"8MM" (USA 1999) Kritik – Der Abgrund der Menschlichkeit

„Es gibt Dinge die du sehen wirst, die du nie wieder vergessen kannst. Die sind in deinem Kopf und bleiben da auch.“

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Joel Schuhmacher ist einer der Regisseure, von denen man nie so recht weiß was man bekommt. Von Verlass auf Qualität kann also keine Rede sein. Von einem Meisterwerk wie ‚Falling Down‘ über solide Filmchen wie ‚Der Klient‘ bis zum absoluten Rohrkrepierer ‚Batman & Robin‘. Heute geht es aber in das Jahr 1999 und wir widmen uns Schumachers ‚8MM‘. Zwar ist ‚8MM‘ kein Meisterwerk, aber ein äußerst spannender Thriller rundum die Abgründe der Pornoindustrie.

Dass die Optik in einem Thriller mit dieser Handlung stark sein muss ist wohl klar. Frohe Farben voller Heiterkeit gibt es natürlich nicht im Ansatz. ‚8MM‘ besticht hier ganz klar durch seine kühlen und düsteren Bilder, die dem Film die wichtige und dichte Atmosphäre gibt. Der Soundtrack von Mychael Danna darf sich gerne als abwechslungsreich bezeichnen. Zwischen ruhiger Klaviermusik blitzen immer wieder elektronisch und orientalisch angehauchte Klänge durch den Film die weitestgehend passend sind und den Filmfluss gut unterstreichen.

Die Hauptrolle wird von Nicolas Cage gespielt. Cage spielt den herzlichen Familienvater und verantwortungsbewussten Privatschnüffler Tom Welles. Cage der in manchen Filmen entweder nur den typischen Dackelblick hat oder einen Hang zum Overacting. Hier ist auch wieder beides vertreten, aber hält sich zum Glück deutlich im Rahmen. Größenteil zeigt Cage eine glaubwürdige und wandlungsfähige Leistung. Denn der zu Anfang standhafte Welles verwandelt sich immer mehr zum zerrissenen Racheengel. Joaquin Phoenix als Sexshop-Angestellter Max zeigt in seiner leider recht kleinen Rolle eine gewohnt überzeugende Leistung und verleitet durch seine sarkastische Art immer wieder zum Schmunzeln. Dann wäre da noch der tolle Schauspieler Peter Stormare zu erwähnen. Stormare spielt den widerwärtigen Hardcore-Regisseur Dino Velvet. Wenn Stormare in die Rolle des Bösen schlüpft ist das immer ein Genuss, so auch im Falle ‚8MM‘.

Zu Anfang erst mal zum klaren Verständnis was sich hinter dem Begriff „Snuff“ verbirgt: Als „Snuff-Filme“ bezeichnet man die Hardcore-Streifen, in denen Menschen vor laufender Kamera getötet werden, zu meist nach sexuellen Handlungen. Hier setzt Schumacher mit ‚8MM‘ an. Wenn Welles sich das schreckliche Acht-Millimeter-Band ansieht und immer wieder, aufgrund der schonungslosen Brutalität, schmerzerfüllt zusammenzuckt ist das bereits der Anfang vom Ende. Welles hält Snuff zu Anfang für einen Mythos, gestellte Extreme für Perverse. Das ist auch größtenteils der Fall, doch die Ungewissheit plagt Welles immer mehr. Er nimmt den Auftrag an und dringt tief in die Abgründe menschlicher Perversionen ein. Zusammen mit Max, der aufgrund seines Jobs die nötigen Beziehungen hat aber viel lieber als Musiker arbeiten würde macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Das was Welles zu sehen bekommt übersteigt seine Vorstellungskräfte und wie Max zu warnend einläutet: „Jeder Mensch hat sein Limit“. Wenn beide durch die dreckigen Pornomärkte ziehen und alles geboten bekommen, wird Welles klar, dass er es nicht Ansatzweise mit einem Routineauftrag zu tun bekommt und er hier nie unbeschadet rauskommen wird. Immer mehr kommt Welles den Filmemachern auf die Schliche, bis sie in Reichweite sind und die schreckliche und schmerzhafte Wahrheit immer greifbarer wird. In einer der packendsten Szenen des Films steigt Welles in das Haus von Machine, Hauptdarsteller der Snuff-Filme, ein und lüftet die eigentlich klare, aber dennoch so schockierende Identität des Maskenmanns. Aber ‚8MM‘ hat auch seine Schwachpunkte, die sich direkt auf die Thematik zurückführen lassen. Zwar wird das Thema um Snuff und die Pornoindustrie immer wieder interessant angeschnitten aber nie wirklich richtig ausgeleuchtet. Auch die immer wieder eingebauten Beziehungsszenen zwischen Welles und seiner Frau wirkten für mich eher ausbremsend als mitfühlend. Die Freigabe ab 18 mag bei dem Thema sicher gerechtfertigt sein, doch die Darstellung an sich ist nie zu hart oder gar provozierend. Ob das „leichte“ zurückhalten nun ein Kritikpunkt ist oder nicht muss jeder für sich selber entscheiden, Luft nach Oben ist in jedem Fall viel da und zu hart wird es nie.

Fazit: Joel Schumacher inszeniert mit ‚8MM‘ einen seiner stärksten Filme. ‚8MM‘ ist durch sein brisantes Thema durchgängig spannend und stellenweise harter Tobak, auch wenn sich die wirklich extremen Szenen im Kopf abspielen. So bleib am Ende ein düsterer Thriller mit starken Bildern, größtenteils überzeugenden schauspielerischen Leistungen und dichter Atmosphäre.

Bewertung: 7/10 Sternen