"Alpha Dog" (USA 2007) Kritik – Tödliche Freundschaften

„Vollkommen egal wo du hingehst, vollkommen egal was du tust, ich werde dich auf jeden Fall kriegen.“

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Nick Cassavetes ist bestimmt kein heller Stern am Hollywood-Firmament. Mit Filmen wie ‚John Q‘, ‚Wie ein einziger Tag‘ und ‚Call it Love‘ durfte Cassavetes zwar mit großen Schauspielern zusammenarbeiten, glänzte aber nie durch sein inszenatorisches Können. Mit seinem auf wahren Begebenheiten basierenden Krimi-Drama ‚Alpha Dog‘ bringt Cassavetes 2006 seinen wohl stärksten Film in die Kinos.

Johnny Truelove ist ein draufgängerischer kleiner Drogendealer, der in die Fußstapfen seines Vaters treten will. Um Schulden von einem seiner Handlanger, Jake Mazursky, einzutreiben, kidnappen Johnny und sein Freund Frankie dessen 15 Jährigen Bruder Zack. Während seine Familie ihn sucht, genießt Zack das wilde Party-Leben – doch die zu Anfangs spaßige Entführung gerät außer Kontrolle.

Stylish sieht der Film in jedem Fall aus. Satte Bilder, gespaltene Einstellungen und einige nette wie schnell Schnitte lassen den Film in einem neumodischen Gewand glänzen. Der Soundtrack von Aaron Zigman, sowie die immer wiederkehrende Untermalung verschiedenster Hip-Hop-Lieder tragen zwar größenteils ihren Teil zur Atmosphäre des Films bei, wirken aber auch zuweilen möchtegern-cool und unpassend.

Schauspielerisch überzeugt Alpha Dog zwar, kann aber nicht durchgängig mit den großen Leistungen begeistern. Zuerst erwähnen sollte man Emile Hirsch und Ben Foster, die wohl zu den vielversprechendsten Schauspieler der Neuzeit zählen. Hirsch spielt Johnny Truelove und gibt damit den Drahtzieher des Verbrechens. Wie gesagt, Hirsch überzeugt, begeistert aber nicht. Anders als Ben Foster. Foster spielt den cholerischen Neo-Nazi Jake Mazursky und darf in seinen Szenen so richtig aufdrehen. Leider wird ihm nicht genügend Zeit zugesprochen und Foster hängt mit seinen eindrucksvollen Szenen leider völlig durch. Popstar Justin Timberlake, darf hier seine erste größere Rolle nach Filmen wie ‚Black Snake Moan‘ und ‚Southland Tales‘ spielen, und siehe da, Timberlake ist kein schlechter und fügt sich ohne Probleme in den restlichen Cast ein. Anton Yelchin als Entführungsopfer Zack Marzursky tut auch sein nötigstes und wird dem Zuschauer schnell Sympathisch mit seiner Freundlichen und Naiven Art. Auch Shawn Hatsoy als Elvis spielt annehmbar. Elvis der eine Art Haussklave für Truelove ist nimmt am Ende durch sein unüberlegtes und kompromissloses Handeln die entscheidende Rolle ein. In den Nebenrolle sind Stars wie Bruce Willis, Sharon Stone und Harry Dean Stanton zu sehen. Alle spielen unauffällig und austauschbar und vor allem Sharon Stone bringt in ihrer letzten Szene ein unnötige und unfreiwillig komische Vorstellung.

Der Kinostart von ‚Alpha Dog‘ stand einige Zeit in den Sternen, da die Verhandlungen um den echten Fall noch auf höchster Flamme kochten. Doch das Bundesgericht entschied, den Film dennoch anlaufen zu lassen, unter einer Bedingung: Cassavetes muss die Namen und Orte ändern, so wurde beispielsweise Jesse James Hollywood, der damals auf der Liste der meistgesuchtesten Verbrechern stand, zu Johnny Truelove. Das aber nur als Randinfo.

Nick Cassavetes inszeniert mit ‚Alpha Dog‘ einen Film, der sich nicht sehr um die verschiedenen Charaktere kümmert, sondern auf das Umfeld in dem sie leben und ihre Geisel aufnehmen. Das hat den Nachteil, dass den Figuren fast die gesamte Lauflänge die nötige Tiefe fehlt und man sich nur schwer in ihre Situationen wie Verhaltensweisen einfügen kann. Truelove ist Dreh und Angelpunkt der Geschichte. Er wird von jedem Respektiert und niemand kommt ihm doof. Bis auf Jake Mazursky. Jake schuldet Truelove zwar eine Menge Geld nach einem missratenen Deal, lässt sich aber trotzdem nicht vorschreiben und weist Truelove seine kämpferischen Grenzen auf. Ausschlaggebend dafür, dass Truelove, Frankie und Co. seinen Bruder Zack kidnapped. So nimmt Lauf mit schwerwiegenden Folgen. Und eben dieses Umfeld baut Cassavetes stark aus. Zack kommt in eine Welt voller verbotener und spannender Dinge. Zack der sich Zuhause viel zu beobachtet und eingespannt findet, entdeckt das wilde und sorglose Leben. Kiffen, Sex und Alkohol bestimmten von nun an den Tag, ohne dabei auch nur an die verzweifelte Familie zu denken. Vor allem mit Frankie baut Zack eine Freundschaftliche fast innige Beziehung auf und Frankie wird im Laufe des Films vom Sprüche klopfenden Möchtegern-Gangster zur moralischen Schlüsselfigur der Bande. Ihm wird klar, dass Truelove Zack tot sehen will und das nicht nur aus Spaß gesagt hat. Ab dem Punkt überzeugt Cassavetes‘ Inszenierung am meisten. Das aufgesetzt wirkende Gefluche wird beiseitegelassen, der Ton schlägt in die ernste Richtung um, die Atmosphäre wird dichter und bedrückender. Dazu wirken die Szenen zwischen Zack und Frankie endlich authentisch und dramatisch und die Emotionen zwischen dem naiven und unwissenden Zack und dem verzweifelten Frankie werden stark rübergebracht. Dabei immer der Hintergedanke auf das was kommen mag. Die eigentlich völlig entspannte Situation, die immer im Griff zu sein scheint, wird völlig aus der Bahn gerissen und niemand findet ein gutes Ende.

Fazit: ‚Alpha Dog‘ macht optisch einiges her und zeigt solide schauspielerische Leistungen. Die Dialoge wirken dagegen manchmal viel zu gewollt cool und den Figuren fehlt die nötige Tiefe. Erst im letzten Drittel kann der Film dann wirklich durchgehend überzeugen und packen. Das kommt leider zu spät und so ist ‚Alpha Dog‘ zwar sehenswert, aber nichts Besonderes.

Bewertung: 7/10 Sternen