"Blood Diamond" (USA 2006) Kritik – Blutiger Diamantenhandel in Sierra Leone

„Wenn du mein Leben noch einmal derart gefährdest, dann werde ich dir das Gesicht nach hinten über den Kopf ziehen.“

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Das uns heute bereits schon im Kindesalter eingeredet wird, wir müssten uns politisch engagieren und dem Staat bei seinen Entscheidungen folgen, um später vielleicht auch etwas zu bewirken und zu verändern zu können, ist mit Sicherheit nicht falsch. Gerade weil sich unzählige Bürger auf Aussagen stürzen wie: „Ich allein kann ja sowieso nichts bewirken.“ Wenn man sich nicht einsetzt oder auch mindestens wählen geht, dann kann man nichts erreichen, das stimmt, und wenn jeder zweite Mensch so denkt, dann wird es nie zu Veränderungen kommen, sondern nur zu größeren sinnlosen Aufständen der Bürger. Ebenso wichtig wie diese Auseinandersetzung mit der Politik, ist es auch, die Missstände aus anderen Ländern nähergebracht zu bekommen, und dazu können natürlich Filme und Dokumentationen mehr als behilflich sein. Das geht allerdings dann über Kriegsfilme, die natürlich genauso wichtig sind, wie „Apocalypse Now“, „Platoon“ und „Der schmale Grat“ hinaus, denn gemeint sind eher Werke wie „Hotel Ruanda“, „City of God“, „Der letzte König von Schottland“ und auch Edward Zwicks „Blood Diamond“ aus dem Jahre 2006, in dem sich Regisseur Zwick mehr als gekonnt einem brisanten und aktuellen Thema näherte.

„Blood Diamond“ beginnt im Sierra Leone der 1990er Jahre, in dem bereits der zweite Bürgerkrieg tobt. Das kleine Dorf vom Fischer Solomon wird brutal von Rebellen überfallen und Solomon kann mit Glück gerade noch unversehrt überleben. Allerdings wird er zur Arbeit auf den berüchtigten Diamantenfeldern gezwungen und von seiner geliebten Familie getrennt. Als er dort einen Vogeleigroßen Diamanten findet, versteckt er diesen vor den sklaventreibenden Rebellen und wird darauf von den Regierungstruppen, die das Feld entdeckten, ins Gefängnis gesteckt. Dort trifft er auf den Ex-Söldner Danny Archer, der die Ohren ganz gewaltig spitzte, als er Wind von dem Rohdiamanten bekam. Archer fackelt nicht lange und bietet Solomon an, ihm zu helfen und seine Familie zu retten, wenn er im Gegensatz den Diamanten verkaufen darf und einige Millionen vom Wert in die eigene Tasche fließen lassen kann. Beide machen sich nach ihrer Entlassung auf die beschwerliche Reise und treffen dabei nicht nur auf die Rebellen, sondern auch auf Archers ehemaligen Vorgesetzten, Kindersoldaten und die amerikanische Journalistin Maddy, die für Archer ebenfalls noch von Vorteil sein kann und im Gegenzug eine Story über den Diamantenschmuggel versprochen bekommt…

Visuell braucht man sich bei einem Film von Edward Zwick keinerlei Sorgen machen, man denke nur an Zwicks „Last Samurai“, den er 3 Jahre vor „Blood Diamond“ in die Kinos brachte, in dem er das prachtvolle Asien genial aufleben lassen konnte. Hier ist es das grobe Afrika, welches sich allerdings nicht durch die Armut gezeichnete Dörfer und Städte auszeichnet, sondern auch durch die kraftvolle Landschaft, die Kameramann Eduardo Serra gerade in seinen weiten Einstellungen wunderbar einfängt und eine Atmosphäre erzeugt, die nicht nur dem schwarzen Kontinent gerecht wird, sondern auch den Zuschauer im Angesicht des Schreckens und der Schönheit der Natur packt. James Newton Howards Score lässt sich auf der einen Seite als äußerst antreibend-impulsiv bezeichnen, während er es ebenfalls genauso versteht, die ruhigen Töne zu treffen und die gefühlvollen Momente zu umklammern. Auch die Besetzung des Films ist erstklassig. An erster Stelle steht Leonardo DiCaprio als Danny Archer, der seinen sympathischen Charakter dennoch zwiespältig auslegt und immer zwischen eigenem Vorteil und gutem Gewissen umherspringt. Wie gewohnt spielt DiCaprio fantastisch und setzt seiner Figur den ganz eigenen Stempel auf, vor allem ist mal wieder die Originalfassung besonders empfehlenswert, denn sein südafrikanischer Akzent ist schon ein Erlebnis für sich. Auch Djimon Hounsou als Solomon Vandy liefert eine tolle Leistung ab, richtet seinen Charakter aber eindeutig in eine klare Richtung aus und wird zum Familienmenschen, den nichts von seiner Liebe abbringen kann. Jennifer Connelly ist als Reporterin Maddy ebenfalls genau richtig besetzt und auch wenn ihre Rolle äußerst klischeehaft gezeicht ist, weiß sie denoch ihre Idealistin fein und glaubwürdig auszufüllen.

Was wir in den Nachrichten hin und wieder angeschnitten vorgeführt bekamen, zeigt uns Edward Zwick in „Blood Diamond“ ohne Scheu. Wir finden uns in Sierra Leone wieder und werden direkt in den Bürgerkrieg gestoßen. Hier werden Kindern die Arme oder Hände abgeschlagen, Babys und Frauen offen erschossen und ganze Massenmorde von manipulierten Kindersoldaten durchgeführt, die anderen Menschen ohne mit der Wimper zu zucken den Gnadenstoß geben. Und dabei muss man Zwicks Inszenierung eindeutig dafür loben, dass er sich nicht den Hollywoodgesetzten hingegeben hat und alles bei angeschnittenen Andeutungen belassen hat, sondern die Kamera bei all dem Grauen draufhält. Allerdings besitzt „Blood Diamond“ nicht nur einen wichtigen politischen Standpunkt und eine mehr als kritische Aussage, die natürlich auch, wie der Titel schon zeigt, in die Richtung des illegalen Diamantenhandel geht, der in bestimmten Ländern Afrika einzig und allein dafür da ist, um die Bürgerkriege anzufeuern und zu unterstützen, sondern weiß genauso auf der Unterhaltungsebene zu überzeugen. In dieser Hinsicht ist der Film ein waschechtes Abenteuer, bei dem zwei vollkommen unterschiedliche Männer in den Dschungel ziehen, um einen vergrabenen Diamanten zu finden und die eigene Zukunft zu sichern. Es kommt zu Reibereien zwischen den Männern, es gibt Probleme von außen und es darf auch mal richtig krachen, ohne das Zwicks Inszenierung sich dabei auf überzogene Effekte stürzt, sondern immer auf handgemachte Acton setzt. „Blood Diamond“ kann dank seiner straffen Führung die gut 140 minütige Laufzeit blendend ausfüllen und konzentriert sich voll und ganz auf das Wesentliche, ohne überfrachtet oder rührselig zu wirken.

Fazit: „Blood Diamond“ ist kraftvolles Politkino mit Kritik und Botschaft, verpackt im Unterhaltungsmantel und funktioniert dabei auf beiden Ebenen, ohne gewollt oder überzogen zu wirken. Sicher werden einige Klischees (Rebellen brettern mit dröhnendem HipHop-Beat durch die Gegend) nicht ausgelassen, doch die beeinflussen den Gesamteindruck kein Stück. „Blood Diamond“ kann mit einer tollen Optik, wunderbaren Schauspielern, einem passenden Score und Zwicks starker Inszenierung glänzen, denn auch vor unangenehmen Szenen macht er keinen Halt. Ein starker Film, den man sowohl als ernste Abendunterhaltung benutzen kann, oder auch um etwas über die Bürgerkriege in Sierra Leone und den illegalen Diamantenhandel zu erfahren.

Bewertung: 8/10 Sternen