"Abraham Lincoln: Vampirjäger" (USA 2012) Kritik – Wenn der Präsident zur Silberaxt greift

„History remembers the battle, but forgets the blood.“

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Viele Präsidenten haben schon den großen Weg in die Kinos geschafft, dabei gab es jedoch immer zwei klare Unterschiede zwischen den Darstellungen des mächtigsten Menschen der Welt. Zum einen sind es die historisch korrekten Geschichtsstunden, die sich einem bestimmten Präsidenten annahmen und das Leben für den Zuschauer offenlegte, um sich nicht nur mit der politischen Person zu beschäftigten, sondern auch mit dem Menschen, der sich hinter der Politik versteckt. Da wären zum Beispiel „Frost/Nixon“, „Nixon“, oder auch „W – Ein missverstandenes Leben“. Auf der anderen Seite stehen die fiktiven Präsidenten, die in Blockbustern richtige Großtaten leisten und zu pathetischen Helden stilisiert werden. Man denke nur an „Independence Day“, in dem Bill Pullman als Präsident Whitmore in den Luftkampf gegen Aliens gezogen ist und die Patriotismusgranate „Air Force One“ mit Harrison Ford als Mr. Präsident, der es in der luftigen Höhe mit fiesen Terroristen aufgenommen hat und mal gezeigt hat, zu was der Bewohner der weißen Hauses wirklich in der Lage ist. Nun gibt es jedoch eine ganz neue Richtung und es werden historische Bezüge mit ganz fremden Elementen vermischt. Regisseur Timur Bekmambetow nahm sich mit „Abraham Lincoln Vampirjäger“ einem solchen Mashup an, allerdings nur mit wenig Erfolg.

Abraham Lincoln muss im Kindesalter mit ansehen, wie seine Mutter auf furchtbare Art ums Leben kommt. Wo zu Anfang noch der Verdacht besteht, dass seine Mutter vergiftet wurde, stellt sich jedoch nach kurzer Zeit heraus, dass ein Vampir sich über Abrahams Mutter hergemacht hat und ihr das Leben bestialisch entzogen hat. Abraham hat nur noch ein Ziel vor Augen: Rache an dem Monster, das seine Mutter getötet hat. Sein guter Freund Henry Sturges bringt Abraham im angemessenen Alter dann schließlich bei, wie er Jagd auf die Blutsauger macht. Während Amerika dem Krieg verfällt und Abraham seinen Weg zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten geht, muss er nebenbei selbst zur Axt greifen und den Kampf gegen die blutsaugendenden Untoten aufnehmen, um sein Land und die Personen, die er liebt, zu schützen.

Optisch gibt es bei einem Film vom russischen Regisseur Timur Bekmambetov selten etwas zu bemängeln, denn sein Händchen für Atmosphären hat der Mann immer wieder bewiesen und der Sprung ins große Geschäft kam schließlich nicht ungefähr. So kann auch „Abraham Lincoln Vampirjäger“ mit einer düsteren und nebulösen Aufmachung überzeugen, die natürlich in den Nachtszenen ganz besonders zur Geltung kommt und in Verbindung mit den unklaren Situationen passend verknüpft wird. Die Kameraarbeit von Caleb Deschanel, Vater von Schauspielern Zooey Deschanel, ist jedoch in diesem Fall nur teilweise gelungen, denn während er die Szenerie mit dem finsteren Grundton darstellt, verliert sich seine Führung immer wieder aufs extremste aus den Augen und durch die furchtbar unübersichtliche Wackelkamera wird dem Zuschauer jeder Überblick vom Kampfgeschehen genommen, was natürlich zur Folge hat, dass die Kämpfe keinen Spaß machen, sondern viel mehr Kopfschmerzen verursachen. Dafür kann sich der Score von Henry Jackman mehr als nur hören lassen, auch wenn die patriotischen Klänge natürlich vertreten sind, was allerdings absehbar war, denn schließlich geht es hier um einen amerikanischen Präsidenten. Darüber hinaus ist es die stimmungsvolle Musik, die sowohl die Düsternis, aber auch die zwischenmenschlichen Momente gekonnt unterstreicht.

Mit Benjamin Walker als Abraham Lincoln hat man äußerlich zwar keine wirklich passende Besetzung gefunden, aber schauspielerisch weiß Walker durchaus eine solide Leistung zu zeigen, die sowohl bei den Actionszenen, als auch bei den aufgeladenen Reden und den gefühlvollen Szenen nie aufgesetzt oder erzwungen wirkt. Dominic Cooper als Henry Sturges ist jedoch eine schwere Fehlbesetzung, denn seine aufgezwungene Coolness ist so auffällig und daneben, das jeder seiner Auftritt schmerzlich in den negativen Bereich fällt. Schönheit Mary Elizabeth Winstead als zukünftige Mrs. Lincoln zeigt auch eine feine Performance und kann nicht nur durch ihr Äußeres auffallen, niemand wird wohl ihren scharfen Auftritt im Cheerleaderkostüm in Quentin Tarantinos „Death Proof“ vergessen, sondern eine durchaus ernstzunehmende Darstellung aufzeigen. Auch die weiteren Rollen sind mit Rufus Sewell, Anthony Mackie und Jimmi Simpson interessant besetzt, allerdings können ihre Charaktere zu keinen großen Darbieten auffahren, denn dafür sind sie einfach zu umschnürt gezeichnet worden.

Der Mashup-Vorlage von Seth Grahame-Smith ist Zeitlupenfetistisch Timur Bekmambetov zu keiner Zeit gewachsen. Man erwartet von einem Film mit dem Titel „Abraham Lincoln Vampirjäger“ nun wirklich keine tiefgründige und korrekte Abhandlung der Lebens- und Präsidentengeschichte von Lincoln. Vielmehr erhofft man sich doch gute Unterhaltung mit dem axtschwingenden Präsidenten, der den blutdurstenden Eckzähnen mal so richtig die Stirn bietet und eine traschige Schlachtplatte der Extraklasse serviert. Dem ist jedoch nicht so. Bekmambetov hat großen Respekt vor Lincoln, zu großen, um genau zu sein und jeglicher Spaß, wird durch die auferlegte Ernsthaftigkeit strickt vermieden. „Abraham Lincoln Vampirjäger“ arbeitet sämtliche Stationen im Leben des 16. Präsidenten ab und mischt dabei immer wieder die gierigen Blutsauger stumpf ein, ob wir uns gerade in der Befreiung der Sklaven befinden, oder auch in der Schlacht von Gettysburg. Die Humorlosigkeit, mit der Bekmambetov seinen Film inszeniert, ist schon erschreckend und das Desinteresse, welches die konventionelle Mutlosigkeit mitbringt, ebenso. Wenn es dann jedoch mal zu Kämpfen kommt, dann hat man als Zuschauer das Problem, das man nie genau weiß, wo man sich gerade befindet. Entweder ist das Ganze so hektisch gefilmt, dass die Hastigkeit der Bilder den Kopf verdrehen, oder es kommt zur Ultrazeitlupe, in der das schwarze Blut demonstrativ durch die Lüfte fliegt, aber in keinem Moment etwas mit Coolnes zu tun hat, sondern nur mit banaler Erzwungenheit. So verknüpft sich die oberflächliche Charakterzeichnung mit einer sprunghaften Geschichtsstunde und die Vampire selbst sind nicht nur kläglich verschenkt, sondern auch ein nebensächliches und abgedroschenes Mittel zum Zweck.

Fazit: Die Idee selbst ist großartig, die Umsetzung ein erneuter schwerer Flop. Visuell ist das hier großes Tennis und Ausstattung, Optik und Kostüme machen einiges her. Der Score ist ebenfalls stark und ein Großteil der Schauspieler versteht seinen Job. Was „Abraham Lincoln Vampirjäger“ jedoch so schwerwiegend zerstört, ist seine sture Ernsthaftigkeit, die die eigentlich unterhaltsame Story in humorlose Langeweile verwandelt und die Vampire mal wieder für schnöde Konventionen missbraucht. Etwas mehr Mut und deutlich weniger Respekt hätten Timur Bekmambetovs Inszenierung mehr als gutgetan. So bleibt nur ein Hauch von Belanglosigkeit, den man sich nicht antun muss, denn flotte Goreunterhaltung bekommt man hier nicht geboten.

Bewertung: 4/10 Sternen