"American Pie – Klassentreffen" (USA 2012) Kritik – Alte Zeiten sollte man ruhen lassen

„Was ist? Haben Sie sich an ihrem eigenen Schwanz verschluckt?“

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Jede kennt sie. Jeder hat sie gesehen und jeder betrachtet den Apfelkuchen im Supermarkt seitdem mit etwas anderen Augen. Die Rede ist natürlich von der ‚American Pie‘-Reihe. 9 Jahre sind ins Land gegangen, als wir zum letzten Mal mit Jim, Stifler und Co. auf der Chaos-Hochzeit im dritten Teil zusammen waren. Nun schreiben wir das Jahr 2012 und unsere Chaoten-Truppe darf im richtigen vierten Teil wieder die Kinos unsicher machen und auf den Putz hauen. Mit Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg auf den Regiestühlen hatte man zwei Männer, die im Komödien-Genre keine Neulinge waren und wir alle sind doch etwas neugierig gewesen, was uns ‚American Pie – Klassentreffen‘ so zu bieten hat. Die Antwort ist eine eindeutige: rein gar nichts, was wirklich interessieren könnte.

13 Jahre nach dem Schulabschluss 1999 sind Jim, Kevin, Oz, Finch und Stifler wieder vereint, denn ein Klassentreffen steht vor der Tür. Natürlich bedeutet das auch wieder einmal ein großes Durcheinander, denn wie schon zu Highschoolzeiten, wissen unsere fünf alten Helden auch im Erwachsenenalter nicht so richtig, wo sie im Leben stehen. Doch mit dem Klassentreffen kommen auch bei so manchen die alten Gefühle wieder hoch und so richtig wollen sich die Männer mit ihrem Dasein noch nicht abfinden…

Die alten Gesichter wurden also allesamt wieder eingesammelt und lösen tatsächlich im ersten Moment einen Hauch von Nostalgie aus, vor allem wenn Seann William Scott solche Sachen wie „Handys gab es damals noch nicht!“ sagt. Jason Biggs als Jim, Thomas Ian Nicholas als Kevin, Chris Klein als Oz, Eddie Kaye Thomas als Finch und Seann William Scott als berühmt berüchtigter Steve Stifler. Die Zeit ging jedoch nicht gerade an allen vorbei und wirklich Spaß an ihren Charakteren scheinen nur Scott und Biggs gehabt zu haben. Die anderen jagen kläglich ihrem alten Ich hinterher, holen es aber nie ein. Den weiteren Schauspielern wird kaum Zeit geschenkt und manchmal dürfen sie nur einen Satz in die Kamera sprechen, um dann gleich wieder aus dem Bild und aus dem Gedächtnis zu verschwinden. Gemeint sind Leute wie die sträflich verschenkte Alyson Hannigan als Michelle, Eugene Levy als Jims Dad, Tara Reid als Vicky, Mena Suvari als Heather, Chris Owen als Sherminator, Ali Cobrin als Kara, Jennifer Coolidge als Stiflers Mum und Shannon Elisabeth als Nadia. Auch Neil Patrick Harris hat einen kleinen Gastauftritt und zählt noch zu den besten Gags des Films.

Unsere fünf Freunde sind im Alltag angekommen und trotten durch ihre Ehen und Arbeitsleben ohne Abwechslung. Jim ist Vater und im Bett läuft nichts mehr, Stifler ist eine Aushilfe und führt sich auf wie der Big Boss, Oz ist Moderator für eine Sportsendung und nicht gerade glücklich mit seiner etwas schlampigen Freundin und Kevin führt ein Leben als Hausfrau. Nur Finch scheint als freier Abenteurer ein spannendes Leben zu führen. Wenn sie sich dann alle wieder treffen, wollen sie die Vergangenheit nochmal aufleben lassen. Geht das gut? Natürlich nicht. Und alles spielt sich so ab, wie wir es schon oft genug gesehen haben. Stifler will nur möglichst viele Frauen flachlegen und zieht die Jungs von einem Schlamassel mit ins Nächste. Aber auch Jim hat so seine Sorgen, denn die 18 jährige Nachbarin seines Vaters will, dass er sie entjungfert. Die zotigen Gags, die man nun in den 100 Minuten serviert bekommt, locken höchstens noch die pubertierenden Jugendlichen hinter dem Ofen vor und selbst die kommen hier nie voll auf ihre Kosten.

‚American Pie – Klassentreffen‘ hat ein riesiges Problem: die Zeit. Der Film wirkt einfach in so gut wie jedem Moment überholt und wenn die Männer, die immerhin schon gut 30 sind, sich benehmen wie Jungen, die frischen Haarwuchs an intimen Stellen entdeckt haben, ist das alles viel zu aufgesetzt und erzwungen. Einzig Seann William Scott kauft man die Rolle des homophoben Großmauls noch ab, weil sie einfach immer passt. Und genau das rettet den Film auch vor schlimmeren, denn wenn man dann auch mal lachen kann, dann wegen ihm. Ansonsten bewegen wir uns die meiste Zeit auf dem einseitigen Nullpunkt und die dämlichen Witzchen werden von A bis Z runtergespult. Hier ein Penis im Bild, da ein paar wackelnde Brüste. Mehr kommt nicht. Die Gags zünden viel zu selten und machen den Film furchtbar zäh und uninteressant. Die alten Teile sollte man aber gesehen haben, wenn man sich dieses Machwerk wirklich anschauen will, denn mehr oder weniger gelungene Anspielungen sind zu genüge drin. ‚American Pie – Klassentreffen‘ dümpelt durchgehend auf dem gleichen lahmen Niveau, gespickt mit Fremdschämen und die richtig großen Lacher wie Höhepunkte werden ganz weggelassen. Das Ende selbst wurde frisch aus dem Bilderbuch übernommen und alles findet sich wieder glücklich zusammen und hat sich ganz, ganz doll lieb. Herr Hurwitz? Herr Schlossberg? Das hier war absolut nichts.

Fazit: ‚American Pie – Klassentreffen‘ ist niveaulos, dämlich und ein Sexwitz jagt den nächsten. Das ist aber gar nicht das Problem, denn damit haben wir ja schließlich gerechnet. Das Schlimme ist, nur ein Bruchteil der gewollten Gags zündet und der Film zieht sich unheimlich in die Länge. Die Lockerheit und der schöne Spaß sind gänzlich verloren gegangen und die derben Zoten nerven zunehmend. Dazu sind auch die Schauspieler nicht mehr das, was sie einmal waren. Einzig auf Seann William Scott ist noch wirklich Verlass, aber gegen ein derart schlechtes Drehbuch kann auch er nichts anrichten. Ein richtig schwacher Schlag unter die Gürtellinie, den man so schnell wie möglich wieder vergessen sollte.

Bewertung: 3/10 Sternen