„Bait 3D – Haie im Supermarkt“ (AU 2012) Kritik – Showdown in Reihe 4, links neben den Tütensuppen

Autor: Jan Görner

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Als die Ankündigung die Runde machte, dass Disney 2013 „Findet Nemo“ noch einmal in 3D in die Kinos bringen würde, war die Reaktion recht einmütig. „Alles schon mal gesehen, daran ändert auch 3D nichts.“ So ähnlich verhält es sich mit der australisch-singaporischen Co-Produktion „Bait 3D – Haie im Supermarkt“ auch. Hier hat man ebenfalls schon mal alles gesehen. Nur eben in besseren Filmen.

Nachdem der Rettungsschwimmers Josh (Xavier Samuel) seinen besten Freund und Schwager in spe bei einem Haiangriff verloren hat, quittiert er den Dienst und fängt als Aushilfe in einem Supermarkt an der australischen Goldküste an. Ausgerechnet als Joshs Ex-Verlobte Tina (Sharni Vinson) mit ihrem Neuen im Laden auftaucht, kommt es durch den verzweifelten Räuber Doyle (Julian MacMahon) zu einer Geiselnahme. Zu allem Überfluss bricht noch ein Tsunami über die Stadt herein und überflutet das unterirdisch gelegene Geschäft. Gefangen und dem steigenden Wasserpegel ausgesetzt, kann sich eine Handvoll Überlebender retten. Doch im Wasser lauert eine noch größere Gefahr. Haie im Supermarkt!

„Bait 3D“ ist schlecht kaschierter Trash von der Stange. Die Charaktere sind hauchdünn skizziert, die Regie wirkt uninspiriert und ziellos. Auch dass das Drehbuch durch die Hände gleich sechs verschiedener Autoren gegangen ist, merkt man der Geschichte leider allzu deutlich an. Ein bisschen Katastrophen-Thriller hier, etwas Tierhorror da und noch ein Funken Charakterdrama, fertig. „Bait 3D“ will es jedem recht machen und enttäuscht doch alle. Abgesehen von der mehr oder minder originellen Grundidee (die wir aber so ähnlich schon aus „Tremors“ kennen) tritt Regisseur Kimble Rendall unfreiwillig den Beweis an, dass man über eine Spielfilmlänge auskommen kann, ohne eine zweite eigene Idee zu haben. Aus der Prämisse dass der ultimative Räuber der Meere im letzten angestammten Jagdrevier des Menschen wildert, wird dann auch nichts weiter als ein ironiefreies Riff auf das bekannte Grundthema „Mensch vs. Natur“.

Die Einführung der verschiedenen Überlebenden erfolgt ebenfalls nach bekanntem Muster. Die Figuren selbst entsprechen dabei weitgehend den gängigen Stereotypen des Genres. So befindet sich unter der versprengten Schicksalsgemeinschaft natürlich auch ein schwarzes Schaf, jemand, der nicht der ist, der er vorgibt zu sein. In der Tat ist die Erzählung derart durchsichtig, dass man sich als Zuschauer am Ende ob eines meilenweit absehbaren Twists unweigerlich an den Kopf fasst. Der halbherzige Versuch das Publikum auf eine falsche Fährte zu locken wirkt nachgerade hilflos.

Würde die Inszenierung wenigstens einer halbwegs nachvollziehbaren Dramaturgie folgen, könnte „Bait 3D“ möglicherweise noch als flotter No-Brainer à la „Snakes on a Plane“ enden. Doch auch hier ist nichts zu holen. Wie er es von besseren Regisseuren gelernt hat, zögert Rendall den unvermeidlichen Reveal der schwimmenden Killer möglichst lange hinaus. Zu dumm nur, dass dem Publikum bereits in den ersten Minuten ein unterdurchschnittlich getrickster Hai von der Leinwand entgegen springt. So hält sich die Vorfreude auf die ganze Pracht der Meeresräuber dann auch deutlich in Grenzen, allzu sehr sieht man ihnen ihre Herkunft aus dem Computer an. Der 3D-Effekt hingegen bewegt sich auf Branchenstandard und dient hauptsächlich für die bekannten Mätzchen. Immerhin: Gedreht wurde tatsächlich in native 3D. Zumindest die Tsunami-Sequenz ist optisch reizvoll, sie enthält auch den einzigen echten Lacher des Films.

Zu allem Unglück kann auch der Cast, welcher mit Ausnahme von Xavier Samuel („Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“) und Julian MacMahon („Nip/Tuck“) aus größtenteils unbekannten Gesichtern besteht, „Bait 3D“ nicht vor dem Absaufen bewahren. Sowohl Horror- als auch Katastrophenfilm sind als Genres angelegt, die Charaktere unter Extremsituationen zeigen und im besten Fall ihre Belastungsgrenzen ausdeuten sollen. Dies jedoch nimmt insbesondere Schauspielrecke Dan Wyllie zum Anlass derart wild zu chargieren, dass es gleichzeitig nervig und ermüdend ist. Seine Kollegen können sich bei Wyllie bedanken, denn neben seiner lachhaften Leistung wirkt auch das kollektive Overacting im Vergleich gar nicht mehr so strapazierend. Am besten weiß noch Jungstar Alex Russell („Chronicle“) seine Zeilen zu verkaufen. Zur Ehrrettung sei gesagt, dass es sich von allein versteht, dass die Darstellerriege bei „Bait 3D“ auch nur mit dem vorhanden Material arbeiten kann.

Fazit: „Bait 3D – Haie im Supermarkt“ ist eine Haifischgurke, die in so gut wie jeder Einzeldisziplin die Latte reißt. Bieder erzählt und langweilig inszeniert wird sie wohl kaum einen Genrefan beeindrucken können.