"Alien" (USA 1979) Kritik – Die Geburtsstunde des berühmtesten Weltraummonsters

„Ich kann Ihnen nichts vormachen, was Ihre Chancen angeht. Aber: Sie haben mein Mitgefühl.“

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Es war das Jahr 1979. Science-Fiction war wieder total angesagt, wobei, war sie je abgesagt? Naja! Jedenfalls war sie wieder der absolute Renner, zwei Jahre zuvor erleuchtete George Lucas mit ‚Krieg der Sterne‘ die Kinos und bereitete den Weg für eine grandiose Weltraum-Oper vor. Doch ein junger Regisseur, auch nach seinem Erstlingswerk noch unbekannt, eröffnet uns eine völlig andere Welt des Weltraums und gleichzeitig die Liebe dafür. Die Rede ist natürlich von Ridley Scott und seinem Durchbuch ‚Alien‘. Zu Recht genießt der Film heute Kult und Klassikerstatus, denn mit ‚Alien‘ schuf Scott einen der besten Sci-Fi-Filme aller Zeiten, der aber nicht ganz ohne Schwächen auskommt.

Das Ridley Sott es mit beeindruckender Kraft versteht eine Atmosphäre zu erzeugen ist mittlerweile bekannt. Zwei Worte an dieser Stelle genügen: ‚Blade Runner‘. Auch ‚Alien‘ besticht mit einer der stärksten und gleichzeitig umklammernsten Atmosphären überhaupt. Die düsteren, nebeligen Bilder der unendlichen Weiten, die engen Gänge des gigantischen Raumschiffs und das grandios gestaltete Alien selbst lassen bei Sci-Fi-Fans keinerlei Wünsche offen. Es gibt einfach nichts Schlimmeres bei einem (Weltraum-)Monster wenn es albern wirkt und zur Lachnummer verkommt. Davon kann bei ‚Alien‘ nicht Ansatzweise die Rede sein, viel zu angsteinflößend ist das bloße Auftreten des Ungeheuers. Natürlich ist auch hier der Soundtrack mehr als überzeugend. Jerry Goldsmith komponiert die Art von Score, die mit dem Film und der Szene geht. Immer mehr baut sie auf, geht mit dem Puls in die Höhe und zeichnet sich durch punktgenaue Untermalung aus. Dazu völlig verdient konnte ‚Alien‘ den Oscar für die besten Spezialeffekte gewinnen, die sich auch heute noch sehen lassen können.

Mit der Schauspielerwahl hat Ridley Scott einige Glücksgriffe gelandet. ‚Alien‘ ist mit hochkarätigen Darstellern besetzt, die damals noch am Anfang ihrer Karriere standen und noch nicht den großen Bekanntheitsgrad von heute genießen durften. Die Techniker-Crew wurde mit John Hurt als Kane, Ian Holm als Ash, Harry Dean Stanton als Brett, Tom Skerritt als Dallas, Veronica Cartwright als Lambert, Yaphet Kotto als Parker und Sigourney Weaver als Ripley besetzt. Alle überzeugen sie in ihren Rollen, doch ein ganz besonderes Extralob von mir bekommen Ian Holm und Sigourney Weaver die für mich die beste Leistung des Films bringen. Beides sind unglaublich interessante Charaktere und gewinnen mit der Zeit immer mehr an Ausdruck und Kraft.

In seinem ersten Spielfilm ‚Die Duellisten‘ trieb sich Ridley Scott noch im Historien-Film-Genre rum, zu dem er später nicht nur einmal zurückkehrte wie wir wissen. Die Erwartungen an seinen zweiten Film waren dementsprechend kaum definierbar. Was für eine Kraft kann Scott in seinem zweiten Film entfesseln? Mit ‚Alien‘ betritt Scott endlich die große Bühne der Science-Fiction, wobei man klar sagen muss, das ‚Alien‘ kein reiner Sci-Fi-Film ist. Eher ist er ein Horrorfilm mit den nötigen Sci-Fi-Elementen. Scott beweist zum ersten Mal seine wirkliche inszenatorische Klasse und macht aus ‚Alien‘ eine wirklich besondere Art von Film. Scott verzichtet auf den typischen amerikanischen Helden, dessen Venen von goldenem Pathos durchströmt werden. Wir bekommen ist mit ganz „normalen“ Menschen zu tun, keine Übermenschen, keine Einzelkämpfer. Sie machen Fehler, handeln überhastet und sind dem übermächtigen Gegner gnadenlos ausgeliefert. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt, bei dem der Sieger schon längst entschieden scheint. Scott verzichtet auf eine ausschweifende Charakterisierung. Wir bekommen fertige Charaktere und Bestandsaufnahmen der bisherigen Situation. Was ‚Alien‘ aber ganz besonders ausmacht ist die Art Spannung aufzubauen und in manchen Szenen absolut gipfeln zu lassen. ‚Alien‘ will pure Angst verbreiten und das schafft er auch ohne weiteres. Die Räume werden im Laufe des Films immer kleiner und enger, die Wege werden verschachtelter und dunkler. Das Alien kann sich überall verstecken, hinter jeder Ecke kann es lauern, nur ein Augenzwinkern entfernt und bereit zum Angriff. Niemand weiß wie es weitergehen soll und jeder ist dem Ende nah. Verzweiflung kommt auf, Todesängste breiten sich aus, die Bedrohung ist zwar nur selten zu sehen aber immer präsent. Die Angst vor dem Fremden, der Schrei nach Hilfe der niemanden erreicht. Ein gewissensloser und kompromissloser Feind gegenüber einer völlig überforderten und zerrissenen Crew. Vor allem grandios fand ich die Szene in der das Alien zum ersten Mal auftaucht und auf Brett trifft, der Kampf zwischen Ash und der restlichen Crew, natürlich das grandiose Ende, mit dem flackern des Lichtes und dem letzten Blick ins Gesicht des zähnefletschenden Wesens und die Szene in der das Alien aus dem Bauch von Kane schlüpft. Aber wie oben erwähnt kommt ‚Alien‘ nicht ohne seine Schwächen aus. So toll die Atmosphäre, die optischen Reize und die Spannung in den meisten Szenen auch sein mögen, in einigen Szenen fehlt dem Film einfach der gewisse Schwung der mich immer wieder ziemlich ausgebremst hat und die nötige Spannung rausgenommen hat. Ich würde diese Szenen war in keinem Fall als langweilig bezeichnen, aber das was ‚Alien‘ in den anderen Szenen sonst ausmacht fehlt einfach teilweise.

Fazit: Mit ‚Alien‘ inszenierte Ridley Scott einen wegweisenden Sci-Fi-Horror-Film. Mit fesselnder Atmosphäre, starken Darstellern, die die pure Angst verkörpern, einem passenden Soundtrack und einer tollen Optik überzeugt ‚Alien‘ weitestgehend. Leider schleichen sich immer wieder unnötige Durchhänger in den Film, die den Gesamteindruck noch lange nicht zu einem schlechten werden lassen, aber das Ergebnis etwas abmildern. Den heutigen unzerstörbaren Ruf hat er sich aber allemal verdient.

Bewertung: 8/10 Sternen