man jedoch mit dieser lebenszerstörenden Diagnose um? Eine Frage, die seit Jahren genügend Stoff für eine Vielzahl von Hollywoodstreifen à la „Beim Leben meiner Schwester“ oder Fernsehserien wie zuletzt AMCs Hitformat „Breaking Bad“ bietet. Auch „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ nimmt sich dieser schwierigen Thematik an, doch Jonathan Levines („All the Boys Love Mandy Lane“) Krebsdrama legt den Fokus nicht auf die physischen Leiden eines Krebspatienten, sondern stellt die psychischen Belastungen für den Betroffenen und dessen Angehörigen nach einer solchen Diagnose in den Vordergrund. Das Resultat ist ein herzerwärmendes modernes Märchen über Freundschaft, Hoffnung in den Glauben in sich selbst, mit einem grandiosen emotionalen Finale, das wohl nur den hartgesottensten Kinogängern keine feuchten Augen bescheren wird.

Adam (Joseph Gordon-Levitt) führt ein vernünftiges und beschauliches Leben: Gemeinsam mit seiner Freundin Rachael (Bryce Dallas Howard) lebt er in einem kleinen Haus in Seattle und zieht dann und wann mit seinem besten Kumpel Kyle (Seth Rogen) um die Häuser. Seit einiger Zeit leidet Adam jedoch unter starken Rückenschmerzen und Kurzatmigkeit. Ein Besuch beim Arzt soll Klarheit schaffen, doch statt guten Neuigkeiten hat der Arzt für ihn eine echte Hiobsbotschaft: Adam leidet an einer seltenen Art von Wirbelsäulenkrebs und dabei ist er doch gerade einmal 27 Jahre alt. Adam versucht die Diagnose erst einmal gelassen aufzunehmen, doch nach und nach beginnt die Krankheit sein Leben zu bestimmen.

Joseph Gordon-Levitt hat den Sprung vom Serienstar („Hintern Mond gleich links“) zur echten Hollywood-Größe geschafft, denn spätestens seit „500 Days of Summer“ weiß man um seine Qualitäten als Charakterdarsteller. Und auch in „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ zeigt der schmächtige Schauspieler ein weiteres Mal, was er auf dem Kasten hat. Gordon-Levitt gibt hier den krebskranken Jedermann und bietet somit eine perfekte Identifikationsfigur für den Zuschauer. Seinen wohl größten Moment erlebt Gordon-Levitt jedoch während des tragischen Finales, was er in diesen Momenten zeigt, sind Emotionen pur, fernab aller kitschigen und klischeehaften Tränendrückerei, die in Hollywood sonst gerne einmal zelebriert wird.

Doch nicht nur der Protagonist wurde clever gewählt, bis in die letzte Nebenrolle hat Regisseur Jonathan Levine bei der Besetzung ein gutes Händchen bewiesen. Wer bereits beim Anblick eines Seth Rogens („Beim ersten Mal“) auf dem Kinoposter von vornherein verschreckt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, sollte „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ dennoch eine Chance geben. Zwar präsentiert sich Rogen auch hier wieder als Archetyps aller Buddy-Charaktere, dennoch ist es in diesem Fall genau seine lautstarke Art und die zotigen Witze, durch die sich der Film, trotz der bedrückenden Thematik, eine gewisse Leichtigkeit bewahrt. So offenbart sich Rogen als die letzte Insel der „Normalität“ in diesem ganzen düsteren Krebs-Chaos, die dafür sorgt, dass sich Adam trotz der schweren Krankheit nicht vollends aus dem Leben ausklinkt. Auch mit Anjelica Huston („Die Addams Family in verrückter Tradition“) als überfürsorgliche Mutter, der langsam die Kontrolle entgleitet, hat Levine einen Volltreffer gelandet: Obwohl die ehemalige Hollywood-Schönheit nur in wenigen Szenen zu sehen ist, schafft sie es scheinbar mühelos schauspielerische Höchstleistungen abzurufen und so dürften ihre skurril-dramatischen Auftritte dem Zuschauer noch lange im Gedächtnis bleiben.

Jonathan Levine verzichtet in seinem Drama „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ größtenteils darauf, sich auf die krankheitsbedingten Beschwerden oder die durch die Chemotherapie verursachten schmerzhaften Nebenwirkungen zu fokussieren. So bleiben schlaflose Nächte, Kotzkrämpfe und ähnliche Torturen stets Randerscheinungen. Regisseur Jonathan Levine räumt stattdessen eher den kleinen und oftmals unbeachteten Dingen viel Platz ein. Bezeichnend dafür ist die Szene, in der sich Adam zum ersten Mal eine Glatze schneidet: Wenn Adam und sein Kumpel Kyle gemeinsam im Bad vor dem Spiegel stehen, dann merkt man, wie schwer dieser Schritt für den krebskranken Adam sein muss, denn erst durch die Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes wird die Krankheit plötzlich real. Doch selbst diese düstere Szene inszeniert Jonathan Levine sowohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn obwohl nun die Krankheit nicht mehr zu verdrängen ist, gibt es immer noch Freunde auf die man sich verlassen kann. „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ ist eine sentimentale, dabei aber selten kitschige oder klischeehafte Ode an die Kraft der Freundschaft und der Familienbande, mit deren Hilfe selbst schwere Schicksalsschläge zu überstehen sind.

Fazit: „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ besticht durch eine makellose Inszenierung und eine perfekte Besetzung. Der Film ist tragisch, schön und wunderbar menschlich, wobei besonders das berührende Finale einem noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Bewertung: 8/10 Sternen