Die besten Filme 2013: Conrad stellt seine Top-20 vor!

Autor: Conrad Mildner

nullDer Großteil der obligatorischen Jahreslisten ist bereits an uns vorbei gezogen. Etwas später, aber sicherlich nicht schlechter, präsentieren nun die Autoren von Cinema Forever ihre Lieblinge des Jahres. Dafür reicht uns nicht nur eine Top-20, sondern es werden auch noch Preise verliehen. Die Oscar-Saison ist ja bereits eröffnet. Da darf also mit Awards locker um sich geworfen werden. Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Ausblick auf das Kinojahr 2014, wo ich euch verraten werde, auf welche Filme ich mich am meisten freue. Na dann mal ran an die Buletten!

Im großen und ganzen gab es dieses Jahr viel zu entdecken. Ich habe eine Menge Filme gesehen, um mir auch möglichst ein breites Bild des aktuellen Kinogeschehens machen zu können. Leider haben es viele gute Filme nicht nach Deutschland ins Kino geschafft. Manche Meisterwerke erschienen sogar nur auf DVD. Andere wurden gar nicht erst hier veröffentlicht. Die Kinopolitik bleibt ein Kampffeld und es braucht viel Kraft, um nicht nur am Mainstream kleben zu bleiben, der ja ganz besonders dieses Jahr kommerziell enttäuschte. Noch nie zuvor sind so viele Blockbuster an den Kinokassen gescheitert und während z.B. der tolle „Pacific Rim“ bei uns unterging, reüssierten US-Komödien wie „Kindsköpfe 2“. Wunderbarerweise vollführte der experimentelle Blockbuster „Gravity“ einen schwerelosen Höhenflug am Boxoffice. Das Blockbuster-Kino ist also immer noch zu wahren Filmperlen fähig. Auf Festivalebene ging natürlich auch gehörig die Post ab. „Blau ist eine warme Farbe“ triumphierte mit Preisen und Skandälchen. Dazu kam ein auffälliger Siegeszug von Dokumentarfilmen. Ob „The Act of Killing“, „Blackfish“, „Das fehlende Bild“, „Stories We Tell“ oder „Leviathan“, keine Jahresliste kam am Ende ohne eine Dokumentation aus. Eine grandiose Wendung für die Vielfalt des Kinos! Es gab natürlich auch reichlich Enttäuschungen. Ganz besonders „Only God Forgives“ von Fanliebling Nicolas Winding Refn legte eine peinliche Bauchlandung hin. Harmony Korines Mainstream-Ausflug „Spring Breakers“ zeigte Refn dagegen, wo der Frosch die neonfarbenen Locken hat und ließ eine Gruppe College-Girls den amerikanischen Traum jagen („Spring Break forever!“). Andere Jugendliche und Twentysomethings hatten mehr Probleme ihre Träume zu verwirklichen: Ob Greta Gerwig als etwas unbeholfene Tänzerin im schönen „Frances Ha“ oder Douglas und Gilles in den sich sehr ähnlichen Zeitpanoramen „Not Fade Away“ und „Die wilde Zeit“. Zu guter Letzt und das muss vermerkt werden, war das Kinojahr 2013 auch ein großes Jahr der Liebe. Selten gab es so viele romantische Paare auf der Leinwand zu sehen. Ob körperlich wie in „Der Geschmack von Rost und Knochen“, sinnlich wie in „To The Wonder“, verspielt wie in „Take This Waltz“, brutal ehrlich wie in „Silver Linings“ oder einfach nur funkelnd dramatisch wie in „Liberace“. 2013 war jedenfalls für mich ein vielseitiges und spannendes Filmjahr. Ja, ich kann es kaum erwarten die Meisterwerke von morgen zusehen.

Hier sind aber erstmal meine zwanzig liebsten Filme des Jahres!

20. Computer Chess

nullvon Andrew Bujalski, mit Wiley Wiggins und Patrick Riester

Dieser irrwitzige und experimentelle Trip ins Reich vorsintflutlicher, künstlicher Intelligenz ist ein kleines Juwel.

19. The We and The I

nullvon Michel Gondry, mit Joe Mele und Meghan Murphy

Anders als Gondrys zweiter Film in diesem Jahr „Der Schaum der Tage“ ist dieser kleine Film geradezu dokumentarisch und dennoch ein lebhaftes Porträt von Jugendlichen aus der Bronx.

18. Sightseers – Killers on Tour

nullvon Ben Wheatley, mit Alice Lowe und Steve Oram

Diese britsche Bonnie-und-Clyde-Variation erinnert in ihren besten Momenten an das genialische Kino eines Nicolas Roeg.

17. Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel

nullvon Aron Lehmann, mit Robert Gwisdek und Jan Messutat

„Dogville“ im bayrischen Ödland: Eine wunderbar verspielte Ode an das Kino und Robert Gwisdek fesselt als manisches Alter-Ego des Regisseurs.

16. Kid-Thing

nullvon David Zellner, mit Sydney Aguirre und Nathan Zellner

In diesem Indie-Drama folgen wir den Alltagsabenteuern der vernachlässigten, kleinen Annie, die im Wald plötzlich auf den Teufel höchstpersönlich trifft.

15. The Act of Killing (Director’s Cut)

nullvon Christine Cynn, Joshua Oppenheimer und Anonymous

Die zurecht am meisten diskutierte Dokumentation des Jahres ist eine minutiöse Aufarbeitung ungesühnter Verbrechen an der Menschlichkeit nach dem Mausefalle-Prinzip aus Shakespeares Hamlet.

14. Silver Linings

nullvon David O. Russell, mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper

Das „Dirty Dancing“ unserer Tage kann nur eine chaotische Verquickung psychischer Neurosen und romantischer Überforderung sein.

13. Wrong

nullvon Quentin Dupieux, mit Jack Plotnick und William Fichtner

Nach „Rubber“ kam der nächste surreale Hammerschlag Dupieuxs, der sich dadurch ganz postmodern als neuer Luis Buñuel empfiehlt.

12. Take This Waltz

nullvon Sarah Polley, mit Seth Rogen und Michelle Williams

Nichts anderes als der bunteste, romantischste und ehrlichste Liebesfilm des Jahres. Von Sarah Polley dürfen wir noch großes erwarten.

11. Liberace

nullvon Steven Soderbergh, mit Michael Douglas und Matt Damon

Der schwulste Mainstreamfilm des Jahres brillierte als Fernseh- und Kinofilm zugleich, inklusive oscarreifer Performances von Douglas und Damon.

10. Tore tanzt

nullvon Katrin Gebbe, mit Julius Feldmeier und Sascha Alexander Gersak

Tore ist reinen Glaubens und Benno verkörpert, besonders im System des Horrorfilms, das Urböse. Dank der Besetzung von Julius Feldmeier und Sascha Alexander Gersak behält diese Allegorie stets ihre Bodenhaftung. Die Liebäugelei zwischen Arthouse-Drama und Genrefilm verkürzt letztendlich die Distanz des einen und verwischt den Eskapismus des anderen. Übrig bleibt ein wütender, grübelnder Film mit hämmerndem Soundtrack und lauten Bildern; eben keine „Berliner Schule“, sondern der leibhaftige Tanz der Teufel.

9. Spring Breakers

nullvon Harmony Korine, mit James Franco und Selena Gomez

Die Ironie ist ein ständiger Begleiter und auch wenn „Spring Breakers“ ebenso mühelos als kommerzieller Partyfilm lesbar ist, der satirische Grundton ist kaum zu überhören. Plakativ bis zum geht-nicht-mehr eignet sich der Film die abgenudelten Teen-Träume des MTV-Fernsehens an, verkürzt die Phrasen seiner Figuren auf die Twitter-Länge von 140 Zeichen und retweetet sie in Warhol’scher Tradition bis zum Erbrechen.

8. Trance – Gefährliche Erinnerung

nullvon Danny Boyle, mit James McAvoy und Rosario Dawson

Das Abbild in all seinen Ausformungen verknüpft „Trance“ mit einem aufregenden Thriller-Konstrukt, das sich im Zuge des zunehmenden Wahnsinns der Hauptfigur stetig auflöst. An künstlerischer Kohärenz ist Boyle letztendlich nicht gelegen. Viel eher spürt man die Lust und Laune des ganzen Teams am filmischen Fabulieren des waghalsigen Plots, der durch seine motivische Dichte aus Noir-ismen und anderen kulturhistorischen Elementen ein unfassbares Eigenleben entwickelt. Wenn Simon, als Verweis auf Goyas nackte Maya, Elizabeth anhand ihres rasierten Intimbereichs (wieder)erkennt, dann weiß auch das geübte Feuilleton nicht mehr, ob es lachen oder applaudieren soll.

7. Berberian Sound Studio

nullvon Peter Strickland, mit Tonia Sotiropoulou und Toby Jones

Toby Jones verkörpert den britischen Sounddesigner Gilderoy, der in den Siebzigern nach Italien geladen wird, um dort die Vertonung eines Horrorfilms zu übernehmen. Peter Stricklands, an das frühe Kino Roman Polanskis angelehnter, „Berberian Sound Studio“ verlegt die bildhafte Filmsprache des Giallo in die dunklen Tiefen der Tongestaltung. Der Film, den Gilderoy bearbeitet, bekommen wir nie zu Gesicht. Stattdessen dreschen Collagen aus Geräuschen auf uns ein und auf der Bildebene erforscht die Kamera die Reaktionen der Figuren auf den grausamen Film. Eine seltsame Asynchronität beginnt zu wuchern. Was klanglich unmittelbar bei uns ankommt, wird umso bewusster visuell kodiert. „Berberian Sound Studio“ ist ein experimenteller Horrorfilm und eine filmische Studie des Wahnsinns.

6. The Master

nullvon Paul Thomas Anderson, mit Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman

In einer herausragenden Sequenz muss Freddie immer wieder von einem Fenster auf der einen zu einer Wand auf der anderen Seite des Raums laufen und beschreiben wie sich die Oberflächen anfühlen. Er muss ebenso seine Biografie und seine verborgenen Gefühle offenlegen. Dodds Frau versucht ihn derweil zu de-hypnotisieren, allerdings mit dem gegensätzlichen Ergebnis. All diese Szenen setzt Anderson in einer äußerst dynamischen Montage zusammen, die in ihrer Form fast aus dem Film herauszufallen droht, doch Jonny Greenwoods elegische Musik und die kraftvollen Bilder schaffen es nicht nur den unerbittlichen Sog solch einer Sekte begreifbar zu machen, sondern sie lassen uns auch hinter diese enigmatische Kraft blicken. Das Kino nutzt ja ähnliche Verführungsmechanismen, eine Mischung aus Wiederholungen und Brüchen, die uns genau dann weinen, lachen und aufschreien lassen, wenn es so sein soll.

5. Gravity

nullvon Alfonso Cuarón, mit Sandra Bullock und George Clooney

Kein Film zuvor hat auf eine so unsichtbare Weise Live-Action und CGI zusammengeführt. Die Nähte sind verschwunden und auch nur dadurch laden selbst animierte Plansequenzen zum Staunen ein. Es wird klar was mit Computern möglich ist; das sie wirklich das Vermögen haben „handgemachte“ Inszenierungen zu übersteigen und dennoch Platz für echte Schauspieler_innen bleibt.

4. Der Geschmack von Rost und Knochen

nullvon Jacques Audiard, mit Marion Cotillard und Matthias Schoenaerts

Die risikohafte Liebesgeschichte, die leicht in einem Meer aus Klischees ertrinken hätte können, erzählt Audiard äußerst geradlining und unvorhersehbar, eben weil wir die Figuren den ganzen Film über erst kennen lernen. Wir nähern uns ihnen so wie sich einander nähern. Liebe ist halt ein Prozess, der erst zum Schluss an die Oberfläche tritt und die Oberfläche ist das Ziel aller Audiard-Filme. Selten ist Kino so kraftvoll und schön, sentimental und gewalttätig zugleich.

3. The Innkeepers

nullvon Ti West, mit Sara Paxton und Pat Healy

„The Innkeepers“ ist ein zutiefst trauriger und melancholischer Film, kein typischer Horror nach Schema F mit parodistischen Splatter-Einlagen und dümmlichen Plot-Twists. Der Tod hat hier nichts von seiner zerstörerischen Kraft verloren, und dass diese scheinbar sogar von der Protagonistin selbst ausgeht, macht Ti Wests Film umso erschreckender. Ein guter Horrorfilm sollte uns eben immer die eigenen Ängste vor Augen führen. Die Furcht davor Selbstmord zu begehen gehört ebenso dazu. Daher passt „The Innkeepers“ so unmissverständlich in unsere Gegenwart, die Zeit der großen Depressionen. Menschen sterben durch eigene Hand und niemand spricht darüber.

2. Leviathan

nullvon Verena Paravel und Lucien Castaing-Taylor

Auch wenn „Leviathan“ spätestens gegen Ende komplettierende Totalen und statische Perspektiven sucht, die dem vorherigen Kamerastrudel aus Zeit und Raum zumindest Koordinaten der Orientierung verleihen, stürzt Paravels und Castaing-Taylors Dokumentation zum Schluss wieder in die unübersichtliche, kalt-nasse Dunkelheit des Ozeans, wo er schon begann. In diesem Kreislauf industrieller Fischerei und systematischer Schlachtung geht es dem Film weniger um eine lückenlose Beobachtung des Geschehens als vielmehr um dessen Abstraktion. Die kleinen, sehr weitwinkeligen Kameras sind physisch präsent und wie Fliegen scheinbar unsichtbar. Alle Lebewesen, ob Fische oder Menschen, werden durch sie hindurch gleich verzerrt wahrgenommen. Das wenige Licht treibt das Kamerarauschen in die Höhe, trotzdem versinkt vieles in Finsternis, Wasser und Blut. Konturen verschwimmen, neue Formen entstehen und Pixel werden zu Pinselstrichen. „Leviathan“ ist das lebendigste Stillleben, das Rembrandt nie gedreht hat.

1. Upstream Color

nullvon Shane Carruth, mit Amy Seimetz und Shane Carruth

Neun Jahre sind seit Shane Carruths preisgekröntem Debüt „Primer“ vergangen. Der No-Budget-Kultfilm über zwei Ingenieure, die durch Zufall eine Zeitmaschine erfinden, ist immer noch einer der kompliziertesten Filme, die man sich anschauen kann und auch „Upstream Color“ steht dem in nichts nach, obwohl sich beide Filme sehr stark unterscheiden. Während „Primer“ äußerst streng und distanziert seine Geschichte erzählte, gleitet das Publikum fließend durch den neuen Film des ehemaligen Programmierers, der wieder einmal nicht nur für Regie und Drehbuch verantwortlich war, sondern auch für die Produktion, den Schnitt, die Musik, die Kamera und die Hauptrolle. „Upstream Color“ erzählt seine Geschichte ausschließlich in schnell geschnittenen und elliptischen Sequenzen, denen die Einheit von Raum und Zeit schlicht fremd sind. Dabei erreicht Carruth im Gegensatz zu „Primer“ eine viel größere emotionale Sogkraft, was auch an der wunderbaren Amy Seimetz liegt. In vielen Reviews zum Film reichen die postmodernen Vergleiche von Terrence Malick über David Lynch bis hin zu Cronenberg. Wirklich zutreffend ist keiner von ihnen. „Upstream Color“ ist, wie schon „Primer“, ein Film, den man sich öfter anschauen sollte. Die Eindrücke werden immer wieder anders sein.

Kommen wir nun zur Preisverleihung. Welche Filme aus diesem Jahr können welche Trophäe nach Hause mitnehmen?

Meine CinemaForever-Awards 2013

Beste Darstellerin: Amy Seimetz in „Upstream Color“

null

Indie-Star und Filmemacherin Amy Seimetz spielt Kris mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit. Auch wenn man den ganzen Film über nichts von dem versteht, was da auf der Leinwand vor sich geht, ein Blick in Seimetzs Gesicht reicht völlig aus.

Bester Darsteller: Simon Pegg in „The World’s End“

null

Viele würden an dieser Stelle so jemanden wie Joaquin Phoenix und dessen Leistung in „The Master“ erwarten, aber wirklich überrascht hat mich dieses Jahr nur Simon Peggs irrwitzige und dennoch ergreifend dramatische Performance in Edgar Wrights elegischem Trilogie-Abschluss „The World’s End“. Schade, dass solche Filme nie für die Oscars in Betracht gezogen werden.

Lieblingsszene des Jahres: Die „Everytime“-Montage in „Spring Breakers“

Ohne Worte: Spätestens ab dieser Szene wussten die meisten Zuschauer_innen, dass „Spring Breakers“ kein gewöhnlicher Teenie-Tripfilm ist und ganz nebenbei inszenierte Harmony Korine auch das beste Britney-Spears-Video aller Zeiten.

Beste Bildgestaltung: „Gravity“ (Kamera: Emmanuel Lubezki)

null

Die lückenlose Synthese digitaler Bilder ist im tiefsten Sinne ein kinematografischer Kraftakt, der dank Emmanuel Lubezki mit visionärer Grandezza gelungen ist und „Gravity“ erst dadurch zum filmischen Meisterwerk werden lässt.

Größte Überraschung: „Room 237“ von Rodney Ascher

null

Stanley Kubricks „Shining“ als Denkfabrik: Zu welchen abstrusen, genialen und beeindruckenden Deutungen Filme einladen können, demonstriert dieser Essayfilm auf eine beispiellose Art und Weise.

Newcomer/in des Jahres: Katrin Gebbe (Regie: „Tore tanzt“)

null

Ausgebuht werden auch nicht alle Filme in Cannes und was gibt es besseres für eine frische Regisseurin als Zweifel und Anstößigkeit.

Beste Retrospektive: „Jurassic Park“ (3D) von Steven Spielberg

null

Steven Spielbergs Dino-Klassiker bleibt auch in 3D eine atemlose Achterbahnfahrt und ein Meilenstein des Hollywoodkinos. Welcher heutige Blockbuster könnte auch nur ansatzweise damit konkurrieren?

Lobende Erwähnung: „To The Wonder“ von Terrence Malick

null

Alle Assoziationen sind möglich. Kein Gedanke, kein Gefühl ist vergebens. Wer bei Malicks kitschigen Off-Texten die Augen rollt und bei Lubezkis Kameraführung an einen Parfümwerbespot erinnert wird, hat allenfalls eine andere Brücke über die kilometertiefen Gräben zwischen den Bildern gefunden als jemand, der in Malicks Bilderrausch ein weiteres Meisterwerk vermutet. Ohne Frage hat der amerikanische Filmemacher im Zuge seiner neu belebten Produktivität zu einer gänzlich singulären und originellen filmischen Form gefunden. So aufregend zwiespältiges Kino bekommt man selten von einem Siebzigjährigen zu sehen

Größte Enttäuschung: „Only God Forgives“ von Nicolas Winding Refn

null

Wo vor über einem Jahr noch ein großes Publikum fasziniert dem stoischen Blick Ryan Goslings folgen konnte, hat nun endgültig die bloße Leere das Ruder übernommen. Wahrscheinlich kommt man nicht drumherum die Qualitäten von „Drive“ als allererstes beim Drehbuch von Hossein Amini zu suchen, denn was passiert, wenn Refn freihändig nach eigenem Script dirigiert, hat nichts mehr mit kluger, dynamischer Entschleunigung zu tun. Exemplarisch zeigt sich ebenso, dass viele gute Köche keinen leckeren Brei zaubern können, jedenfalls nicht ohne ordentliches Rezept oder einen fähigen Chefkoch. Larry Smiths Fotografie, im Angesicht schierer Bewegungslosigkeit kann man schwer von Kinematografie sprechen, ist betörend, oftmals roh und doch malerisch, was auch dem tollen Szenenbild Beth Mickles zu verdanken ist. Die Musik von Cliff Martinez übertrifft seine Arbeit an „Drive“ sogar. Und trotzdem will aus all diesen funkelnden Einzelteilen kein strahlendes Ganzes werden, da Regie und Drehbuch scheinbar nichts zu erzählen haben und sich offenkundig auch damit begnügen.

Schlechtester Film des Jahres: „Hitchcock“ von Sascha Gervasi

null

Leider kann man „Hitchcock“ noch nicht mal als Einführung in sein Kino missverstehen. Der Film taugt zu nichts, trotz großer Namen vor und hinter der Kamera, allen voran Jeff Cronenweth, der eindringlich zeigt, dass er ohne David Fincher gerade einmal den Auslöseknopf an der Kamera findet. Mit Bildern wird hier nichts erzählt (Wir sind ja nicht in einem Hitchcock-Film!). Das übernehmen die simplen Dialoge für die Popcorn-mampfende Meute im Kino. Da darf dann auch mal gerne darüber gelacht werden, dass Hitch durch ein Loch in der Wand in die Frauenumkleide luschert, weil das Norman Bates ja auch in „Psycho“ so macht. Nur da ist es ein voyeuristischer Gewaltakt. Hier ist ein Joke, so wie alles in „Hitchcock“.

Und nun zum Abschluss erfahrt ihr meine meisterwarteten Filme des kommenden Jahres.

Meine Most-Wanted 2014

10. The Wind Rises

null

von Hayao Miyazaki, mit Emily Blunt und Stanley Tucci (US-Synchronisation)

9. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

null

von Bryan Singer, mit Michael Fassbender und Jennifer Lawrence

8. Queen of the Desert

null

von Werner Herzog, mit Nicole Kidman und James Franco

7. Under the Skin

null

von Jonathan Glazer, mit Scarlett Johansson und Paul Brannigan

6. Knight of Cups

null

von Terrence Malick, mit Christian Bale und Natalie Portman

5. Gone Girl

null

von David Fincher, mit Ben Affleck und Rosamund Pike

4. Interstellar

null

von Christopher Nolan, mit Matthew McConaughey und Anne Hathaway

3. Maps to the Stars

null

von David Cronenberg, mit Mia Wasikowska und Robert Pattinson

2. Nymphomaniac

null

von Lars von Trier, mit Shia LaBeouf und Charlotte Gainsbourg

1. Inherent Vice

null

von Paul Thomas Anderson, mit Joaquin Phoenix und Charlize Theron

In den nächsten Tagen werden noch weitere Top-Listen unserer Autoren folgen. Morgen erfahrt ihr alles über Philippes Filmperlen des Jahres. Ich verabschiede mich an dieser Stelle und wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Auf viele schöne Kinobesuche 2014!