Die 50 besten Filme aller Zeiten – Pascal von CinemaForever stellt seine Lieblinge vor

Autor: Pascal Reis

Über zwei Jahre gibt es jetzt schon unseren Blog. Daher dachten wir uns, es sei an der Zeit, unseren Lesern eine aktualisierte Liste unserer Top 50 Lieblingsfilme vorzustellen, damit ihr, unsere Fans, einen noch besseren Eindruck von uns bekommt. Und auf los geht’s los: Das sind meine ganz persönlichen 50 Lieblingsfilme.

Platz 50: „Zodiac – Die Spur des Killers“ (USA 2007) von David Fincher

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Besser als in „Zodiac – Spur des Killers“ war Regie-Ästhet David Fincher nie. Warum? Weil Fincher – Anders als in seinen ebenfalls großartigen Filmen „Sieben“ und „Fight Club“ – nicht die düstere Sensation sucht, sondern ganze Generationen mit eine detaillierten Finesse wiederbelebt, dass „Zodiac – Spur des Killers“ nicht nur eine hochspannende wie intelligent chiffrierte Kriminalstory zu bieten hat. „Zodiac – Spur der Killers“ ist auch formal eine der beeindruckendsten Filmen, die die jüngere amerikanische Filmgeschichte hervorbrachte.

Platz 49: „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (USA 1978) von John Carpenter

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Carpenter gibt uns nicht den Hauch einer Antwort und lässt uns mit der zerfressenden Angst allein. Hat Dr. Loomis Recht und ist Michael wirklich das pure, unzerstörbare Böse? Man weiß es nicht und die Suche nach Motiven scheitert kläglich. Wir befinden uns in der sauberen Kleinstadt und das Fremde dringt langsam in sie hinein. Schutz finden wir nirgendwo und Carpenter zieht die Schlinge immer enger und enger, bis uns der Atem gänzlich wegbleibt. Eine atmosphärische Meisterleistung, deren Faszination und Undurchdringlichkeit niemals abflachen wird.

Platz 48: „Beim Sterben ist jeder der Erste“ (USA 1972) von John Boorman

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Ein Kampf ums bloße Überleben beginnt, der nächste Moment ist dabei vollkommen unvorhersehbar, denn die Großstädter sind nicht in ihrem vertrauten Umfeld und die wilde Gefahr könnte hinter jedem Baum lauern. Das Ende dabei immer klar vor Augen. Hier ist es dann ganz besonders die schreckliche Vergewaltigung von Bobby, die sich ins Gedächtnis brennt und dem Zuschauer den Atem raubt. Boorman verzichtet auch gänzlich auf blutige Einlagen. Die hat der Film auch nicht im Ansatz nötig, denn die psychische Gewalt, die der Film freisetzt, wirkt noch viel extremer, als irgendwelche banalen Blutfontänen. „Beim Sterben ist jeder der Erste“ wird zu einem Film, den man im Leben sicher nicht mehr vergessen wird, einfach weil so viel Wahrheit und Schrecken in ihm steckt.

Platz 47: „Lost in Translation“ (USA 2003) von Sofia Coppola

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Zwischen Tragik und Komik wird ein intimes Netz aus Melancholie, Authentizität und echten Gefühlen gesponnen, das sich zu keinem Zeitpunkt in abgedroschenen Rührseligkeiten verläuft oder den Fehler macht, die sexuelle Ebene zu betreten. Hier geht es um Nähe, Zärtlichkeit und um die gegenseitige Annahme, um Seelenverwandtschaft, menschliche Fehler und um die Ehrlichkeit. „Lost in Translation“ ist warmherziges, berührendes und wunderschönes Kino zum immer wieder neu Verlieben.

Platz 46: „Der Himmel über Berlin“ (DE/FR 1987) von Wim Wenders

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Die Unsterblichkeit eintauschen gegen das Anlehnen und Einkehren, gegen das Altern und Vergehen. Lieben und geliebt werden. „Der Himmel über Berlin“ ist das gefühlvolle Schweigen und die zarte Liebeserklärung an das, was wir sind, aber viele nicht mehr zu schätzen wissen. Ein poetischer Werdegang zwischen Vergangenheit und Zukunft, der eine philosophische Schönheit besitzt und in jeder Szene ein ganz eigenes Ziel findet, voller Fragen, auf die es nie Antworten geben wird.

Platz 45: „Die Klavierspielerin“ (AT/FR 2001) von Michael Haneke

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Michael Haneke verdeutlicht „Die Klavierspielerin“ durch eine unaufgeregte und ebenso unangenehme inszenatorische Ruhe, die durch ihre unverfälschte Prägnanz wie ein präziser Schlag in die Magengrube des arretierten und gelähmten Zuschauers wirkt. Niemand hat hier die Zügel in der Hand, nicht der Konsument, nicht die Charaktere, einzig Haneke bestimmt den Weg in die resignative Selbstzerstörung und reißt alles mit sich in das perverse Martyrium, bis die qualvolle Stille vor und hinter der Mattscheibe einsetzt.

Platz 44: Titanic“ (USA 1997) von James Cameron

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„Titanic“ ist jedoch an aller erster Stelle ein tragisches Märchen, welches auf einer wahren Geschichte basiert. James Cameron schafft es zu jedem Augenblick, den Eindruck zu vermitteln, wie toll und abenteuerreich zugleich es ist, tagelang vom Meer umgeben zu sein. Und er zeigt konsequent, wie dumm Menschen in Panik reagieren. Das ist nicht unlogisch, sondern so real und schockierend wie der tragische Ausgang der letzten Love Parade.

Platz 43: „The Master“ (USA 2012) von Paul Thomas Anderson

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„The Master“ bleibt ein Film über Menschen, über Schwächen und Sehnsüchte. Über Menschen, die ein Teil einer standhaften Verbundenheit sein wollen, sich ihrer Natur aber nicht verweigern können und so sämtlichen Autoritäten geradewegs ins Gesicht treten. Wenn Anderson seinen renommierten Master an sich selbst zweifeln lässt, dann wird deutlich, mit welchem Scharfsinn der Regietitan seine Charaktere offenbart. Ohne Vorschriften und ohne Anbiederungen geht „The Master“ seinen Weg und als Zuschauer muss man sich an jeden noch so kleinen Zwischenton klammern, denn sonst rennt einem dieser unkonventionelle Brocken von Film gnadenlos davon.

Platz 42: „Die 120 Tage von Sodom“ (FR/IT 1975) von Pier Paolo Pasolini

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Ein reales Extrem kollidiert mit einem illusionären Extrem und lässt den Konsumenten in einer sexualisierten Gewaltspirale ohne Grenzen versinken. Neben dieser drastischen Faschismus-Kritik lässt sich „Die 120 Tage von Sodom“ noch unter ganz anderen Anhaltspunkten deuten, und damit ist nicht nur die Similarität zwischen der biblischen Stadt Sodom und der historische Kontext des italienischen Salò gemeint. Der Italiener entfaltet mit entschiedener Konsequenz den eklatanten Machtmissbrauch und die rigorose Entmenschlichung mit all ihren abstoßenden Grausamkeiten. „Die 120 Tage von Sodom“ erhält unweigerlich einen universellen Charakter, der in seiner aversiven Aktualität nicht zu übertrumpfen ist. Mit Sicherheit ist es ein Film, den man nicht mögen muss, kontrovers ohne Zweifel, wenn man sich jedoch auf ihn eingelassen hat, bekommt man augenscheinlich ein Werk von immenser Signifikanz geboten.

Platz 41: „Mystic River“ (USA 2003) von Clint Eastwood

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Es geht um Familie und die Familiäre Bindung zu jedem Mitglied. Vor allem aber geht es um Schuld und Sühne. Wer ist der wahre Täter und wie würde man als Vater handeln, wenn man vor dem Mörder seiner Tochter steht und innerlich bereits völlig zerfressen und erfroren ist? In wie fern kann man diesen Menschen in seinen Aussagen und Handeln verstehen? Gerechtfertigt oder unverständlich? Dass die moralischen Fragen auch eine große Rolle spielen und immer wieder in einem Gewissenskonflikt enden versteht sich von selber. All das verpackt Clint Eastwood zu einem absolut hochkarätigen Film der absoluten Extraklasse der auf allen Ebenen immer wieder packt, aufwühlt und berührt.

Platz 40: „Shutter Island“ (USA 2010) von Martin Scorsese

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Bei der Suche nach Wahrheit lebt der Film durchgehend von der tragenden Darstellung DiCaprios und von der bedrückenden Atmosphäre. Eine Flucht von der Insel ist unmöglich. Zu weit ist der Weg zum Festland und zu hoch sind die Klippen. Man kann sich zwar verstecken, doch das Entkommen selbst ist unmöglich. Sobald der Sturm aufzieht und die Insel kontrolliert, zeigt sich nicht nur die unbändige Kraft der Natur, sondern auch Teddy Daniels Charakter wird immer weiter verschoben und verdreht, um sich immer tiefer in sein eigenes Chaos zu stürzen. Seine Vergangenheit wird zum Gegenwartsgefühl. Realität und Traum werden vermischt und das Fünkchen Wahrheit, welches an jedem dieser Momente haftet, muss Stück für Stück sorgfältig zusammengefügt werden.

Platz 39: „Irreversibel“ (FR 2002) von Gaspar Noe

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Gaspar Noé zeigt uns glasklar, das sich Rachegefühle, die hier zwar vollkommen verständlich, natürlich und menschlich sind, als sinnlos erweisen. Genauso wie die Tat selbst, die in Sinnlosigkeit gipfelt und uns zu keiner Zeit eine Begründung gibt. Weil es einfach keine gibt. Das Herz der Finsternis, das dunkelste im Menschen hat sich geöffnet und uns Stück für Stück eingenommen. Die Zeit zerstört alles. Die Zeit verändert nichts. Die Zeit heilt keine Wunden und zerfrisst uns alle.

Platz 38: „American Beauty“ (USA 1999) von Sam Mendes

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Das amerikanische Familienbild in der gemeißelten Vorstadtidylle, in der die belanglose Oberflächlichkeit den wahren Wert des Lebens zu zerdrücken droht, wird süffisant Stück für Stück zerlegt, die Charaktere lassen ihre Masken fallen, erzwungene wie verlogene Fassaden stürzen in sich zusammen und eröffnen ein neues Bild in Richtung Zukunft – ob Abschied oder Neubeginn, ob Scheitern oder Hoffnung. Dazu der zuweilen bitterböse Humor, die intelligenten Spitzen und die wunderschönen, unverfälschten Momente, fernab jeder Verlogenheit und prätentiösen Selbstbeweihräucherung. „American Beauty“ brennt sich ein und ist mit Sicherheit einer der Filme für die Ewigkeit.

Platz 37: „The Messenger“ (USA 2009) von Oren Moverman

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„The Messenger“ ist starkes Gefühlskino, das ohne Tamtam mehrere, gut gezielte Schläge in die Magengrube abgibt. Es ist kein Film, nach dem man sich gut fühlt oder die Welt umarmen möchte. Es ist ein äußerst einfach gestricktes aber dafür umso überwältigendes Werk das lange nachhallt und darüber hinaus auf patriotische sowie pazifistische Phrasen verzichtet. „Wann auch immer man in den Krieg zieht, bringt man den Krieg auch zu sich nach Hause“, so lautet ein bekanntes Sprichwort. „The Messenger“ verfestigt diese Aussage deutlich.

Platz 36: „Into the Wild“ (USA 2007) von Sean Penn

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Ein Film über die Höhen und Tiefen, über den Sinn des Lebens, den Chris längst auf seinem Weg gefunden hat, ohne es zu bemerken und über das Scheitern von großen Träumen. Das Scheitern an sich selbst. Man muss Chris einfach in sein Herz schließen und man wird sich in dieser philosophischen wie eindringlichen Reise wiederfinden. Gerade weil sie so ehrlich ist. Die bittere Ironie erwischt den Zuschauer schlussendlich genau da, wo es am schmerzhaftesten ist: Die unberührte Natur, die im Film doch nie bedrohlich oder gefährlich erschien, wird ihm zum Verhängnis. ‚Into the Wild‘ ist ein unbändiger Schrei nach Freiheit.

Platz 35: „Edward mit den Scherenhänden“ (USA 1990) von Tim Burton

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„Edward mit den Scherenhänden“ lässt sich so nun in mehrere Genres einteilen. Ob Fantasy/-Märchen oder Außenseiter-Drama. Alles stimmt. Auch die komödiantischen und dramatischen Aspekte wurden nicht außen vor gelassen, aber Burtons Inszenierung verliert nie den Boden unter den Füßen und mutet sich zu viel zu. Ganz im Gegenteil. „Edward mit den Scherenhänden“ ist ein herzerwärmender Film über einen Einzelgänger, der liebevoller und herzlicher gar nicht sein könnte und immer wieder völlig missverstanden und ausgenutzt wurde. Tim Burton projiziert seine eigene Lebensgeschichte in die Welt von Edward und macht aus dem Gesamten einfach etwas ganz Besonderes.

Platz 34: „Boulevard der Dämmerung“ (USA 1950) von Billy Wilder

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„Boulevard der Dämmerung“ entführt uns in ein brennendes Paradies, wo die Träume begraben liegen und die Ratten sich über die letzten Hoffnungen hermachen. Wenn Besessenheit und Geldnot einen falschen Einklang finden, dann ist das Chaos greifbar und die Schattenseite des Ruhmes hat längst jeden Beteiligten in sich aufgesaugt. Schönheit und Berühmtheit werden zum trügerischen Schein aller Dinge, der Fassadensturz zieht seine tödlichen Wellen und der unheimliche Stillstand, der sich in dem gespenstischen Anwesen breitgemacht hat, bekommt seinen letzten großen Auftritt im blitzenden Licht der Kameras.

Platz 33: „Wie ein wilder Stier“ (USA 1980) von Martin Scorsese

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„Wie ein wilder Stier“ ist ein Sportler-Drama der Extraklasse und die klare Nummer 1 im Box-Genre. Scorsese und De Niro, zwei Legenden in der Blütezeit ihrer Karrieren, lassen uns in die lieblose und barbarische Seele von einem der berühmtesten Boxer der 40er und 50er Jahre blicken. Schonungslos, brutal, realistisch und ehrlich sehen wir hier einen Menschen, der sich selbst ins Aus schoss und nie wieder zurückkehrte. Ein intensiver Kraftakt, ohne jegliche Glorifizierung und falsche Moral. Ein unbarmherziges und eindringliches Meisterwerk.

Platz 32: „Lost Highway“ (USA 1997) von David Lynch

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„You were in the house, calling my name, but I couldn’t find you. Then there you were, lying in bed… but it wasn’t you. It looked like you, but it wasn’t.“

Platz 31: „The Big Lebowski“ (USA 1998) von Joel & Ethan Coen

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Muss man über den Dude wirklich noch Worte verlieren? Wohl kaum.

Platz 30: „Lohn der Angst“ (FR/IT 1953) von Henri-Georges Clouzot

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„Lohn der Angst“ hat seine humorvollen Einlagen, bleibt aber ein düsterer und mühseliger Ritt durch ein alptraumhaften Szenario, in dem das eigene Leben für läppisches Geld aufs Spiel gesetzt wird und nicht die Scheine den Reiz ausmachen, sondern die Möglichkeit, die den Menschen durch sie geboten wird. Und um die Superlativenschlammschlacht nun zu einem gebührenden Ende zu führen: Erstklassiges, maßgebendes, konsequentes, unfassbar spannendes Kino, bei dem der schweißige Ölfilm förmlich auf der Zunge zu schmecken scheint und nicht auf Schablonen gesetzt, sondern den Figuren ein Profil gegeben wird. Muss man gesehen haben.

Platz 29: „Antichrist“ (DK/FR 2009) von Lars von Trier

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“I don’t think a breathed for the last half – out of shock, out of stress, out of disbelief.” Lars von Triers umstrittenes Meisterwerk, von vielen missverstanden, von anderen durchaus nachvollziehbar gehasst, doch ist „Antichrist“ für mich kein Film, den man so einfach irgendwo einordnen sollte. Dieses Psychodrama zu hassen, das ist äußerst einfach. Sich mit diesem aber tiefer auseinanderzusetzen, das ist, was von Trier eigentlich verdient hat. Bisher habe ich wohl keinen komplexeren und keinen aufwühlenderen Film gesehen, der mich jedes Mal aufs Neue dermaßen in den Bann zieht und bei jeder Sichtung neue Betrachtungsweisen eröffnet.

Platz 28: „Fitzcarraldo“ (DE 1982) von Werner Herzog

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„Fitzcarraldo“ könnte authentischer nicht sein, denn hier wirkt nichts gespielt. Umgebung, Blicke und Gefühle sind echt und die daraus entstehende Atmosphäre zieht jeden Zuschauer in ihren brennenden Sog. Vielleicht ist es der beste Film von Kinski und Herzog. Vielleicht ist es sogar der beste deutsche Film aller Zeiten. In jedem Fall zählt er aber zu den Filmen, die man im Leben gesehen haben muss. Einfach nur um zu wissen, wie groß ein Film sein kann, denn derartiges wird man nie wieder zu sehen bekommen.

Platz 27: “Der Herr der Ringe”-Trilogie (USA/NZ 2001-2003) von Peter Jackson

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„My dear Frodo. Hobbits really are amazing creatures. You can learn all there is to know about their ways in a month, and yet after a hundred years they can still surprise you.“
Es scheint, als hätte sich Peter Jackson dieses Zitat sehr sehr langsam auf der Zunge zergehen lassen, denn mit ‚der Herr der Ringe – die Gefährten‘ schuf er meiner Meinung nach nicht nur einen absolut herausragenden Film, sondern ein Monument, die beste Buchverfilmung aller Zeiten und bis heute einen meiner absoluten Lieblingsfilme. Was wohl Tolkien gedacht haben muss, als er von diesem Geniestreich Wind bekommen hat?

Platz 26: „Ed Wood“ (USA 1994) von Tim Burton

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„Ed Wood“ ist der einmalige Einblick in das erfolglose, aber so herzerwärmende Leben eines hoffnungslosen Idealisten, Regisseurs, Freundes und Transvestiten. Durch Burtons stilvolle Inszenierung werden uns die Charaktere unglaublich sympathisch gemacht und wir als Zuschauer schließen sie direkt ins Herz. „Ed Wood“ ist tragisch, skurril, voller Gefühle und magischer Momente, unterhaltsam, detailverliebt und weit weg von einer 08/15 Biographie. Ein unvergesslicher Filmausflug, den man sehen und einfach lieben muss.

Platz 25: „No Country For Old Men“ (USA 2007) von Joel & Ethan Coen

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Blutig, schwarzhumorig und mit reichlich Dialogen gespickt, schaffen die Coen Brothers ein Abbild der modernen Gesellschaft. Das ist schockierend, atmosphärisch überwältigend und brillant gespielt.

Platz 24: „Scarface“ (USA 1983) von Brian De Palma

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Tony mag auf den ersten Blick ein cooler und abgebrühter Charakter sein, doch immer mehr wird er zum eigenen Abgrund, der alles unhaltbar in sich zieht und im eigenen Selbsthass und der endlosen Verlorenheit erdrückt. Brian De Palma knöpfte sich den amerikanischen Traum vor, stellte ihn ins hellste Licht, zerstückelte ihn und ließ ihn dann vollkommen zerlöchert und ausgeschlachtet in der kapitalistischen Bodenlosigkeit ertrinken. Hier gibt es keine Helden, keine Gutmenschen und Vorbilder. „Scarface“ ist das Scheitern eines besessenen Menschens, der alles verliert.

Platz 23: “Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt” (USA 1979) von Ridley Scott

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Alien‘ will pure Angst verbreiten und das schafft er auch ohne weiteres. Die Räume werden im Laufe des Films immer kleiner und enger, die Wege werden verschachtelter und dunkler. Das Alien kann sich überall verstecken, hinter jeder Ecke kann es lauern, nur ein Augenzwinkern entfernt und bereit zum Angriff. Niemand weiß wie es weitergehen soll und jeder ist dem Ende nah. Verzweiflung kommt auf, Todesängste breiten sich aus, die Bedrohung ist zwar nur selten zu sehen aber immer präsent. Die Angst vor dem Fremden, der Schrei nach Hilfe der niemanden erreicht. Ein gewissensloser und kompromissloser Feind gegenüber einer völlig überforderten und zerrissenen Crew.

Platz 22: „Spiel mir das Lied vom Tod“ (IT/US 1968) von Sergio Leone

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Kurz gesagt: Die Mutter aller Western-Filme. Mein Lieblingswestern kommt allerdings erst noch.

Platz 21: „Barry Lyndon“ (GB 1975) von Stanley Kubrick

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Jede Einstellung wird zu einem barocken Gemälde und fleht in erhabenster wie melancholischer Herrlichkeit nach dem passenden Rahmen. Jedes noch so irrelevante Detail erstrahlt durch die inszenatorische Vollkommenheit. Ausstattung, Schnitt, Kamera – Die Visualisierung hat den Bereich der Perfektion erreicht. Wenn dann noch Georg Friedrich Händels Sarabande einsetzt (allgemein ist der Soundtrack mit Mozart, Vivaldi, Bach, Paisiello und Schubert eine hervorragende Wucht), findet „Barry Lyndon“ einen unantastbaren Einklang. Die Gegenüberstellung von persönlichen und gesellschaftlichen Feinheiten harmoniert in jeder Sekunde, Kubrick kann den Zuschauer sowohl auf menschlicher Ebene berühren und gleichermaßen den durch die audiovisuelle Vollendung seiner wiederbelebten Epoche verführen. Überlebensgroß. Einzigartig. Atemberaubend.

Platz 20: „Der Elefantenmensch“ (GB/US 1980) von David Lynch

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„Der Elefantenmensch“ ist ein Film über Schmerz, Leid und Einsamkeit, voller Bedürfnisse und Sehnsüchte, die niemals ganz gestillt werden können. Aber es ist auch ein Film über Freundschaft und Menschlichkeit und er zeigt uns auf ruhige und nachdenkliche Weise, was es bedeutet, immer allein zu sein und doch dabei die Hoffnung nie ganz aufzugeben. Wir begleiten John Merrick auf seinem schweren Leidensweg und durchleben die gleichen Gefühle wie er. Wir freuen uns, wir weinen und wir dürfen unser Herz öffnen. Dabei verzichtet Lynch vollkommen auf eine aufgesetzte Rührseligkeit, sondern setzt auf echte Emotionen, die sich um den Zuschauer klammern und ihn gleichermaßen leiden und hoffen lassen. Ein schwerer, schmerzhafter und doch schöner, ehrlicher und unglaublich wichtiger Film, den man unbedingt gesehen haben sollte und vielen auch die Augen öffnen wird, vor allem im Umgang mit den Menschen, die nicht dieses Glück mit der Gesundheit hatten.

Platz 19: „Der eiskalte Engel“ (FR 1967) von Jean-Pierre Melville

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Schauspiel, wie man es heutzutage nicht mehr geboten bekommt, eine bis ins kleinste Detail wunderbar durchdachte Geschichte und eine ebenso durchdachte Inszenierung, die ihrer Zeit voraus war. Und natürlich Schauspielgott Alain Delon in der Hauptrolle. Mit das Beste, was das europäische Kino hergibt.

Platz 18: „Crash“ (CA 1996) von David Cronenberg

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In „Crash“ scheint es so, als würde die Welt selbst stillstehen, als wäre die moderne Zeitrechnung in der von Tristesse und Isolation gefangenen genommenen Ära angelangt, in der die charakteristische Metamorphose und die objektivierte Demontage keinen Unterschied mehr machen: Sex zwischen Mensch und Maschine. Sex zwischen zwei Menschen. Sex zwischen zwei Maschinen. Sex, Sex, Sex, Sex, Sex und noch mehr Sex, mit jedem und allem, selbst mit vaginaförmigen Narben – Der absolute Crash, ein analoger Schmerz, der gleichzeitig Befreiung und Destruktion bedeutet. Was für ein Ausnahmewerk, so abschreckend und faszinierend wie kaum ein anderes.

Platz 17: „GoodFellas“ (USA 1990) von Martin Scorsese

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„He shoots him in the foot, he tells him to go f**k himself.“
Witzig, dramatisch, lebensnah und grandios gespielt. Martin Scorsese schuf einen Mafiafilm, der es nahezu mit dem meisterlichen Paten aufnehmen kann. Mit DeNiro, Liotta und Pesci bekommt man einen exquisiten Cast geboten, der keine Wünsche offen lässt.

Platz 16: „Ekel“ (GB 1965) von Roman Polanski

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Polanskis inszenatorisches Feingefühl für angsteinflößende Schattierungen und die Einschübe von gesellschaftskritischen Untertönen, kommen dabei immer in vollem Maße zu tragen. Die Symbiose des unbehaglichen Klimas von Carols Situation und die eigentliche Sympathie für die leidende Carol, gestalten den Reiz des Geschehens und machen jede emotionale Facette umso deutlicher am eigenen Leibe fühlbar. Polanski geht der plumpen Kategorisierung unter dem schwammigen Deckmantel eines Horrorfilmes konsequent aus dem Weg, denn auch wenn das Gefühl des Zuschauers ihm hier unterschwellig zu verstehen gibt, ein Werk dieser Rubrik zu sehen, so ist die Umsetzung Polanskis doch ein viel komplexeres und tiefgreifenderes Mosaik aus distanzierten Charakterzügen im Verhalten Carols.

Platz 15: „Leichen pflastern seinen Weg“ (FR/IT 1967) von Sergio Corbucci

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In „Leichen pflastern seinen Weg“ gibt es nur schwarzen Pessimismus, dreckigen Realismus, hoffnungslosen Zynismus und die alles verschlingende Düsternis. Der Stumme spricht durch die Einsamkeit in seinen nach Vergeltung schreienden Augen, der angedeutete Gefühlsneubeginn erliegt der erbarmungslosen Emotionslosigkeit und jeder Versuch der Veränderung wird ohne Rücksicht durchlöchert. In dieser Zeit gab es kein Gut und Böse, hier zählten nur die Menschen, die das meiste Geld auf den Tisch gelegt haben. „Leichen pflastern seinen Weg“ ist ein eiskaltes, pechschwarzes und ebenso brillantes Stück Filmgeschichte, ohne Mitleid, Freundlichkeit oder Wohlwollen. Komplettiert wird das durchtriebene Geschehen noch vom Meister Ennio Morricone persönlich. Ein brodelndes Meisterwerk der Herz- und Hoffnungslosigkeit.

Platz 14: “Endstation Schafott” (IT/FR 1973) von José Giovanni

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„Endstation Schafott“ ist ein unter die Haut gehendes Plädoyer gegen die Todesstrafe. Ein Aufruf an Anerkennung, Verzeihung und Einsicht. Mit seinen fantastischen Darstellern, der groben Optik und der tollen Inszenierung erleben wir einen Film, der nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern noch Stunden nach dem Ende unglaublich stark wirkt. Ein schmerzhafter und aufwühlender Film, der viele Fragen aufkommen lässt und den Zuschauer festhält. Ein düsterer Film, der selbst in Momenten der Freude und Wärme weiß, wie er sie vertreiben kann.

Platz 13: „Apocalypse Now“ (USA 1979) von Francis Ford Coppola

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„Apocalypse Now“ erscheint mit seiner knapp 200 minütigen Laufzeit unheimlich mächtig und abschreckend. Im Gegenteil. Die Minuten vergehen wie im Flug, viel zu sehr wird man von den Bildern hypnotisiert und vergisst jegliches Zeitgefühl. Anstrengend und schwer ist der Film wegen seines Themas und seiner Darstellung dennoch. Man sollte sich in jedem Fall aber die Zeit nehmen, denn sonst verpasst man einen der wichtigsten und besten Filme aller Zeiten. Ohne Helden, ohne Patriotismus und ohne Glorifizierung blicken wir in den Abgrund dieses Krieges und in den Abgrund, der in jedem von uns ist.

Platz 12: „Pulp Fiction“ (USA 1994) von Quentin Tarantino

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Spätestens, wenn Vincent Vega und Jules Winnfield anfangen über Fußmassage zu philosophieren, dürfte der letzte Tarantino-Hasser überzeugt sein, dass “Pulp Fiction“ ganz einfach der coolste Film ist, der jemals über die Leinwände flimmern durfte.

Platz 11: „Taxi Driver“ (USA 1976) von Martin Scorsese

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Diese Geschichte über Entfremdung, diese traumhaften Darsteller oder das Ende, welches eine der nachhaltigsten und brutalsten Szenen aller Zeiten darstellt, ich bin dankbar! Dankbar, dass es diesen Film gibt, ohne welchen mein Dreamteam Scorsese – DeNiro niemals hätte so viele Ausnahmefilme machen können. In dem Sinne: ein Hoch auf TAXI DRIVER!!!!

Platz 10: “Der Pate“ & “Der Pate 2” (USA 1972/1974) von Francis Ford Coppola

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Ohne Worte.

Platz 9: „Liebe“ (FR/AT 2012) von Michael Haneke

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Mit seelischem Symbolcharakter manifestiert Michael Haneke die qualvollste und gleichzeitig mächtigste Emotion von allen. »Liebe« ist ein zutiefst menschlicher, aufrichtiger und in jeder Beziehung berührender Film, der von einem Regisseur inszeniert wurde, der nicht nur über eine enorme Menschenkenntnis verfügt, sondern endgültig den ehrfürchtigen Ritterschlag verdient hat, denn wenn es einem Filmemacher in einer solch vollkommenen Form gelingt, dieses Thema – die Liebe – ohne Rührseligkeiten, ohne verzogene Melodramatik, ohne den erdrückenden Einsatz von pathetischer Musik, die letzten Endes nur die inszenatorische Inkompetenz des Regisseurs reflektiert, und ohne jedes verbale Geständnis untereinander zu entfalten, dann ist das ganz große, unantastbare Kunst. Georges und Anne (Beeindruckend verkörpert von Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva) wissen, wie sie zueinander stehen, sie wissen, wie weit sie füreinander gehen würden und haben derartige Sentimentalität zu keiner Zeit nötig.

Platz 8: „Eyes Wide Shut“ (GB/USA 1999) von Stanley Kubrick

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Kubrick führt uns die Problematik der Sexualität vor. Nicht als Gesellschaftskritik, sondern als Verwirklichung der vertrauten Fremde. Der Film verschließt die Augen und sieht gleichzeitig klarer denn je. Genau wie wir als Zuschauer, die zwar immer die Augen offen haben, aber zu jeder Sekunde diesen Zustand aus Realität und Traum, Wahrheit und Lüge voll und ganz auskosten. Ob wir dabei schlussendlich die Augen vor uns selbst verschließen, oder gar durch die Augen eines Fremden blicken wollen, das kann nur jeder für sich selbst beantworten. Dieses Gefühl der Wahrheit ist einfach unvergesslich und unverfälschbar, genau wie „Eyes Wide Shut“.

Platz 7: „Psycho“ (USA 1960) von Alfred Hitchcock

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Es ist nach wie vor beeindruckend, wie „Psycho“ es beherrscht, den Zuschauer durchgehend zu dirigieren und wie Marionetten durch den Film zu führen. Meisterregisseur Alfred Hitchcock, und das zählt zu den ganz großen inszenatorischen Leistungen der Filmgeschichte, vermischt und vertauscht dabei immer wieder Sympathie, Antipathie und Empathie und legt sie wie einen Schleier über die Figuren, nur um sie in der nächsten Szene wieder zu wechseln und den Zuschauer so nach Lust und Laune zu manipulieren. „Psycho“ wird zu einem Suspense-Thriller, der nicht nur durchgehend hochspannend ist und mit atmosphärischer Perfektion glänzen kann, sondern auch die seelischen Konflikte, gebaut auf Eifersucht und Veränderung, des unbekannten Psychopathen schlüssig bis zum großen Finale ausleuchtet.

Platz 6: „Vier im roten Kreis“ (FR 1970) von Jean-Pierre Melville

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Melville will uns keine Schuldigen oder Unschuldigen vorführen und er verzichtet ganz klar auf den typischen Hollywood-Helden. Alle bekommen ihre Zeit und der Zuschauer darf sich sein eigenes Bild von den Charakteren und der Situation machen und so soll es sein. Zum Ende bekommen wir dann noch einen fast epischen Showdown geliefert, der an Kraft und Ausdruck wohl kaum noch zu überbieten ist und den Film spitzenmäßig abrundet.

Platz 5: “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford” (USA 2007) von Andrew Dominik

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Ein Western, der vielmehr eine Gesellschaftsstudie denn ein Film ist. Unheimlich präzise in der Inszenierung und im Schauspiel, atmosphärisch einmalig und nachhaltig. Andrew Dominik erzählt hier eine unglaublich realistische Geschichte garniert mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen, viel Gefühl und einem traumhaften aufspielendem Cast. Besser werden Filme nicht mehr.

Platz 4: „Blade Runner“ (USA 1982) von Ridley Scott

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„Like tears in rain…“

Platz 3: „Brokeback Mountain“ (USA 2005) von Ang Lee

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„Brokeback Mountain“ ist der ehrlichste Liebesfilm überhaupt, der sich nicht in Ansichten und Vorschriften wälzt, sondern die Liebe so zeigt wie sie ist, ungebunden, frei und unkontrollierbar. Noch nie war Liebe an verschiedene Geschlechter gebunden, das muss man sich immer vor Augen halten, denn wenn sie sich ihr Ziel sucht und gefunden hat, dann können wir nichts dagegen tun.

Platz 2: „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (GB 1958) von Alfred Hitchcock

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„Vertigo“ lädt zu den verschiedensten Interpretationen und Analysen ein. Denn wie wir schon in „12 Monkeys“ gesagt bekamen: Vertigo verändert sich nicht, nur der Zuschauer verändert sich und wird den Film immer wieder mit anderen Augen sehen. Hitchcock bleibt seinem Suspense-Image nicht im herkömmlichen Sinne treu. Er lässt die Bombe schon viel früher Platzen und richtet die Spannung so in eine ganz andere Richtung: Wie wird der gerade aus der Psychiatrie entlassene Scottie, nach dem Sturz seiner geliebten, auf Judy reagieren und wie wird er die Wahrheit aufdecken und verkraften?

Platz 1: „Tanz der Vampire“ (USA 1967) von Roman Polanski

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Es ist doch ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn man DEN Film gefunden hat, bei dem man sich wirklich denken kann, dass er ganz allein für einen selbst gemacht wurde. Dieses Gefühl habe und werde ich immer bei „Tanz der Vampire“ haben.

Falls ihr noch nicht genug von solchen Listen habt, könnt ihr euch die Top 50 unseres Chef-Redakteurs Philippe HIER anschauen.