"Breaking Dawn: Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 1" (USA 2011) Kritik – Das Ende ist nah

„Komm schon, du darfst heute nicht weinen, Bella.“

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Das Ende ist in Sicht. Ein Licht erscheint am Horizont und die Zeit bis zum großen Schlussakkord wird langsam absehbar. „Twilight“ geht in seine letzten Runden und wird damit sicher Millionen Herzen jeglicher Minderjähriger im Sturm zerreißen. Allerdings werden sich auch Millionen genervte Kinobesucher mit breitem Grinsen auf die Zukunft freuen, wenn kein Edward oder Jacob T-Shirts mehr durch die großen Eingangshallen geistern. Die „Twilight“-Verfilmungen könnte man nett gesagt noch als durchwachsen bezeichnen, in Wirklichkeit ist eine aber schlechter als die andere und quälten so manchen Zuschauer mit ihrer mehr als fragwürdigen und oft gar nicht erst anwesenden Qualität. Nach ‚Eclipse‘, der noch den besten Teil der Reihe darstellte, verging wieder das gewohnte Jahr bis zur nächsten Buchverfilmungen. Alles ging seinen gewohnten Gang. Neuer Film, neuer Regisseur und alte schwerwiegende Schwächen. ‚Breaking Dawn – Teil 1‘ ist genauso schlecht wie die Vorgänger und die Freude auf das Ende der Reihe, wächst in unermessliche Höhen. Bald ist es geschafft sind hier die tröstenden Worte.

Bella und Edward haben es endlich an den Altar geschafft, sind verheiratet und dem ewigen Glück scheint kein Stein mehr im Wege zu liegen. Ihre Flitterwochen verbringen sie auf einer Insel in der Nähe von Rio de Janeiro, auf der die beiden ihrem Verlangen nicht mehr standhalten können. Dabei passierte jedoch etwas, was die beiden nicht für möglich gehalten haben. Obwohl es eigentlich unmöglich ist, dass eine Bindung zwischen einem Menschen und einem Vampir zu einer Schwangerschaft führt, wird Bella schwanger. Und weil Vampir Edward der Vater ist, wächst das Kind in Bellas Bauch schnell mit enormer Kraft heran. Ob Bella dieser Schwangerschaft standhalten kann und ob sie diese überhaupt überleben wird, ist noch lange nicht klar…

Nun haben wir uns schon dreimal von den schrecklichen Darstellungen der gesichtslosen Schauspieler malträtieren lassen und dürften uns inzwischen im Klaren darüber sein, dass wir es hier nicht mit Charakterdarstellungen zu tun bekommen. Doch wer hätte das gedacht, eine winzige Besserung ist tatsächlich eingetreten. Das fällt besonders bei Taylor Lautner als Jacob auf, der jetzt schon nicht mehr so nervt wie in den anderen Filmen und sich etwas mit seiner übertriebenen und unausgereiften Mimik wie Gestik zurückhält. Schlecht ist seine Darstellung dennoch nach wie vor, aber einfach nicht mehr so schmerzhaft nervig. Immerhin etwas. Robert Pattinson als Edward Cullen bleibt auch hier weiterhin die blasse Talentlosigkeit, die manchmal so verstolpert in die Kamera blickt, dass einem beinahe die Worte fehlen. Und dann ist da eben noch Kristen Stewart als Bella, die sich immer noch stocksteif durch den Film bewegt und mit ihrer Darstellung keinerlei Impulse setzen kann, sondern einfach nur unausgeglichen wirkt.

Nun sind wir an dem Punkt angekommen, auf den alle weiblichen Fans der „Twilight“-Reihe sehnlichst gewartet haben: die Hochzeit. Bella und Edward schreiten zum Altar und besiegeln ihre Liebe endgültig. Schade nur, dass die Hochzeit so aufgeprotzt dargestellt wurde, dass jegliche Gefühle gar nicht erst miteingeladen werden konnten, sondern sich wie immer nur auf Schauwerte konzentriert wurde, die aber auch nicht überzeugen. ‚Breaking Dawn – Teil 1‘ beginnt gleich mit der ganzen Lächerlichkeit, die schon vorher immer wieder verschreckt hat. Nicht mal 10 Sekunden dürfen vergehen und Jacob hüpft aus seiner Bretterbude um sich direkt das T-Shirt im strömenden Regen vom Leibe zu reißen. Das erste genervte Seufzen entlockt uns Regisseur Bill Condon also schon nach wenigen Sekunden. Danach folgen wir dem Film gute zwei Stunden dabei, wie er uns Bellas und Edwards frische Ehe zeigt und die ach so schmerzhafte Schwangerschaft. Eigentlich sollte doch jetzt endlich mal alles schön und gut werden und die gemeinsame restliche Zeit der Unendlichkeit genossen werden, denn Bella will ja auch zum Vampir gemacht werden. Aber weil die beiden sich nicht zusammenreißen konnten in ihren Flitterwochen, haben sie das Schlamassel nun am Gange. Das Problem ist aber nach wie vor immer noch dasselbe: es fehlt jegliche Bindung zum Zuschauer. Alles bleibt so kalt und entfernt, Hauptsache die Fans können ihre Stars und Sternchen in dem lachhaften Geplänkel beobachten und dahinschmelzen, alle anderen verlieren sich erneut in der Belanglosigkeit.

Zurück zu alten Stärken würde man gerne sagen können, aber wirklich positive Aspekte gab es in der „Twilight“-Reihe noch nie. Wo ‚Eclipse‘ wenigstens noch ab und an eine Atmosphäre erzeugen konnte, herrscht in ‚Breaking Dawn – Teil 1‘ mal wieder die gähnende Leere. Die unglaubwürdigen Emotionen werden wieder auf das unermüdliche Fließband geworfen und dürfen von A nach B fahren. Die unfreiwillige Komik die sich immer wieder einschleicht ist inzwischen schon nicht mehr komisch, denn wenn man den gleichen schlechten Witz zum vierten Mal hört, siegt endgültig die entnervte Stille. Hier ist es auch wieder so, dass Charaktere oder die eigentliche Handlung nie im Vordergrund für den Zuschauer steht, eigentlich ist alles nur Nebensache und beiläufig, denn das Desinteresse an dem ganzen peinlichen Geschehen gewinnt immer. Die Schwangerschaftsprobleme, die Wölfe mit ihren Verpflichtungen und die Ehe selbst interessieren rein gar nicht. Zum Ende hat sich Stewarts äußerlicher Zustand der Qualität des Films angepasst, die miesen und geschwollenen Dialoge und natürlich der prügelnde Kitsch geben dem Film den Rest und das eindimensionale Kasperltheater mit Hunden, Heulsusen und Vampirbübchen geht zum vierten Mal K.O.

Fazit: Über die Kamera und den Score kann man wie gewohnt nichts Schlechtes sagen, vor allem die Aufnahmen der Insel sind gelungen. Aber da hört es dann auf. Schlechte Schauspieler, schlechte Effekte, schlechtes Drehbuch und ganz einfach eine miserable Inszenierung machen ‚Breaking Dawn – Teil 1‘ erneut zu einem langweiligen Totalausfall.

Bewertung: 2/10 Sternen