"Beim ersten Mal" (USA 2006) Kritik – Wenn ein lockerer Spaß zur großen Verantwortung wird

„Warum liest du keine Babybücher?“ – „Weil es dann so real wird…“

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Im Job läuft es für Moderatorin Alison richtig gut und die Beförderung hat sie natürlich mit offenen Armen angenommen. Der Aufstieg muss gefeiert werden und zwar in einem angesagten CluB der Stadt, mit reichlich Alkohol. In diesem Club trifft sie dann auch Ben, der ihr zwar ein Bier ausgibt, aber gar nicht in ihr Traumbild von Partner passt. Die beiden lernen sich dennoch kennen, tanzen, lachen und landen im Bett. Was eigentlich als One-Night-Stand geplant war, führt zum persönlichen Chaos: Alison ist schwanger von Ben und der mittellose Kiffer guckt genauso dumm aus der Wäsche wie Alison. Ben und Alison wollen das Kind in jedem Fall behalten und einen gemeinsamen Weg finden, doch die grundverschiedenen Lebenseinstellungen führen immer wieder zu neuen Problemen…

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Nach seinem Kassenhit „Jungfrau (40) männlich, sucht…“ wurde Multitalent Judd Apatow die große Zukunft im Komödiengenre vorausgesagt. Die Erwartungen auf seinen Nachfolger „Beim ersten Mal“ waren dementsprechend groß und Judd Apatow konnte diese Erwartungen und Hoffnungen nicht nur einhalten, sondern auch ohne Mühe übertreffen. Dabei lebt sein Film nicht vom Drehbuch, ebenfalls von Apatow verfasst, sondern von seinem tollen Cast, der bis in die kleinste Rolle passend bestückt wurde. Seth Rogen gibt den Hauptakteur Ben Stone und springt immer zwischen großer Teddybär und hilfloser Taugenichts umher, der trotz seiner oft vulgären Art immer sympathisch ist. Mit Katherine Heigl, die als Alison hier wohl ihre beste Karriereleistung abliefert, hat Rogen den genau richtigen Gegenpart, der die nötige Seriosität in die Beziehung bringt und sich gekonnt mit Rogen die Bälle zuspielt. Wenn man sich dann noch anschaut, wer in den Nebenrollen besetzt, dann darf man schon mal ein freudiges Grinsen aufsetzen: Paul Rudd, Jason Segel, Jay Baruchel, Jonah Hill, Martin Starr, Ken Jeong und Leslie Mann. Eine tolle und runde Besetzung.

Wenn der einmalige Spaß im Bett plötzlich schwerwiegende Folgen mit sich bringt. Eine Situation, die man wohl niemandem wünscht und doch ist sie auf einiges Verschulden zurückzuführen. In „Beim ersten Mal“ geht es eben genau um diese Extremsituation, in der zwei Fremde im Bett landen und eine ungeplante Schwangerschaft das Endprodukt der gemeinsamen Stunden unter reichlich Alkoholeinfluss ist. Wie Judd Apatow diese Geschichte erzählt und in gut zwei Stunden, in denen keine einzige Minute langweilig ist, entfaltet, ist nicht nur komödiantische Unterhaltung der lustigsten Sorte, sondern auch ein ehrlicher Film über Beziehungen, Fehler und das Schicksal. Sicher zielt „Beim ersten Mal“ auch mal die Region unter dem Gürtel, doch Apatow schafft es dennoch seine Inszenierung nie auch nur im Ansatz in eine niveaulose Richtung gleiten zu lassen. Ein unbeholfener Kiffer und eine bodenständige Karrierefrau müssen miteinander auskommen und verändern ihr Leben nicht nur durch das kommende gemeinsame Kind, sondern auch durch die eigene Gegensätzlichkeit, die beide überwinden wollen, aber immer wieder an den klaren Unterschieden scheitern. „Beim ersten Mal“ wird zu einem Film voller Wahrheiten und Harmonie, ein Beziehungsfilm zum Wohlfühlen zum Lachen und mit viel Herz. Gag reiht sich gekonnt an Gag, ohne angestrengt zu wirken und die Natürlichkeit Apatows ist nicht nur erfrischend ruhig, sondern auch wirklich hochklassig. Würden Komödien aus Hollywood doch immer so aussehen.

Bewertung: 8/10 Sternen