"Act of Valor" (USA 2012) Kritik – Ein menschenverachtendes Machwerk

Autor: Sebastian Groß

„That last night at home, you think about how you could of been a better dad, a better husband, that bedtime story you should of read, or that anniversary you forgot. You don’t expect your family to understand what you’re doing. You just hope they understand you’re doing it for them, and when you get home you hope you can pick-up right where you left off.“

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Ein Präsident steht stolz an einem Kampfjet. Um ihn herum haben sich seine Landsmänner versammelt. Er spricht von einem harten Kampf. Davon, dass es Opfer geben wird und vom Stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Nach seinem letzten, großen Satz, den er stolz herausbrüllt, jubeln ihm die Anwesenden zu. Diese Szene stammt aus „Independence Day“ und ist eine von vielen der Filmgeschichte, in denen die Liebe zum Land und fast schon übermenschliche Courage gefeiert wird. Damals zerstörten Aliens die halbe Welt und es lag an den Amerikanern die Gefahr aus dem All aufzuhalten. Für viele Zuschauer war diese Szene ein Graus mit peinlichem Charakter. Sie war ihnen zu pathetisch, zu patriotisch, aber verglichen mit der Vaterlandsliebe die in „Act of Valor“ propagiert wird, wirkt diese fiktive Präsidentenansprache wie ein laues Lüftchen, wie ein linksgerichteten Grüner der einem bajuwarischen Preußenhasser gegenüber steht

Die Regisseure Scott Waugh und Mike McCoy inszenierten mit „Act of Valor“ einen Actionfilm, der mit Hilfe des amerikanischen Militärs gedreht wurde. Das ist wahrlich nichts Neues. Schon oft griff die US-Army Hollywood unter die Arme, zumindest wenn der zu unterstützende Film eine Geschichte erzählte, die im Sinne des Militärs war. Kriegskritische Filme etwa wie „The Hurt Locker – Tödliche Kommando“ musste ohne Hilfe des Pentagons auskommen. Zum Glück für Waugh und McCoy ist ihr „Act of Valor“ weit von jeglicher Kritik gegenüber Krieg entfernt, so dass ihnen militärischen Unterstützung sicher war. Der Film erzählt vom Einsatz eines Navy Seals Team. Er erzählt von großen, streng geheimen Einsätzen, vom Mut und der Opferbereitschaft eines guten Soldaten. Er versucht zu vermitteln, dass es gut ist, wenn man erschossen wird, wenn man bei einem Einsatz ein Auge verliert oder sich für das Leben seiner Kameraden opfert. Das wirkt nicht nur zwiespältig, das ist es auch. „Act of Valor“ wirkt größtenteils wie ein überlanges Propaganda-Video. „Join the Army“ schreit der Film. Er schreit dabei so laut, dass er fast vergisst, dass er ja eigentlich ein Actionfilm sein will.

Ein guter Actionfilm will und sollte unterhalten. So gesehen ist „Act of Valor“ also gar kein Actionfilm, da er seiner ausgeübten Propaganda-Maschenerie mehr Aufmerksamkeit schenkt als allem anderen. Dazu kommt, dass sämtliche Darsteller keinerlei Ausstrahlung besitzen. Dies verwundert aber nicht sonderlich, handelt es sich bei den Darstellern der Navy Seals doch nicht um Schauspieler, sondern um echte Soldaten, die bereits zig ähnlich wie im Film gelagerte Einsätze hinter sich haben. Das wäre für ein Ausbildungsvideo sicherlich eine gute Wahl gewesen, aber für einen Spielfilm war es keine gute Entscheidung. Durch ihre fast nicht existente Mimik und den pathetisch-patriotischen wie ärgerlichen Dialogen bringt „Act of Valor“ den Zuschauer in eine regelrechte Zwickmühle. Soll man sich als Zuschauer für so einen Film schämen? Soll man sich aufregen? Soll man laut lachen? Na ja, eigentlich lädt der Film eher zum Dösen ein. Denn obwohl es einige Actionszenen gibt, ist der Film schläfrig, denn es fehlt ihm Adrenalin, weil seine Gewichtung mehr auf der Propaganda liegt, statt auf der Action. Scott Waugh und Mike McCoy inszenierten mehrere Schusswechsel, Infiltrationen und Verfolgungsjagden, aber diese erzeugen keine Spannung, sondern sind einzig dafür gut den amerikanischen Heldenmut der Navy Seals zu feiern. Öde.

Dass der Film wegen seiner Propaganda-Fokussierung keinerlei Intensität aufbauen kann bleibt nicht das einzige Übel. Auch dass der Film sich Realismus auf die blau-rote Flagge schreibt ist ein Ärgernis. „Act of Valor“ zimmert sich eine ziemlich fremdenfeindliche Welt zusammen. Die Bösen sind allesamt Ausländer. Warum sie morden, warum die Bombenattentate verüben, in denen ganze Schulklassen umkommen ist dem Film sichtbar egal, es sind halt böse Jungs aus noch böseren, fremden Ländern. Die Höhe der Dreistigkeit bildet dann der offensive Antisemitismus, der so zuletzt in George Lucas katastrophalen Sternenkrieg-Prequel „The Phantom Menace“ propagiert wurde.

„Act of Valor“, der einer der Überraschungserfolge des Kinojahrs 2012 war (zumindest in den Staaten), ist ein Katastrophe. Als Actionfilm fehlt ihm die nötige Ausstrahlung und als Film über den Alltag der Navy Seals wirkt er zu verlogen und absolut inkonsequent. Nur als recht hübsch gefilmtes Vehikel für militärische Propaganda ist der Film von Waugh und McCoy brauchbar. Aber wer außer hartgesottene Patrioten, die Vaterlandsstolz einer differenzierten Meinung vorziehen, lässt sich für so einen gefährlichen, weil verklärenden Murks begeistern? Wer nach „Act of Valor“ unbedingt in den Krieg will, tja, dem ist nicht mehr zu helfen. Aber die US-Army würde sich bestimmt freuen.