"Beetlejuice" (USA 1988) Kritik – Tim Burton lässt den Lottergeist von der Leine

„Ich habe unzählige Dämonen in mir, überzeugt euch wenn es sein muss!“

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Hört man heute den Namen Tim Burton, dann muss man unweigerlich direkt an seinen Kumpanen und Arbeitskollegen Johnny Depp denken, die sich zusammen von Projekt zu Projekt hangeln und die Herzen der Fans mit ihren liebevollen Filmen beglücken, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie es in den 90er Jahren gang und gäbe war. Da hätten wir großartige Sachen wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Ed Wood“ und „Sleepy Hollow“, die allesamt zu den besten Werken in Burtons als auch Depps Schaffen gehören. Auch im neuen Jahrtausend wusste das Duo in Filmen wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder „Sweeney Todd“ vollends zu überzeugen, doch mit den beiden letzten Zusammenarbeiten „Alice im Wunderland“ und „Dark Shadows“ spaltete sich die Filmwelt. Aber Paradiesvogel Burton kann natürlich auch ohne seinen Liebling Depp tolle Filme inszenieren, wie sich mit „Big Fish“ oder „Batman“ und „Batmans Rückkehr“ längste bewies. Den Schleier des Schweigens legen wir an dieser Stelle über sein „Planet der Affen“-Remake, welches wirklich in keinem Punkt einem echten Burton würdig war. Gehen wir dieses Mal aber noch weiter zurück in die Vergangenheit und widmen uns dem zweiten Film in Burtons Karriere „Beetlujice“, aus dem Jahre 1988, der die kommende Laufbahn des exzentrischen Regisseurs offenbarte.

Und darum geht’s: Das glückliche Ehepaar Barbara und Adam Maitland wollten gerade ihren Urlaub im trauten Heim genießen, da geschieht das Unglück auch schon. Beide erleiden einen schlimmen Autounfall und ertrinken. Kurz darauf stehen sie jedoch wieder in ihrem geräumigen Haus, mit dem kleinen Unterschied, dass sie nun nicht mehr unter den Lebenden wandeln, sondern in der Welt der Geister gefangen sind. Um dann wirklich irgendwann in das Jenseits zu gelangen, müssen sie ganze 125 Jahre in ihrem Haus bleiben, welches sie nicht verlassen können. Über die Büroarbeit und Abläufe im Jenseits ganz zu schweigen, denn diese sind noch langsamer und verdrehter als in der Menschenwelt. Das Haus steht also genaugenommen wieder für die neuen Bewohner frei und die Familie Deetz steht bereits mit den Koffern in den Türen, darunter auch die Tochter Lydia, die gerne in schwarzen Klamotten durch die Gegend läuft und äußerst blass dreinschaut. Sie ist die einzige, die Kontakt zu den beiden Toten aufnehmen kann, während ihre Stiefmutter und Vater das Haus auf den Kopf stellen. Barbara und Adam wollen die Unruhestifter aus ihrer Behausung vertreiben, doch alleine schaffen sie es nicht, deswegen müssen sie auf die Hilfe des Bioexorzisten Beetlejuice zurückgreifen, doch mit ihm geht der Spuk erst richtig los…

In der Aufmachung und dem Aussehen von „Beetlejuice“ lässt sich all das erkennen, was Tim Burton in seinen späteren Jahren ausmachen wird. Burton verehrt den Retrostil des jungen Hollywoods, vergöttert das blassen Gothflair und das ästhetische Horrorfeeling der englischen Klassiker, wie er es in seinen kommenden Filmen immer wieder aufleben lassen hat. Auch die Spezialaffekte, die natürlich deutlich als solche zu erkennen sind, sollten nicht aufgrund dieser Tatsache verschrien werden, sondern als herzliche Hommage verstanden und ganz klar für den vorhandenen Charme gelobt werden. Zu dieser tollen Atmosphäre trägt natürlich auch Kameramann Thomas E. Ackerman seinen Teil bei, der das Geschehen mit seiner ruhigen Führung immer gefasst darstellt und zwischen den gruseligen wie komödiantischen Einstellungen wunderbar umherspringt. Dazu dann auch der Score von Burtons Stammkomponisten Danny Elfman, der die Filme von Burton ja wie gewohnt immer genauesten untermalen kann und sowohl die Magie als auch den Kern der Geschichte einfängt, ebenso in „Beetlejuice“. Das Highlight in der Besetzung des Films ist Michael Keaten, der den titelgebenden Lottergeist völlig überdreht verkörpert und seine Rolle weitestgehend improvisierte. Es macht einfach Spaß ihm in seiner anarchisch-chaotischen Figur zuzusehen. Aber auch Alec Baldwin und Geena Davis als totes Ehepaar Adam und Barbara Maitland, wie auch Winona Ryder als Lydia Deetz wissen in ihren Rolle zu gefallen, ebenso Jeffrey Jones als Charles und Catherine O’Hara als Delia.

„Beetlejuice! Beetlejuice! Beetlejuice!“

In „Beetlejuice“ bekommen wir die Möglichkeit, uns über den Tod durchgehend in all seinen Formen zu amüsieren, besonders herrlich ist da die Szene, wenn das tote Ehepaar im Wartezimmer des Jenseits ankommt und sich zwischen einen verkohlten Raucher und einen glupschäugigen Schrumpfkopf setzt, nur um dann von einem überrollten Mann ins nächste Zimmer gebeten zu werden. Und hier haben wir auch schon den Kniff in Burtons Inszenierung: Die Toten sind hier nicht die Feinde, Monster oder Schreckgespenster, sondern die klaren Sympathiefiguren, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann, um gemeinsam mit ihnen gegen die geldgeilen Lebenden zu wettern. Dabei kombiniert Burton den Gothic-Stil mit unaufdringlichen und konzilianten Grusel, der sich mit dem typischen Burton-Humor mal wieder wundervoll verknüpfen kann und den Zuschauer auf eine Geisterbahn durch das Totenreich mitnimmt. „Beetlejuice“ strotzt vor Kreativität und Ideenreichtum und weiß, trotz dem gelegentlichen fehlen vom letzten Feinschliff und Schwung, immer blendend zu unterhalten und den Zuschauer mit auf die Reise durch den düster-bunten Spaß zunehmen, in dem Geister am Spuken verzweifeln, in surrealistischen Momenten von Riesenwürmern verfolgt werden und es mit dem schlimmsten aller Lottergeister zu tun bekommen, dessen Name auf keine Fall dreimal hintereinander ausgesprochen werden wollte, denn sonst hat man das Schlamassel am Halse.

Fazit: „Beetlejuice“ ist ein Film, der unverkennbar Burtons brillante und ganz eigene Handschrift trägt und einfach nur von ihm so inszeniert werden kann. Mit seinem herrlichen Humor, der wunderbaren Optik und dem unaufdringlichen Gruselelementen weiß „Beetlejuice“ durchgehend zu unterhalten und in das Burton-Universum zu entführen. Dazu noch die tollen Darsteller, allen voran Michael Keaton, der wie befreit durchdrehen darf und den Lottergeist ganz eigen interpretiert. Ein toller Film, sicher nicht ohne Schwächen und auch nicht so gut wie kommende Burton-Werke, doch in jedem Fall, gerade für Fans, überaus sehenswert.

Bewertung: 7/10 Sternen