"Besser geht’s nicht" (USA 1997) Kritik – Jack Nicholson verabscheut alles und jeden

„Komm rein und versuch nicht alles zu versauen, indem du bist, wie du bist!“

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Nicht selten frag man sich wirklich, was in den Köpfen der Academy Jury vor sich geht, die alljährlich die verschiedensten Kategorien mit dem begehrten Oscar auszeichnen und die ganze Welt zum Mitfiebern einladen. Hier wird bestimmt, wer den Preis des beste Hauptdarsteller verdient hat, oder welcher Kurzfilm in diesem Jahr an der Spitze steht. Das man sich jedoch nicht von den Oscars in Wort reden lassen sollte und jeden Wert auf den Goldjungen verlegen, das verdeutlicht schon der Rückblick in die Vergangenheit, denn weder Sergio Leone konnte einen Oscar entgegennehmen, und der hat mit Werken wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Es war einmal in Amerika“ zwei mehr als würdige Vertreter in die Welt geschickt, noch wusste man Leute wie Rainer Werner Fassbinder oder Jean-Pierre Meville zu berücksichtigen, aber bei dieser Verleihung herrschen ganz eigene Gesetze. Ein kleiner Skandal ist auch, und das liegt noch nicht lange zurück, das „Brokeback Mountain“ 2006 im Kampf um die Trophäe in der Kategorie des Besten Film gegen das Kitschmachwerk „L.A. Crash“ verlor. Manchmal erweisen sich auch schon Nominierungen als unverständlich, wie zum Beispiel bei James L. Brooks Tragikomödie Besser geht’s nicht, aus dem Jahre 1997, der für ganze 7 Nominierungen bekam darunter Bester Film und Beste Regie, und 2 Statuen abstauben konnte.

Melvin ist alles andere als ein umgänglicher Zeitgenosse, denn der Schriftsteller hasst eigentlich alles, vom Homosexuellen bis zum Schwarzen, und hat dazu noch einige Zwangsneurosen, die sich nicht nur in seinem Waschzwang ausdrücken. Und wer denkt, Melvin würde seine Verachtung für sich behalten, der hat sich getäuscht, denn ihm ist es egal, was andere Menschen von ihm halten und lässt seine ganze Wut auch mal im vollbesetzten Restaurant raus, in dem er jeden Morgen frühstückt und Gästen gewaltig auf die Nerven geht, mit seiner unverschämten Art. Als sein homosexueller Nachbar Simon brutal verprügelt wird, muss Melvin seinen kleinen Hund hüten und schafft es immer mehr, über seinen eigenen Schatten zu springen und den Hundehass mal beiseite zu legen. Auch die Kellnerin Carol, die einen kranken Sohn hat, zieht das Interesse von Melvin auf sich und die Beiden kommen sich nach und nach immer näher und Melvin scheint sich doch noch zu bessern…

„Besser geht’s nicht“ wäre nicht halb so viel wert, wenn er nicht auf seinen hervorragenden Hauptdarsteller zurückgreifen könnte: Jack Nicholson. Und Nicholson zeigt sich als pöbelnder Kotzbrocken Melvin in seiner Paraderolle und kann beim schreien, toben, fluchen so richtig aufdrehen. Dass Nicholson auch den Oscar für den Besten Hauptdarsteller entgegennehmen durfte, ist wohl dennoch etwas zu viel, gerade in Anbetracht seiner klar gestrickten Rolle, die er aber dennoch grandios verkörpert. Nicholson besitzt einfach diesen unverkennbaren Charme, der sich einmalig mit seiner exzellenten Mimik verknüpft und so das Maximum seiner darstellerischen Fähigkeiten herausholen kann. Den weiblichen Hauptpart übernimmt Helen Hunt, die ebenfalls mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, und gibt als Carol eine Frau, die ihr Leben für ihren Sohn opfert und ihre eigenen Bedürfnisse zunehmend vergisst. Hunt ist sicher eine gute Darstellerin, auch als Carol weiß sie zu überzeugen, doch eine Großleistung ist das hier kein Stück. Zum einen wird ihr natürlich die Show von Nicholson gestohlen und zum anderen will das Leinwandpaar nicht harmonieren, was auch an dem großen Altersunterschied von fast 30 Jahren liegt. Greg Kinnear zeigt als schwuler Maler Bishop ebenfalls eine starke Leistung, auch wenn seine Rolle etwas oberflächlich geraten ist, genau wie Cuba Gooding junior als Freund Sachs, der nicht viel Spielraum bekommt, diesen aber gekonnt nutzt.

„Besser geht’s nicht“ als eine der standardisierten romantischen Komödien, mit etwas tragischen Zusatz zu bezeichnen, wäre etwas zu harsch ausgedrückt, doch im Großen und Ganzen trifft diese Äußerung im Kern schon zu. Ein Ekelpaket der Extraklasse baut eine Beziehung zu einem süßen Hund auf, lernt aber nicht, seine extreme und feindselige Art abzulegen, bis er auch der Kellnerin Carol näherkommt und sich nicht nur um ihren kranken Sohn kümmert, sondern sich auch für sie ganz ändern will, um endlich ein guter Mensch zu werden. Das klappt natürlich nicht auf Anhieb und Melvin kann auch seine Neurosen nicht ablegen, doch die Liebe überwindet schließlich alles. Als Zuschauer kann man sich in „Besser geht’s nicht“ schnell ausmalen, woher der Hase läuft und wie das Treiben enden wird, obwohl man natürlich zugeben muss, das das ganze Geschehen hier nie langweilig ist, was eben ganz besonders am wunderbaren Jack Nicholson liegt, der nach Herzenslust auf den Putz haut. Allerdings kann James L. Brooks Inszenierung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte selbst immer wieder im Bereich der Belanglosigkeit treibt, was sich auch dadurch bemerkbar macht, das der Film eine Länge von 138 Minuten hat und die ein oder andere Langatmigkeit mitbringt, die zwar abschüttelt werden kann und nicht wirklich schmerzt, aber dem Zuschauer nicht gänzlich aus dem Gedächtnis vertrieben wird. „Besser geht’s nicht“ ist einfach nette Unterhaltung für zwischendurch, die die Genremuster auskostet und den vorhersehbaren Weg ins Ziel findet, ohne den Zuschauer damit aber zu Beleidigen oder auf die Nerven zu gehen.

Fazit: Besser geht’s nicht? Aber hallo. James L. Brooks tragikomische Liebesgeschichte erweist sich als nette Unterhaltung für einen verregneten Sonntag, doch ist meilenweit von einem Meisterwerk entfernt, denn „Besser geht’s nicht“ hat bis auf einen wirklich tollen Jack Nicholson nichts Besonderes in petto. Man darf mal lachen, man darf schmunzeln und sich sanft vom zuweilen oberflächlichen und belanglosen Geschehen berieseln lassen, jedoch sollte man keinen wirklichen Tiefgang oder ansprechende Denkanstöße erwarten, die auch noch nach dem Ende beschäftigen. „Besser geht’s nicht“ kann man sich sicher mal anschauen, denn schlecht ist der Film lange nicht, doch man sollte die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, denn sonst ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Bewertung: 6/10 Sternen