"Bad Sitter" (USA 2011) Kritik – R-Rated um jeden Preis

„What, is there shit on my face?“

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Das einstige Independent-Wunderkind David Gordon Green („Snow Angels“) versucht sich seit einigen Jahren vorwiegend als Regisseur derber Klamauk-Komödien und das mit durchwachsenen Ergebnissen. 2008 entstand unter seiner Regie die wahnwitzige Kiffer-Odyssee „Ananas Express“, ein wahres Gag-Feuerwerk, das sowohl bei den Kritiker, als auch beim Publikum großen Anklang fand. An diesen Erfolg versuchte er 2011 mit „Your Highness- Schwerter, Joints und scharfe Bräute“ anzuknüpfen und legte eine phänomenale Bruchlandung hin. Zu Recht, denn Greens Ausflug in die verkiffte Welt des Mittelalters fehlte es an jedweder Originalität, hatte der Film doch außer einigen müden Witzen unter der Gürtellinie und einem abgeschnittenen Minotauruspenis, der in Slow Motion durchs Bild schlackerte, wenig zu bieten. Kein Wunder also, dass man seinem neusten Film „Bad Sitter“ mit gemischten Gefühlen entgegenschaut, denn auch „Bad Sitter“ mangelt es an wirklich guten Ideen. Allzu kalkuliert wirken die Niveaulosigkeiten im Minutentakt und selbst ein gut aufgelegter Jonah Hill („Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“) kann nicht vollends über die deutlichen Schwächen des Drehbuchs hinwegtäuschen.

Noah (Jonah Hill) weiß nichts mit seinem Leben anzufangen. Im Haus seiner Mutter (Jessica Hecht) hat es sich der College-Abbrecher gemütlich gemacht und lebt einfach in den Tag hinein. Drogen, Essen und Fernsehen, mehr braucht der füllige Noah nicht, um glücklich zu sein. Um seiner Mutter eine Freude zu machen, betätigt sich der Faulenzer einen Abend lang als Babysitter im Hause der befreundeten Familie Pedulla. Hier soll er auf die drei kleinen Unruhestifter Slater (Max Records), Blithe (Landry Bender) und Rodrigo (Kevin Hernandez) aufpassen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Kinder versuchen, ihrem Babysitter das Leben so schwer wie nur möglich zu machen. Zu allem Überfluss hat Noah seiner Freundin Marisa (Ari Graynor) auch noch versprochen ihr Drogen für die Party heute Abend zu besorgen. Was also tun? Der frischgebackene Babysitter weiß Rat: Gemeinsam mit den drei Rotzlöffeln macht er sich auf zum nächsten Drogendealer…

R-Rated um jeden Preis, diese Regel scheint momentan oberstes Gebot in Hollywood zu sein. Nackte Haut, derbe Sprüche, Drogenexzesse und eine Prise Fäkalhumor sind das Erfolgsrezept von „Komödien“ wie „Hangover 2“, „Wie Ausgewechselt“ und „Bad Teacher“. Anders ausgedrückt: Die Traumfabrik Hollywood steckt mitten in der Pubertät und mit ihr auch das amerikanische Kinopublikum. Auch David Gordon Greens „Bad Sitter“ macht die Marschrichtung ziemlich schnell klar. Wenn der Zuschauer Protagonist Noah gleich in der ersten Szene zwischen zwei Schenkeln antrifft, wo er gerade seine außergewöhnlichen oralen Fähigkeiten unter Beweis stellt, weiß man, wo der wilde Babysitter-Trip enden wird. Holzhammer-Humor statt feinsinnigem Witz lautet die Devise, aber wer die bisherigen Komödien von David Gordon Green kennt, weiß sowieso, worauf er sich einzustellen hat.

Man muss Jonah Hill schon mögen um „Bad Sitter“ noch etwas Gutes abgewinnen zu können, denn der rundliche Komiker mit dem leicht hitzigen Temperament ist absoluter Dreh- und Angelpunkt des Films. Dadurch kann der im Comedy-Buisness bereits geschulte Hill natürlich viele Schwächen des Drehbuchs überspielen, andererseits ist es aber genau die Fokussierung auf Hills äußerst eindimensionalen Charakter, der den Film über weite Strecken ausbremst. Stand Seth Rogen („Beim ersten Mal“) in „Ananas Express“ wenigstens noch ein äußerst liebenswerter James Franco („127 Hours“) zur Seite, muss Hill den kompletten Film fast alleine tragen. Kaum einer der zahlreichen Nebenfiguren ist hier mehr als ein billiger Gaglieferant, einzig der herrlich überzogene Auftritt von Sam Rockwell („Moon“) als Drogenboss mit Aggressionsproblemen und einer Schwäche für Fabergé-Eier bringt etwas Stimmung in die zotige Kiffer-Klamotte.

Besonders bedauerlich ist die eindimensionale Figurenzeichnung im Falle der zu hütenden Kinderschar, so wurden die Charaktere der drei Rotzlöffel jeweils auf ein primäres Attribut heruntergebrochen: Neben dem sexuell verunsicherten Noah, der erst langsam verstehen muss, warum er Jungs lieber mag als Mädchen, gibt es noch dessen frühreife Schwester Blithe, die mehr Make-Up aufträgt als Lady Gaga und den Adoptivsohn und Latino-Rebellen Rodrigo, der als Miniaturausgabe eines Straßengangmitgliedes herhalten muss. Natürlich muss sich jeder Dreikäsehoch im Verlaufe des Films seinen Problemen stellen, doch glücklicherweise reicht hier meist ein klärendes Gespräch mit Babysitter Jonah Hill um sämtliche Sorgen der Kinder verschwinden zu lassen. Diese fast schon biederen „Full House“-Momente, wirken im sonst so derben Treiben seltsam deplatziert.

Fazit: Drogen, Zoten, Langeweile. David Gordon Green inszeniert mit „Bad Sitter“ eine Komödie zwischen derbem Humor und biederer Moral. Fans des deftigen Humors und Freunde von Jonah Hill dürfen dennoch einen Blick riskieren.

Bewertung: 4/10 Sternen