"Blutgericht in Texas" (USA 1974) Kritik – Der Schrecken des Südens

„Sie sind verrückt! Sagen Sie ihnen, dass sie aufhören sollen!“

null

Horror-Klassiker gibt es inzwischen viele: ‚Halloween‘, ‚Freitag der 13. oder auch ‚Nightmare on Elm Street‘. Und jeder dieser Filme zog unzählige Fortsetzung nach sich. Michael Myers, Jason Vorhees und Freddy Krueger wurden über Nacht schnell zu Ikonen ihres Genres. Natürlich gibt es heute auch von allen ein mehr oder weniger enttäuschendes Remake. Dann gibt es da noch einen anderen Horror-Klassiker, quasi so was wie das schwarze Schaf des Genres. Die Rede ist von Tobe Hoopers ‚Blutgericht in Texas‘, aus dem Jahre 1974. Zwar gab es hier auch einige Nachfolger und auch Remakes, aber Leatherface würde man sicher nie als Ikone oder prägende Figur bezeichnen und schon gar nicht das Wort „cool“ mit ihm in Verbindung bringen. Und genau das ist der richtige Weg.

Seinen fast eisernen Ruf erlangte Hoopers Film am Anfang aus einer klaren Lüge. So sprach man davon, ‚Blutgericht in Texas‘ würde auf vollkommen wahren Begebenheiten beruhen. Lediglich inspirieren durch den Fall von Ed Gein, der Körperteile sammelte und verarbeitete, ließ sich Hooper. Einen Kettensägen schwingenden Hinterwäldler gab es in dieser Hinsicht nie.

Die Geschichte selbst ist aus heutiger Sicht sicherlich weder innovativ noch originell. Auch im Jahr 1974 war sie das schon nicht mehr unbedingt, doch das tut dem Film mit Sicherheit keinen Abbruch. Es geht um eine gutgelaunte Gruppe junger Leute, die ihren lockeren Sommerausflug in der Idylle genießen wollen. Als sie schließlich einen offensichtlich gestörten Anhalter aufgabeln und der sich darauf mit einem Messer selbst verletzt, ist das erst der Anfang des Schreckens, denn als ihr Benzin in der Nähe eines alten Schlachthofs ausgeht, werden die jungen Menschen von einem mit Kettensäge und Hautmaske tragenden Wahnsinnigen verfolgt.

An erster Stelle kann der Film mit seiner extrem unangenehmen Atmosphäre vollkommen packen. Tobe Hooper schafft es, mit wenigen Mitteln (das Budget lag deutlich unter 200.000$) das Maximum an Atmosphäre entstehen zu lassen. Die Lage ist durchgehend angespannt und wenn man behauptet, man würde sich während des Films unwohl fühlen, ist das noch eine klare Untertreibung. Kameramann Daniel Pearl erzeugt mit seiner starken Arbeit dreckige, grobe und auch gerne unscharfe Bilder, die ihren Teil zur rohen Grundstimmung des Films beitragen. Dazu natürlich auch der Score, der ebenso minimalistisch gehalten ist wie der Rest des Films, der nicht nur Gänsehaut aufkommen lässt, sondern einen extremen Schauer über den Rücken jagt und sich perfekt in das furchtbare Bild des Films einfügt.

Wer jetzt jedoch einen brutalen Film erwartet, bei dem das Blut in Strömen fließt, der wird klar enttäuscht. Wir erleben hier pures Terror-Kino. Die Brutalität spielt sich voll und ganz in den Köpfen der Zuschauer ab und das Grauen kennt dort keine Grenzen. Wenn unsere sorglosen Jugendlichen an den Rand der Zivilisation geraten und mit dem untersten Rang der Gesellschaft konfrontiert werden, dann ist hier keine Spur von einem spaßigen Backwood-Slasher, sondern wir sind längst in einem hitzigen Alptraum ausgesetzt worden, ohne einen Ausweg finden zu können.

Über die Schauspieler braucht man wirklich keine vielen Worte verlieren, denn die sind richtig mies und erfüllen ihre Rollen, die zum Großteil aus wildem Geschrei bestehen, gerade so. Doch selbst das stört nur bedingt, denn die Atmosphäre und das Spiel aus Geräuschen, das Rattern der Kettensäge, das knistern und knacken und das schwere Atmen in den dunkelsten Ecken, macht alles wieder wett.

Fazit: ‚Blutgericht in Texas‘ ist einer dieser Filme, die man sich sicher nicht gerne anguckt. Ganz im Gegenteil. Er verstört durch seine sadistische Art jedes Mal aufs Neue. Tope Hooper inszeniert harten, dreckigen und erschreckenden Terror-Horror, der dem großen Klassiker-Status vielleicht nicht ganz gerecht wird, aber in jedem Fall seine Wirkung, vor allem durch die grandiose Atmosphäre, die dreckigen Bilder und den angsteinflößenden Score, nach wie vor einmalig entfalten kann.

Bewertung: 8/10 Sternen