"Attack the Block" (GB 2011) Kritik – In London regnet es Aliens

„Leg sie um, man! Hau die Biester weg!“

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Nach einer anstrengenden Schicht im Krankenhaus, wird die Krankenschwester Sam in einem Stadtteil von Süd-London von einer der berüchtigten Jugend-Gangs überfallen, die ihr das Geld und ihr Handy abnehmen. Genau in diesem Moment stürzt jedoch eine seltsame Kreatur vom Himmel und die Jugendlichen, die es erst für einen Affen gehalten haben, sind sich kurze Zeit danach schnell einig: Es handelt sich um ein waschechtes Alien. Als die Teenies das Alien umgebracht haben, geht es jedoch erst richtig los. Über dem ganzen Viertel regnet es neue Aliens, die sich mehr als gewaltbereit zeigen. Die Teenager haben nur eine Wahl: Sie müssen sich in den Kampf stürzen…

Wenn es um Aliens geht, dann spitzt die Welt die Ohren und ist sofort am Ball. Sei es bei einer Dokumentation über höhere Lebewesen, ihrem Ursprung und fremde Planeten, auf den die möglichen Außerirdischen hausen. Wir sind nicht allein! Das sollte in der Gegenwart zumindest jedem klar sein, doch wie realistisch ist es, dass eines Tages wirklich eine fremde Spezies auf Mutter Erde landet und mit den Menschen einen Friedenspakt abschließen wollen, oder das genaue Gegenteil, die pure Zerstörung der menschlichen Rasse? Die Frage kann man wohl kaum beantworten, doch wenn man sich im Klaren darüber ist, welch endloses Ausmaß das Weltall besitzt, dann muss man wohl sagen, dass ein solches Aufeinandertreffen im Bereich des Möglichen liegt. Im Kino haben wir bekanntlich ja schon so einige Male Bekanntschaft mit den Aliens gemacht und zwar in den verschiedensten äußeren Formen. Ob als schleimiges Monstrum in „Alien“, mit menschlicher Schale in „Der Tag, an dem die Erde stillstand“, als niedlicher Freund in „E.T.“ und immer wieder in hässlichster Form wie in „Krieg der Welten“ oder „Independence Day“. Eine gewisse Faszination bringt dieses Thema immer mit sich, doch das heißt noch lange nicht, dass diese Filme auch wirklich gut sind.

Eines dieser missratenen filmischen Alien-Projekte ist auch die englische Sci-Fi-Action-Komödie „Attack the Block“ von Joe Cornish aus dem Jahre 2011. Der eigentliche Entertainer, dessen Heimat sich also auf der großen Bühne befindet, wagte sich in die Lichtspielhäuser, doch sein Debütfilm hat an erster Stelle das Problem, dass seine Hauptdarsteller einfach nur unsympathische Kids auf dem letzten britischen Ghettoloch sind. Ob Joses Boyega als Moses, Franz Drameh als Dennis, Alex Esmail als Pest, Leeon Jones als Jerome oder Simon Howard als Biggz. Alle sind sie ebenso langweilig wie oberflächlich und wissen sich die meiste Zeit nur durch ihre gähnenden Schimpfwörter zu artikulieren. Jodie Whittaker als Krankenschwester Sam und Nick Frost als Dealer Ron machen zwar einen besseren Eindruck, bekommen aber deutlich zu wenig Zeit, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben und den Teenager die Stirn zu bieten. Visuell macht „Attack the Block“ dafür aber schon etwas her, denn die dunklen Bilder, die immer wieder von brechenden Beats unterstützt werden, und im besten Fall nicht durch ihr Gepolter auf die Nerven gehen, können einige schicke Aufnahmen erzeugen. Vor allem bleibt da die Szene im Gedächtnis, in der Anführer Moses vor mehreren Aliens durch das Treppenhaus flieht.

Das man also irgendwelche charakterlosen Ghettokinder als „Helden“ ausgewählt hat, rentiert sich nicht im Geringsten. Wenn hier jedes zweite Wort entweder „Fuck“ oder „Bitch“ ist, dann hat man sich vielleicht dem Umgangston dieses trostlosen englischen Viertels in London angepasst, doch jeder Zuschauer, der die Zeit als Teenager schon hinter sich gelassen hat, wird sich nach wenigen Minuten von den unnötigen und anhaltenden Schimpfwörtern gestört fühlen. Wenn dazu dann auch noch die deplatzierten Beats von Price & Jaxx eingespielt werden, die die Szenen immer wieder musikalisch erdrücken, dann gibt es auch keine Möglichkeit für Regisseur Joe Cornish, hier irgendwie eine Atmosphäre zu erzeugen, denn der düstere Drehort, gepaart mit den gnadenlosen Häuserkämpfen, hätte einiges hermachen können. „Attack the Block“ ist, aufgrund seiner einfältigen Inszenierung, einfach nur ein öder Sci-Fi-Streifen, dessen gewollter Humor nie das richtige Timing besitzt und die pubertäre Stimmung immer unausweichlich in den Vordergrund rückt. Zwischen dunklen Treppenhäusern, harter Jugendkriminalität und den schwarzen Aliens mit neonfarbenden Augen und Schnauzen, macht sich nur die hektische Belanglosigkeit breit, die weder unterhält, noch gute Action bietet oder gar humoristisch einen wirklichen Treffer landet. „Attack the Block“ ist das ermüdende Fehlen jeglicher Atmosphäre und Spannung, dagegen können auch 1-2 stark gefilmte Sequenzen nichts ändern. Eine Enttäuschung, in jedem Punkt.

Bewertung: 3/10 Sternen