"Wie in alten Zeiten" (FR 2013) Kritik – Pierce Brosnan und Emma Thompson reaktivieren die Vergangenheit

Autor: Pascal Reis

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„Ich hole mir zurück, was mir gehört!“

Nicht nur der stetig aus den Tag und Nacht brodelnden Hollywoodmanufrakturen quellende Verlogenheits- respektive Betroffenheitspomp á la „Wenn ich bleibe“ oder „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ strapazieren das Nervenkostüm eines jeden klardenkenden Zuschauers aufs Ärgste, auch die gerne mal als ‚total fetzig‘ beworbenen Geronto-Komödien haben bereits ähnlich alarmierenden Spuren in der Filmwelt hinterlassen können: „The Best Exotic Marigold Hotel“ und „Last Vegas“ weckten bisweilen noch Interesse aufgrund ihrer guten Besetzungslisten, waren im Endeffekt aber genauso schrecklich entbehrlich, weil sie ältere/alte Menschen eben nicht ganz ungezwungen die Lust am Leben wiederfinden ließen, ohne sie simultan dazu auf den sich anbahnenden Tod einzustellen: Genießt eure letzten Tage besser nochmal, das letztlich Stündchen hat unlängst geschlagen und die biologische Uhr läuft unerbittlich in euch ab. Seltsamerweise ist dieser „Du beißt bald ins Gras!“-Tonus nun auch schon in der Best-Ager-Comedy angekommen, wie Joel Hopkins mit seinem nichtigen Anti-Vergnügen „Wie in alten Zeiten“ nun belegt.

Eigentlich hatte Richard (Pierce Brosnan) dank seiner Arbeit in einer renommierten Investmentfirma für die Zukunft ausgesorgt, kurz vor seinem Ruhestand aber wurde sein Unternehmen von der Heuschreckenfirma eines französischen Hedge-Fond-Managers (Laurent Lafitte) aufgekauft und komplett gegen die Wand gefahren: All die Aktien sind von nun an wertlos und die Ersparnisse, die in diesen eigentlich Papieren abgesichert waren, gleich mit. Als Richard seiner Ex-Frau Kate (Emma Thompson) von den neuen Umständen berichtet, erklärt die sich schnell bereit, einen Weg zu finden, um den Vater ihrer gemeinsamen Kinder aus der finanziellen Not zu schlagen. Passenderweise bekommen die Beiden durch das mediale Echo Wind von der bevorstehenden Hochzeit des Ausbeuters, auf der er seiner attraktiven Angetrauten (Louise Bourgoin) einen Diamanten im Wert von zehn Millionen Dollar um den Hals tragen lässt. Die Marschroute ist klar: Auf nach Frankreich und den dort Diamanten, genannt „Das Auge des Regenbogens“, weil er über eine schillernde Lichtberechnung verfügt, unter den Nagel reißen.

„Wie in alten Tagen“ versucht sich daran, altehrwürdige Anleihen der Screwball-Comedy sowie des Caper-Movie unter einen Hut zu bekommen und lässt Pierce Brosnan und Emma Thompson vor allem mal mehr, mal weniger hysterische Zickereien austragen. Dass das Ex-Pärchen immerzu über ihre Gebrechen charakterisiert wird, die knackende Hüfte, die schwache Blase und natürlich den Einschub kurioser Unverträglichkeiten, mag man einmal tolerieren, das Drehbuch – ebenfalls aus der Feder Joel Hopkins‘ stammend – aber zeigt sich befreit von jedem effektiven Humorverständnis und versucht bei jeder Gelegenheit deutlich zu machen, dass wir es hier ja schon mit einer Truppe alter Säcke zu tun bekommen, die hier wahrscheinlich ihr letztes großes Abenteuer ableisten. Dass der Verlauf der Handlung absehbar bleibt und die alte Flamme der Liebe von neuem entfacht wird, ist natürlich ein Muss in diesen konservativen Gefilden, dass sich ein so wundervoller Schauspieler wie Timothy Spall aber für eine solche Knallcharge von Sidekick wie den leicht chaotischen Jerry hergibt, verursacht indes nur noch schmerzhaften Stechen im Brustbereich.