"Allein mit Onkel Buck" (USA 1989) Kritik – John Candy in seinem Element

„Ich hab es dir wohl noch nicht gesagt, aber ich bin Amateurzahnarzt.“

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John Hughes war einer der beliebtesten Regisseure der 80er Jahre. Kaum jemand verstand es sich so zurück in seine Jugendgefühle zu versetzen und diese punktgenau zu verfilmen um damit unzähligen weiteren Teenagern direkt aus der Seele zu sprechen. Doch nach ‚Ferris macht blau‘ ging Hughes einen Schritt weiter weg vom Jugendzeitalter und widmete sich den Problemen der Erwachsenen. Mit Sicherheit nicht weniger schlecht, denn die Komödie ‚Ein Ticket für zwei‘ mit Steve Martin und John Candy, hat auch heute noch nichts von seiner Klasse und Komik einbüßen müssen. Im Jahr 1989 stand John Hughs mit seiner nächsten Komödie ‚Allein mit Onkel Buck‘ vor der Tür und John Candy durfte erneut die Hauptrolle übernehmen. Dieses Mal verknüpft er die Probleme des Erwachsenwerdens und die eines Erwachsenen und inszeniert einen kurzweiligen Spaß den man immer wieder sehen kann.

Buck (John Candy) ist bei seiner Familie nicht gerne gesehen und füllt die Rolle des schwarzen Schafs genau aus. Doch jetzt ist die Zeit gekommen, in der er Verantwortung übernehmen muss. Der Schwiegervater seines Bruders hatte einen Herzinfarkt und Buck bietet sich als einzige Person an um auf die drei Kinder aufzupassen. Mit seinem Neffen und der jüngsten Nichte (Macaulay Culkin und Gaby Hoffmann) läuft alles glatt, doch die pubertierende Tia (Jean Louise Kelly) stellt sich Buck nicht nur einmal in den Weg.

Geschichten über amerikanische (Vorstadt-)Familien gibt es zu genüge. Dabei kommt es nicht selten zum übertriebenen Kitsch und ausgelutschten Klischees. Auch die steife Moral darf nicht vergessen werden und wird während des Films immer weiter aufgerollt um am Ende, wenn die Emotionalität auf die Spitze getrieben werden soll und der Tränendrüsen-Effekt aus den Vollen schöpfen darf, zu explodieren. Die Gefahr läuft man bei einem Film von John Hughes eigentlich eher nicht. Hughes erhebt zwischendurch zwar gerne mal sanft den Zeigefinger, schießt aber nie wirklich über das Ziel hinaus.

Was John Hughes ebenfalls wunderbar verstand, war die Charakterzeichnung. Er konnte seine Figuren mit viel Leben ausfüllen und zu perfekten Identifikationsmöglichkeiten machen. Bestes Beispiel: Ferris Bueller. Auch in ‚Allein mit Onkel Buck‘ ist das nicht wirklich anders. Buck hat in seinem Leben nichts erreicht. Er hat keinen Job, ist quasi mittellos, sein Auto ist eine Schrottkarre, seine Beziehung kriselt und Kinder sind ein fremder Traum. Die eigene Wohnung gleicht einem Chaos und seine Familie möchte am liebsten nichts mit ihm zu tun haben. Sie halten ihn für einen verantwortungslosen Versagen und Proleten. Das scheint auch so auf den ersten Blick, doch Buck weiß worauf es ankommt und der weiche Kern des Tollpatsches kommt immer wieder deutlich zum Vorschein. Vor allem bei der Behandlung mit der launischen und rebellierenden 15 jährigen Tochter Tia, die Buck auf seine ganz eigene Art erzieht, verändert und auch vor Fehlern schützt. John Candy ist einfach die Idealbesetzung für den Chaoten mit Herz.

‚Allein mit Onkel Buck‘ ist hochsympathisches Familienkino, am besten geeignet für verregnete oder langweilige Sonntage. Die Situationskomik und der Wortwitz zünden so gut wie immer und verschenken auch nach dem zehnten Sehen keinen Lacher. Die besten Szenen sind vor allem die, wenn Buck sich den Freund von Tia vorknöpft und ihn immer wieder in die Schranken weist („schon was von Ritualmord gehört?“). Sicherlich kommt Hughes vorletzter Film nicht ganz ohne die verklemmte amerikanische Haltung aus und auch das typische Happy End wird voll und ganz ausgespielt. Aber dennoch ist ‚Allein mit Onkel Buck‘ liebevolle und sehr spaßige Unterhaltung, die man immer wieder genießen kann und wirklich niemanden weh tut.

Bewertung: 7/10 Sternen