Die besten Filme des Kinojahres 2013: Stefan stellt seine Top 20 vor

Autor: Stefan Geisler

Der Großteil der obligatorischen Jahreslisten ist bereits an uns vorbei gezogen. Etwas später, aber sicherlich nicht schlechter, präsentieren nun die Autoren von Cinema Forever ihre Lieblinge des Jahres. Dafür reicht uns nicht nur eine Top-20, sondern es werden auch noch Preise verliehen. Die Oscar-Saison ist ja bereits eröffnet. Da darf also mit Awards locker um sich geworfen werden. Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Ausblick auf das Kinojahr 2014, wo ich euch verraten werde, auf welche Filme ich mich am meisten freue. Na dann mal ran an die Buletten!

Das Kinojahr 2013 neigt sich dem Ende entgegen. Bester Zeitpunkt also um die cineastischen Höhepunkte noch einmal gebührend zu feiern. Für mich persönlich war 2013 ein Kinojahr der Superlativen, denn ich persönlich konnte mich über viele gelungene Blockbuster freuen, bei denen das Konzept „höher, schneller, weiter“ voll aufging. Während in „Man of Steel“ und „Pacific Rim“ atemberaubende Materialschlachten auf der Leinwand zelebriert wurden, bewies „Iron Man 3“, dass auch ein Blockbuster Köpfchen haben und seine Zuschauer durchaus fordern kann, während bei „Thor 2“ Erinnerungen an das unterhaltsam-kurzweilige Superhelden-Zusammentreffen „Marvels The Avengers“ wachgerufen wurden. Doch genug von den millionenschweren Blockbustern, denn auch abseits des Mainstreams gab es dieses Jahr wieder eine Menge fantastischer Filme zu entdecken. Neben neuen Werken von altbekannten Regie-Größen (Coens, Boyle, Bigelow), konnten dieses Jahr auch einige Regie-Newcomer eindrucksvoll ihren Einstand feiern. So zum Beispiel Nat Faxon, der mit „Ganz weit hinten“ eine wunderbar belebende Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen weiß, oder die saudi-arabische Regisseurin Haifaa Al-Mansour, die mit ihrem Film „Das Mädchen Wadjda“ einen wichtigen Schritt zur kulturellen Entwicklung ihres Landes beigetragen hat („Das Mädchen Wadjda“ ist der erste Film in Saudi-Arabien, der von einer Frau gedreht wurde).

Natürlich hielt auch das Kinojahr 2013 einige Enttäuschungen parat. Neben „Star Trek Into Darkness“ und Refns Gewalt-Oper „Only God Forgives“, die man sich zwar beide anschauen konnte, aber letztlich doch einen faden Nachgeschmack hinterließen, schmerzten besonders James Wans „Insidious: Chapter 2“, der erneute Solo-Auftritt des grummeligen Mutanten Wolverine in „Wolverine: Weg des Kriegers“ oder John McClanes qualvolles Dahinvegetieren in „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ – Es wäre schön, wenn bei dieser Reihe einfach mal jemand den Stecker ziehen könnte…
Trotz einiger Ausfälle war das Kinojahr 2013 für mich überwiegend positiv geprägt und deshalb möchte ich euch meine Top 20 nicht vorenthalten:

Platz 20: „The Broken Circle“

nullvon Felix Van Groeningen, mit Veerle Baetens und Johan Heldenbergh

Packendes Drama von Felix Van Groeningen, das mit einem wunderbar melancholischem Bluegrass-Soundtrack und fantastischen Darstellern überzeugen kann.

Platz 19: „Die Monster Uni“

nullvon Dan Scanlon, mit John Goodman und Billy Crystal

Natürlich lange nicht so genial wie sein Vorgänger, dennoch ist „Die Monster Uni“ besonders für Freunde von College-Komödien ein absolutes Muss. Go Monsters!

Platz 18: „Wrong“

nullvon Quentin Dupieux, mit Jack Plotnick und William Fichtner

Dass der französische Musiker/DJ Quentin Dupieux wohl zu den unkonventionellsten Filmemachern unserer Zeit gehört, stellt er mit „Wrong“ ein weiteres Mal unter Beweis. Diesmal stehen zwar keine übernatürlichen Reifen im Mittelpunkt des Geschehens, dennoch ist „Wrong“ nicht weniger eigen. Großartig inszeniert, stellenweise leicht verstörend und dennoch unheimlich witzig – Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Film des französischen Ausnahmekünstlers.

Platz 17: „Paradies: Hoffnung“

nullvon Ulrich Seidl, mit Melanie Lenz und Michael Thomas

Ulrich Seidls Abschluss der Paradies-Trilogie ist ein erfrischend ehrlicher Coming-of-Age Film. Seidl zeigt Teenies Im Hormonrausch: Konfus, irrational und schrecklich naiv.

Platz 16: „Trance – Gefährliche Erinnerung“

nullvon Danny Boyle, mit James McAvoy

Danny Boyle meldet sich mit dem durchgeknallten Thriller „Trance“ gewohnt eindrucksvoll zurück.
„Trance – Gefährliche Erinnerung“ ist ein brillant bebilderter Psycho-Thriller, von dem ein fast hypnotischer Sog ausgeht. Dass der Film trotz kleinerer Drehbuchschwächen letztendlich doch überzeugen kann, liegt aber nicht nur an Boyles großartiger Arbeit sondern auch an James McAvoys wahnsinniger Performance, der sich in einigen Szenen wirklich um Kopf und Kragen spielt 😉

Platz 15: „Spring Breakers“

nullvon Harmony Korine, mit James Franco und Selena Gomez

In „Spring Breakers“ entzaubert Regisseur Harmony Korine das amerikanische Nationalheiligtum Spring Break und enttarnt diese grenzdebile Veranstaltung als überholten Initiationsritus, der fernab aller Regeln und Normen als Grauzone innerhalb der amerikanischen Prüderie existiert.

Platz 14: „Silver Linings“

nullvon David O. Russell, mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper

Feel-Good-Movie mit Topbesetzung, das zu keinem Zeitpunkt mehr sein will. Herrlich erfrischende Kino-Kost fürs Herz 😀

Top 13: „Thor: The Dark Kingdom“

nullvon Alan Taylor, mit Chris Hemsworth und Tom Hiddleston

Bombastisches Effektegewitter mit ordentlich Witz, Wums und einem wahnsinnig charismatischen Cast, das Erinnerungen an das kurzweilige Superhelden-Zusammentreffen „Marvels The Avengers“ wach werden lässt und beweist, dass sich Marvels Comic-Offensive noch nicht totgelaufen hat.

Top 12: „The Place Beyond the Pines

nullvon Derek Cianfrance, mit Ryan Gosling und Bradley Cooper

Der Aufstieg und Fall des Avery Cross: Für sein Episodendrama „The Place Beyond the Pines“ konnte der „Blue Valentine“-Regisseur Derek Cianfrance neben Ryan Gosling, der in gewohnter „Drive“-Manier auftreten darf, auch Bradley Cooper, Eva Mendes und Newcomer Dane DeHaan vor die Kamera bekommen. „The Place Beyond the Pines“ ist ein hochgradig emotionales und ungewohnt vielschichtig Drama, das auch nach mehrfachen schauen nichts von seienr Dramatik verliert.

Top 11: „Man of Steel

nullvon Zack Snyder, mit Henry Cavill und Amy Adams

Zack Snyders „Man of Steel“ ist der Film, auf den Superman-Fans viel zu lange gewartet haben. Endlich hat der blau-rote Schlüpferträger sein Pfadfinder-Image abgelegt und darf auch mal richtig austeilen, schließlich geht es hier um die Rettung der gesamten Menschheit. Superman im post 9/11-Gewand ist nicht nur ein eindrucksvolles CGI-Spektakel, sondern macht auch Hoffnung auf die JLA.

Top 10: „The Innkeepers

nullvon Ti West, mit Sara Paxton und Pat Healy

Ti West macht wieder Lust aufs Horror-Genre: „The Innkeepers“ ist ein klassischer Haunted-House-Grusler der alten Schule, der besonders durch seine schräge, angespannte Grundstimmung punkten kann. Bei uns leider nur direkt auf DVD erschienen, für Freunde des subtilen Horrors aber auf jeden Fall ein echter Geheimtipp.

Platz 9: „The Master

nullvon Paul Thomas Anderson, mit Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman

Ein Sektendrama ohne moralischen Zeigefinger? Ist das überhaupt möglich? Ja, denn Paul Thomas Anderson hat dieses Kunststück mit „The Master“ vollbracht, denn für den dümmlich-naiven Protagonisten Freddie Quell ist die Kultgemeinschaft sowohl Rettungsanker als auch Untergang. Zudem gehört Philip Seymour Hoffmans Performance als charmanter Sektenführer wohl zu dem Besten, was 2013 auf der leinwand zu sehen war.

Platz 8: „Django Unchained

nullvon Quentin Tarantino, mit Jamie Foxx und Christoph Waltz

Tarantino dreht einen typischen Tarantino. Der Ausnahme-Regisseur liefert das ab, was man von ihm erwartet und macht gerade deswegen so viel richtig: Knackigen Dialoge, blutige Gefechte, ein großartiger Soundtrack und ein wahnsinniger Leonardo DiCaprio – Südstaaten-Drama goes Tarantino und das Resultat ist ein verdammt schießfreudiges Zitate-Potpourri.

Platz 7: „Iron Man 3

nullvon Shane Black, mit Robert Downey Jr. und Gwyneth Paltrow

„Zero Dark Thirty“ im Blockbuster-Format: Regisseur Shane Black beweist, dass Blockbuster nicht zwangsläufig dummes Unterhaltungskino sein müssen. „Iron Man 3“ arbeitet geschickt das amerikanische 9/11-Trauma auf, Osama bin Laden, Selbstmordattentäter und Folterskandal inklusive, ist daneben aber auch ein verdammt unterhaltsamer Comic-Actioner.

Platz 6: „Zero Dark Thirty

nullvon Kathryn Bigelow, mit Jessica Chastain und Jason Clarke

Ich kann mit den Frühwerken der Regisseurin recht wenig anfangen, doch ihre letzten beiden Filme („The Hurt Locker“, „Zero Dark Thirty“) konnten mich auf ganzer Linie überzeugen. Kathryn Bigelow packt schonungslos unangenehme Themen der jüngeren amerikanischen Geschichte ein und weiß diese in effektive Bilder zu hüllen. Besonderes Lob geht auch an die fantastische Leistung von Jessica Chastain, die als gnadenlose CIA-Agentin für mehr als einen Gänsehaut-Moment sorgt.

Platz 5: „Der Geschmack von Rost und Knochen

nullvon Jacques Audiard, mit Marion Cotillard und Matthias Schoenaerts

Der Beginn einer wunderbaren Liebesgeschichte: Der emotional verkümmerte Türsteher Alain trifft auf die schwer vom Leben gezeichnete Stéphanie. Das romantische Drama des französischen Regisseurs Jacques Audiard hätte leicht als Romantik-Kitsch enden können, doch „Der Geschmack von Rost und Knochen“ ist meilenweit entfernt vom üblichen Hollywood-Kitsch. Jacques Audiard beweist echtes Fingerspitzengefühl für seine Charaktere und erschafft lebende Personen und nicht nur leblose Hüllen auf der Leinwand. Selten gingen einem die Schicksale der Protagonisten so nahe und dazu trägt auch die herausragende Leistung des Schauspiel-Gespanns Marion Cotillard & Matthias Schoenaerts bei, die als außergewöhnliches Liebes-Duo das Publikum regelrecht zum Mitfühlen zwingen.

Platz 4: „La Grande Bellezza – Die große Schönheit

nullvon Paolo Sorrentino, mit Toni Servillo und Carlo Verdone

Paolo Sorrentino hat mit „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ eine herrlich kompromisslose Satire auf das süße Leben der italienischen Oberschicht in die Kinos gebracht und damit sich selbst nicht nur in die Oberliga der europäischen Regisseure katapultiert, sondern seinem Hauptdarsteller Toni Servillo wohl auch noch die beste Leistung seiner Karriere abgerungen.

Platz 3: „Inside Llewyn Davis

nullvon Ethan & Joel Coen, mit Oscar Isaac und Carey Mulligan

Wenn die Coen-Brüder einen Film in die Kinos bringen, gehe ich meist mit solch hohen Erwartungen in den Film, dass eigentlich jedes Werk der Regisseure von vornherein zum scheitern verurteilt ist und doch schaffen es die Regisseure mich immer wieder zu überraschen. Ungewohnt blass scheint der neue Coen-Film „Inside Llewyn Davis“ auf den ersten Blick und doch schlummert so viel mehr unter der Oberfläche. „Inside Llewyn Davis“ ist Sprachrohr einer ganzen Generation, bietet einen ehrlichen Einblick in die Folkszene der 60er Jahre und fasst treffend Freund & Leid des Künstlerdaseins zusammen.

Platz 2: „Der Schaum der Tage

nullvon Michel Gondry, mit Romain Duris und Audrey Tautou

In Michel Gondrys „Der Schaum der Tage“ lernen die Bilder sprechen, denn während andere Regisseure über einzelne Figuren oder gerissene Dialoge Inhalt vermitteln, lässt Gondry einfach das gesamte Setting für sich sprechen. Hier tanzen die Mäuse auf den Tischen und die Türklingeln müssen erst einmal eingefangen werden. Gondry spiegelt in der Außenwelt das Gefühlsleben seiner Charaktere wider und bringt somit die Magie der subjektiven Wahrnehmung in all ihrer Stärke auf die Leinwand.

Platz 1: „Die Jagd“

nullvon Thomas Vinterberg, mit Mads Mikkelsen und Thomas Bo Larsen

Thomas Vinterberg konnte mich bereits mit „Das Fest“ begeistern, mit dem thematischen Gegenstück „Die Jagd“ gelingt ihm das nun wieder. Mads Mikkelsen liefert hier wohl eine der besten Leistungen seiner Karriere ab und Vinterbergs lässt die Suche nach einem vermeintlichen Kinderschänder zu einer modernen Hexenjagd ausufern. Thomas Vinterberg zeigt, wie schnell eine Lüge ein Leben aus den Fugen reißen kann. In dieser Dorfgemeinschaft wird das Rechtssystem zur bloßen Behauptung, denn wie schnell ein Individuum in den Köpfen seiner Mitmenschen zum kinderverschlingenen Monster werden kann, wird in „Die Jagd“ unangenehm realistisch zur Schau gestellt.

Beste Darstellerin: Jessica Chastain in „Zero Dark Thirty“

nullBester Darsteller: Toni Servillo in „La Grande Bellezza“ – Die große Schönheit“

nullSchlechtester Film: „Olympus Has Fallen“ von Antoine Fuqua

nullGrößte Enttäuschung: „Only God Forgives“

nullGrößte Überraschung: „Feuchtgebiete“

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Stimmungsvollste Song-Compilation: ”Inside Llewyn Davis”

Lobende Erwähnung: „Justice League: The Flashpoint Paradox“

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DC Universe Animated Original Movies beweist immer wieder, dass gute Comic-Action nicht unbedingt ein dickes Budget braucht.

Lieblingsszene: Bradley Cooper über das Ende von Hemingways „In einem anderen Land“:

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Und nun zum Abschluss erfahrt ihr meine meisterwarteten Filme des kommenden Jahres.

Meine Most-Wanted 2014

10. „Far From the Madding Crowd“(Thomas Vinterberg)

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9. „Labor Day“ (Jason Reitman)

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8. „Gone Girl“ (David Fincher)

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7. „Her“ (Spike Jonze)

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6. „Inherent Vice“ (Paul Thomas Anderson)

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5. „Godzilla“ (Gareth Edwards)

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4. „American Hustle“ (David O. Russell)

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3. „Grand Budapest Hotel“ (Wes Anderson)

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2. „Guardians of the Galaxy“ (James Gunn)

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1. „12 Years a Slave“ (Steve McQueen)

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Ihr habt noch nicht genug von Bestenlisten und Jahresrückblicken? Dann schaut doch mal bei den Top-20 meiner Co-Autoren Conrad (HIER) und Philippe (HIER) vorbei.