"Das Bourne Vermächtnis" (USA 2012) Kritik – Superagent sucht fähigen Nachfolger

„Jason Bourne war nur die Spitze des Eisbergs.“

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„Totgesagte leben länger“ könnte der Untertitel des neuesten Bourne-Abenteuers lauten. Denn nach dem Ausstieg von Hauptdarsteller Matt Damon und Regisseur Paul Greengrass aus der Bourne-Reihe erschien eine Fortsetzung eigentlich undenkbar. Doch wenn Charlie Sheen bei „Two and a Half Man“ ohne größeren Quotenverlust durch einen Ashton Kutscher ausgetauscht werden kann, dann kann auch Matt Damon durch Jeremy Renner („The Town“) ersetzt werden. Zumal Jeremy Renner schon des Öfteren sein Action-Potenzial unter Beweis stellen durfte, zuletzt in der erfolgreichen Superhelden-Zusammenkunft „Marvels The Avengers“, in der er als lilafarbener Bogenschütze Hawkeye Gegnern im Sekundentakt Pfeile um die Ohren schoss. Und auch der neue Regisseur Tony Gilroy ist im Bourne-Universum kein Unbekannter, denn dieser schrieb bereits die Drehbücher zu den vorangegangenen Teilen und arbeitet auch am Drehbuch zu „Das Bourne Vermächtnis“ wieder aktiv mit. Keine schlechten Karten also für den neuen „Bourne“-Teil. Dennoch entpuppt sich der neueste Ableger als totale Enttäuschung, denn „Das Bourne Vermächtnis“ ist letztendlich nicht mehr als ein uninspirierter, krampfhafter Versuch die äußerst erfolgreiche Reihe um den Agenten mit Gedächtnisproblemen weiter am Leben zu halten.

Der US-Geheimdienst ist in heller Aufregung, denn durch den Bourne-Skandal sind die Verantwortlichen gezwungen auch das Nachfolgeprojekt „Operation Outcome”, in welchem die Agenten durch eine leistungssteigernde Wunderdroge zu wahren Kampfmaschinen gemacht wurden, auf Eis zu legen. Doch wie garantiert man, dass wirklich keiner der Beteiligten plaudert? Richtig, man eliminiert sie einfach! Das jedenfalls hält der Verantwortliche Byer (Edward Norton) für die beste Lösung. Doch Agent Aaron Cross (Jeremy Renner) überlebt den tödlichen Anschlag. Leider gehen dem Über-Soldaten allmählich die Medikamente aus und so wagt sich Cross in die Höhle des Löwen, um seinen Pillen-Vorrat wieder aufzustocken.

Die Bombe platzte ja bereits im Trailer: „Jason Bourne war nie der Einzige“. Huch! Na so was aber auch, wer hätte denn damit gerechnet?! Diese für die Produzenten überaus glückliche Wendung legitimiert kurzerhand diese und sämtliche noch folgenden Fortsetzungen, die bei einem Erfolg mit Sicherheit nicht ausbleiben werden. Leider hat der neue Bourne wenig vom Charme seiner Vorgänger, denn statt einer spannenden Identitäts-Schnitzeljagd gibt es diesmal nur einen gehetzten Jeremy Renner, der um die halbe Welt reist, um seinen Power-Drogen-Vorrat wieder aufzustocken.

So folgen wir also einem drogensüchtigen Superagenten einmal um die Welt. Leider bleibt dabei jeder Schauplatz vollkommen austauschbar, da dieser nach spätestens 15 Minuten sowieso wieder verlassen wird – Location-Hopping bei der selbst Bond-Filme vor Neid erblassen würden. Und auch die überaus rasanten Schnitte, die ein Gefühl der Geschwindigkeit vermitteln sollen, strengen nach kurzer Zeit bereits so an, dass man am liebsten seine Augen schließen würde, um seinen Kopf ein wenig Ruhe zu gönnen. Was in Action-Sequenzen vielleicht noch stimmungsfördernd wirken mag, wird spätestens dann ad absurdum geführt, wenn die gleiche Schnitttechnik auch in eher ruhigen Szenen zum Einsatz kommt. So wirkt „Das Bourne Vermächtnis“ stellenweise wie eine überlange Version des „The Big Bang Theory“-Vorspanns. Da heißt es: Bloß nicht blinzeln, man könnte ja sonst eine Schlüsselszene verpassen. Gleiches gilt auch für die eigentlich stimmige musikalische Untermalung von James Newton Howard, der das Action-Spektakel mit aufpeitschenden Electro-Beats unterlegt. Leider sind dabei aber selten wirkliche Höhen und Tiefen auszumachen, und so treibt der monotone Electro-Soundtrack auf Teufel komm raus voran, egal was gerade auf der Leinwand geschieht.

Jeremy Renner als Bourne-Nachfolger gibt einen eiskalten Profi-Killer, der dank Super-Drogen zur emotionslosen Kampfmaschine mutiert ist. Schade nur, dass sich sein gesamtes Schauspiel lediglich darauf beschränkt, in einer lässigen Lederjacke möglichst cool auszusehen. Auch fehlt seinem Charakter die verletzliche Seite, die Jason Bourne so interessant machte, denn im Gegensatz zu Bourne, der in erster Linie gegen die eigene Unwissenheit kämpfte, kennt Renner seinen Feind und dessen Stützpunkte. Auch ist der neue Agent durch Super-Drogen zu einer nahezu unbesiegbaren Kampfmaschine mutiert, der es auch problemlos mit mehreren Gegnern auf einmal aufnehmen kann – Spannender werden die Prügel-Einlagen dadurch nicht. Auch Edward Norton als skrupelloser CIA-Agent Byer bleibt hoffnungslos unterfordert. Wer darauf gehofft hat, den „Fight Club“-Darsteller mal wieder richtig in Aktion zu erleben, wird bitter enttäuscht werden. Denn statt selber die Jagd auf den ausgerissenen Agenten anzuführen, leitet er diese lediglich von seiner geheimen Kommandozentrale aus und hetzt Cross lediglich einige charakterlose Profi-Killer auf den Hals.

Fazit: Trotz der schnellen Schnitte, treibender Musik und der rasanten Action-Sequenzen ist „Das Bourne Vermächtnis“ in erster Linie eins: Langweilig. Bleibt nur zu hoffen, dass nach diesem Teil die Bourne-Akten endgültig geschlossen bleiben.

Bewertung: 3/10 Sternen