"8 Mile" (USA 2002) Kritik – Der Weg zum Ruhm

„Wenn aus dieser Scheiße noch was werden soll, muss es jetzt sein!“

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Wie schnell „beliebte“ Musiker sich als Schauspieler versuchen und dabei kläglich scheitern ist lange kein Geheimnis mehr. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Eine dieser Ausnahmen ist Curtin Hansons Eminem-Film ‚8 Mile‘ aus dem Jahr 2002.

Dass hier kein unbekannter die Kamera bedient, wird schnell klar. Denn ‚8 Mile‘ zeigt äußerst atmosphärische und starke Bilder des grauen Detroits der 90er Jahre. Niemand Geringeres als Rodriego Prieto (Brokeback Mountain, Iñárritu-Filme) ist dafür verantwortlich und leistet, wie von ihm gewohnt, große Arbeit. Die Optik stimmt also. Musikalisch gibt es in ‚8 Mile‘ ausschließlich Hip-Hop zu hören. Doch wer sich mit dieser Musik anfreunden kann, wird auch hier seine Freude haben. Vor allem die Rap-Battles machen doch einiges her. Zudem konnte Eminem für seinen Hit „Lose Yourself“ sogar den Oscar für den besten Song gewinnen.

Bei den Schauspielern überzeugt an erster Stelle Rapper Eminem. Eminem spielt Rabbit, einen jungen Rapper, der mit seinem Leben nicht mehr zufrieden ist und groß rauskommen möchte. Eminem zeigt eine gute Leistung und ist weit von einem absoluten Absturz à la Mariah Carey oder Briteny Spears entfernt. Natürlich bringt er keine Meisterleistung, indem er wirklich jede Facette überzeugend ausspielt, aber er zeigt eine deutlich annehmbare und durchgehend glaubwürdige Leistung. Kim Basinger als Rabbits Mutter kriegt eher wenige Szenen zugesprochen, kann aber in ihren kleinen Szenen durch routiniertes Schauspiel überzeugen. Die leider bereits verstorbene Brittany Murphy als Rabbits neue Freundin Alex, durch die Rabbit auch wieder neuen Mut schöpft, bringt ebenfalls eine ihrer besseren Leistungen und fügt sich ohne Mühe in den Cast. In kleinen Nebenrollen sind Schauspieler wie Michael Shannon, Evan Jones, Mekhi Phifer und Anthony Mackie zu sehen.

Was ‚8 Mile‘ vom Standard abhebt ist, dass auf dem Regiestuhl kein Debütant sitzt, der nur den Namen Eminem vermarkten und die dicke Kohle scheffeln will. Curtin Hanson, der mit ‚Die WonderBoys‘ und ‚L.A. Confidential‘ zwei der besten Genre-Filme überhaupt inszenierte, weiss, was den meisten Musiker-Filmen fehlt: Authentizität. Und hier kann ‚8 Mile‘ ganz gewaltig Punkten. Schnell können der Hip-Hop-Slang und die Gesten unfreiwillig komisch werden und die Darsteller enden als Witzfiguren. Bei ‚8 Mile‘ kann hiervon keine Rede sein und Hanson inszeniert einen durchaus realistischen Milieu-Einblick in die amerikanische Hip-Hop-Szene, dem man jede Szene auch wirklich abkauft. Vor allem die Rap-Battles sind hier das ganz klare Highlight und wurden dazu noch toll inszeniert und äußerst stimmig eingefangen. Was noch zu erwähnen wäre: ‚8 Mile‘ ist kein Biopic, welches sich stur auf das Leben von Eminem konzentriert und seine Geschichte von A-Z abrattert. ‚8 Mile‘ orientiert sich wirklich nur ansatzweise an Momenten aus Eminem’s Leben, das wars. Hier kriegen wir die überzeugende Geschichte eines weißen Jungens aus dem Detroiter Ghetto, der seinen Traum Leben will und groß rauskommt. Aber hier kommen wir dann direkt zu den Kritikpunkten. So überzeugend die Geschichte an sich sein mag, so gewöhnlich ist sie auch. Die Geschichte vom Kämpfer, der nichts hat und zu etwas wird, haben wir schon wirklich zu Genüge gesehen und leider bietet der Film hier absolut nichts Neues. Was aber am Ende bleibt, ist ein Film, maßgeschneidert für Eminem und für seine Fans, denn die werden den Film in absolut jedem Fall vergöttern und lieben.

Fazit: Curtis Hanson inszenierte mit ‚8 Mile‘ einen guten Film, in dem der Sänger in der Hauptrolle endlich mal überzeugen kann. Zusätzlich begeistert ‚8 Mile‘ durch seine authentische Art, die glaubwürdigen Schauspieler, die starke Optik und die tollen Musik, muss aber klare Abstriche in Sachen Originalität machen.

Bewertung: 7/10 Sternen