"50 Dead Men Walking" (GB/CA 2008) Kritik – Zwischen IRA, Briten und der Familie

„Ein Mörder steckt in uns allen.“

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Manchmal stellt man sich die Frage, warum es gewisse Filme nie ins Kino geschafft haben und direkt in den Reihen der DVD-Regale verstauben müssen. Die Antwort lässt sich jedoch aus verschiedenen Aspekten verbinden. An erster Stelle steht natürlich der erhoffte Erfolg, denn wenn ein Film ins Kino kommt, dann soll er schließlich auch Zuschauer anlocken und die Produktionskosten in die Kassen spülen. Ist das Thema jedoch nicht für die breite Masse ansprechend, gibt es die ersten Bedenken. Danach geht es weiter mit den Schauspielern oder Regisseuren, die vielleicht eine Popularität besitzen und durch die großen Kreise ihrer Anhänger möglich viel einspielen können. Ist das aber auch nicht der Fall und es sind sowohl nur unbekannte Darsteller vertreten, als auch ein nichtssagender Filmemacher auf dem Regiestuhl, stehen die Zeichen nicht gerade gut. Wenn man bedenkt, dass Filme wie ‚Warrior‘ oder ‚Donnie Darko‘ nie ins Kino gekommen sind, inzwischen ihren hohen Stand in der Filmwelt aber genießen können, ist es vielleicht etwas fragwürdig, aber noch verschmerzbar. Einer dieser Filme, die es nie ins Kino schafften, aber Aufmerksam verdient hätten, ist auch Kari Skoglands IRA-Thriller ’50 Dead Men Walking‘ aus dem Jahre 2008. Doch das dieser Film wirklich mal an die Oberfläche geraten wird, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Die IRA (Irish Republican Army/ Irisch-Republikanische Armee) sollte nicht nur den Bewohnern Großbritanniens ein Begriff sein. Gerade weil sie auch in Deutschland ihrer Zeit immer in den Nachrichten war und sämtliche Anschläge auf England ausübte um ihr Ziel, die Unabhängigkeit von Irland, zu erreichen. Will man sich Filme über die IRA-Zeit anschauen, dann greift man wohl am besten zu ‚Im Namen des Vater‘ und ‚Der Boxer‘, beide mit Daniel Day-Lewis in den Hauptrollen und unheimlich ehrlich entfaltet worden. Ebenfalls vollkommen sehenswert ist auch Steve McQueens ‚Hunger‘ mit Michael Fassbender, bei dem es um den Hungerstreik des IRA-Mitgliedes Bobby Sands geht, im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Maze Prison. ’50 Dead Men Walking‘ erzählt uns die wahre Geschichte von Martin McGartland und wir begeben uns nach Belfast, die Hauptstadt von Nordirland, in den 80er Jahren. Hier arbeitet Martin, der Markenprodukte unter der Ladentheke verkauft und mal hier und da arbeitet. Was Martin jedoch fehlt, ist der nötige Respekt, vor allem vor den britischen Soldaten und Besatzern in Belfast, mit denen er sich nur zu gerne anlegt. Durch seine große Klappe sehen jedoch gerade die Briten in Martin genau den richtigen Mann für den Job des Spitzels. Er arbeitet von nun an als Informant und gibt die Pläne und Informationen der IRA weiter an Fergus, seine Ansprechperson und Leiter. Je weiter er allerdings die Leiter der IRA heraufsteigt, desto gefährlicher wird für ihn die Lage und das schlimmste passiert: er fliegt auf.

Visuell spielt ’50 Dead Men Walking‘ in einer der höchsten Ligen. Kameramann Jonathan Freeman fängt das kalte Leben in Belfast in grün-grauen Hochglanzbilder ein, die er dabei allerdings immer mit einer feinen Grobkörnigkeit bedeckt und diese Zeit in atmosphärisch dichte Bilder verpackt. Auch der Score von Ben Mink trägt seinen Teil zum Feeling des Films bei und kann sowohl von antreibenden bis gefühlvoller Musik immer den richtigen Ton treffen. Für die Rolle des Martin entschied man sich für einen aufsteigenden Stern in der Filmwelt: Jim Sturgess. Sicher ist Sturgess noch keiner der großen Nachwuchsdarsteller und zum Charakterdarsteller fehlt ihm auch noch ein Stück, doch der Mann hat Talent und zwar reichlich. Was er auch hier als Martin wieder beweist und seinen Querkopf zwischen den Fronten und zwischenmenschlichen Bindungen gut auszuspielen weiß. Ben Kingsley ist natürlich ein ganz anderes Kaliber von Schauspieler. Als Brite Fergus kann Kingsley mal wieder von seinem Können überzeugen, auch wenn er eine kleinere Rolle als Sturgess zugesprochen bekam, weiß er wie immer etwas mit seiner Zeit anzustellen. Und auch die weiteren Rollen sind mit Kevin Zegers als IRA-Freund Sean und Natalie Press als Freundin Lara.

Die Geschichte des Spitzels, der zwischen zwei Fronten gerät und seinen eigenen Kopf bestmöglich aus der Schlinge ziehen muss, sollte bekannt sein, nicht zuletzt auch wegen Martin Scorseses ‚Departed‘, der dieses Thema wieder auf meisterhafte Weise anpackte. In vielen Fällen lässt es sich auch schon als plattgefahren bezeichnen, ‚Helden der Nacht‘ ist da ein gutes Beispiel, doch es ist nur eine Frage des Verkaufs und wie man seinen Film übermittelt. Regisseurin Kari Skogland macht mit ’50 Dead Men Walking‘ eigentlich alles richtig. Die raue Atmosphäre von Belfast wurde gut eingefangen und lässt den Zuschauer schnell die düstere Welt fühlen und auch die Charakterzeichnung des Protagonisten ist gelungen. Martin arbeitet für die Briten und die IRA, hingezogen fühlt er sich jedoch zu keiner Seite und die Probleme wachsen und wachsen. Zuhause hat er ein Frau sitzen, in der langsam sein Kind heranwächst, doch Martin hat kaum Zeit und schwebt jeden Tag in Lebensgefahr. Sein Alltag wird bestimmt aus Angst, Folter, belastendem Druck und kompromissloser Gewalt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Martin die Brutalität am eigenen Körper erfahren muss und seine Familie nie mehr wiedersehen darf. Das Ganze inszeniert Skoland mit viel Tempo und auch wenn ihr manchmal die nötige Straffheit verloren geht, weiß ’50 Dead Men Walking‘ immer zu fesseln und zieht einen einfach zwischen die Kampfzonen, in denen Spitzel mit blanker Kompromisslosigkeit bearbeitet werden. Was bleibt ist ein ebenso unterhaltender wie spannender Thriller, in dem Identitäten aufgebaut und zerstört werden und so einem Menschen nur noch eine düstere Zukunft auf der Flucht ermöglichen.

Fazit: ’50 Dead Men Walking‘ passt genau in die Sparte des viel zu unbekannten Films, denn mit seiner flotten und spannenden Inszenierung würde der Spitzel-Thriller sicher einige Anhänger gewinnen können, auch wenn er natürlich nicht perfekt ist und der Storyablauf keine wilden Überraschungen zulässt. Das stört aber kaum, einfach weil Regisseurin Skoland packen kann und die richtige Atmosphäre entstehen lässt. Dazu noch die passende nSchauspieler und fertig ist ein Thriller, der überaus sehenswert ist und für einen Filmabend genau richtig geeignet ist.

Bewertung: 7/10 Sternen