"Bad Ass" (USA 2012) Kritik – Trejo lässt die Fäuste fliegen

„Bad Ass. It’s what there callin‘ him.“

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B-Movie-Ikonen sind schon eine rätselhafte Spezies. Abseits des Hollywood-Mainstreams fristen diese ein von der Masse zwar ungeachtetes Dasein, werden aber gleichzeitig von ihren eingeschworenen Fans frenetisch gefeiert. Dass viele von ihnen in Wahrheit äußerst talentierte, aber gnadenlos unterschätzte Schauspieler sind, können die meisten von ihnen leider nur selten unter Beweis stellen, doch wenn man ihnen eine Chance gibt, zeigen sie, was in ihnen steckt. Bestes Beispiel dafür sind die B-Movie-Legenden Ron Perlman („Conan“), der gerade als Anführer einer Motorradgang in „Sons of Anarchy“ die Highways der USA unsicher macht, und der sowieso über jeden Zweifel erhabene Bruce Campbell („Tanz der Teufel“), der in der Fernsehserie „Burn Notice“ als in die Jahre gekommener Ex-Geheimagent seinen Spielpartnern regelmäßig die Show stiehlt. Auch dem maskulinen Schnurrbartträger Danny Trejo („From Dusk Till Dawn“) bleibt seit Jahren der große Durchbruch verwehrt, auch wenn er mit „Machete“ bereits einen Achtungserfolg verzeichnen konnte. Dennoch schien Regisseur und Cousin Robert Rodriguez („Desperado“) nicht restlos von der Zugkraft seines Hauptdarstellers überzeugt gewesen zu sein und stellte seinem Machete gleich eine ganze Reihe namhafter Hollywoodstars an die Seite, was den Film unnötig beschwerte und Trejos Machete einiges an Spielzeit kostete. Dass es auch anders geht, beweist Craig Moss („The Super-Bad Movie – 41 Jahre und Jungfrau“) in seinem neuen Film „Bad Ass“, denn hier gibt es die volle Danny-Trejo-Dröhnung.

Ex-Soldat Frank Vega (Danny Trejo) muss feststellen, dass man in den USA als Vietnamveteran nicht gerade gute Berufschancen hat. Ohne Job und Perspektive versucht sich Vega als Hot-Dog-Verkäufer über Wasser zu halten, was ihm über Jahre mehr schlecht als recht gelingt. Als der inzwischen in die Jahre gekommene Ex-Soldat jedoch eines Tages in einem Linienbus einem von Skinheads bedrohten Mann zur Hilfe kommt, ändert sich sein Leben schlagartig und er wird zur lokalen Berühmtheit. Nie war das Leben schöner für Frank Vega. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer: Vegas Freund Panther („Charles S. Dutton“) wird auf offener Straße umgebracht und die Polizei scheint nicht an der Aufklärung des Falls interessiert zu sein, also beschließt der schlagkräftige Lokalheld, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen.

Heutzutage kann fast alles als Vorlage für einen abendfüllenden Film dienen, selbst Actionfiguren und Gesellschaftsspiele, wie Filme à la „Transformers“ und „Battleship“ eindrucksvoll bewiesen haben. Dass nun aber auch Youtube-Videos als Ideengeber für findige Drehbuchschreiber herhalten müssen, ist eine neue Entwicklung und macht wieder einmal deutlich, dass in Hollywood gute Ideen inzwischen Mangelware sind. Jedoch nicht jede aus dem Internet gezogene Idee muss gleich zum filmischen Super-GAU erklärt werden, das beweist Regisseur Craig Moss mit „Bad Ass“, der lose auf dem Internet-Clip zum „Epic Beard Man“ (http://vimeo.com/9609349) basiert.

Wer auf eine geistreiche Handlung, tiefgründige Figuren und messerscharfe Dialoge wert legt, sollte einen großen Bogen um „Bad Ass“ machen, den all das lässt der Film vermissen. Regisseur Craig Moss beschränkt seinen Film auf das Wesentliche: Danny Trejo und dessen eisenharte Fäuste. Nach dem etwas zäh geratenen Einstieg, der den Zuschauer mit beinahe schon überflüssigen Informationen über die Vietnamvergangenheit des Protagonisten versorgt, legt Moss in Windeseile die dürftigen Story-Grundsteine für die folgende Prügelorgie. Sind erst einmal alle Fronten geklärt, und Schurken ausfindig gemacht, kann es richtig losgehen und Danny Trejo drischt sich fortan quer durch die Stadt, dass es nur so eine Freude ist. Trejo legt sich mit allem an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und dabei scheint es vollkommen egal zu sein, welches Alter oder welche Statur sein Gegenüber hat. Ist der Film dann richtig in Fahrt gekommen, werden Erinnerungen an alte Bud Spencer/Terrence Hill-Filme geweckt, so schlagkräftig geht es hier teilweise zu, auch wenn sich „Bad Ass“ in Sachen Witz und Charme natürlich keinesfalls mit den vier Fäusten messen kann.

Leider ist „Bad Ass“ kein Trash-Meisterwerk, dennoch kann Regisseur Craig Moss durch eine Portion Selbstironie, grandios überzogene Szenen, besonders die finale Bus-Verfolgungsjagd ist ein echter Hingucker, und den wunderbar ruppigen Trejo viele Schwächen kaschieren und somit ein recht kurzweiliges B-Movie erschaffen. Außerdem lohnt es sich schon allein für Danny Trejos wunderbare Badezimmerszene dem Film eine Chance zu geben. Ärgerlich ist hingegen, dass sowohl der Auftritt von Charles S. Dutton („Alien 3“) als auch der von Ron Perlman („Hellboy“), äußerst kurz gehalten wurden, wobei es letzterer nicht einmal auf zwei Minuten Spielzeit bringt und sich somit als reiner Zuschauerfänger entpuppt.

Fazit: Danny Trejo lässt die Fäuste sprechen! Eine durchwachsene Prügelodyssee mit einem äußerst sympathischen Hauptdarsteller. Trejo-Fans sollten unbedingt einen Blick riskieren, alle anderen die Finger davon lassen.

Bewertung: 6/10 Sternen