"Brick" (USA 2005) Kritik – Joseph Gordon-Levitt und die Suche nach Wahrheit

„Ich setz mir den Schuss. Wenn ich nicht sterbe ist alles klar zwischen uns.“

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Einen guten Krimi mit allem was da so zugehört kriegt man eigentlich mindestens einmal im Jahr in jedem Fall geboten. Die schlechten Genre-Beiträge nehmen allerdings wie fast immer die Überhand. Und selbst die guten Filme haben manchmal die gleichen Probleme und bieten nur selten etwas wirklich Neues. Frischer Wind fehlte also mal wieder. Zum Glück kam dieser Wind aber im Jahr 2005 wieder. Der bis dato unbekannte Regisseur Rian Johnson sorgte mit seinem Erstling ‚Brick‘ für reichlich Wirbel und war nicht auf wenigen Festivals der klare Liebling. Das ist auch allemal verdient gewesen, denn ‚Brick‘ ist feinstes Film noir im Indie-Mantel.

Brendan fühlt sich allein immer am wohlsten. Als seine Ex-Freundin Emily ihn weinend um Hilfe bittet, gerät sein klar strukturiertes Leben aus den Fugen. Emily verschwindet spurlos und Brendan macht sich selber auf die Suche nach ihr und dringt dabei immer tiefer in die Drogenszene der Highschool ein. Wer ist für Emilys Verschwinden wirklich verantwortlich, in welcher Lebensgefahr schwebt Brendan längst und was hat es mit dem berüchtigten The Pin auf sich?

Rian Johnson setzt bei seinem Hauptdarsteller auf einen ganz besonderen jungen Mann, der sich im Jahr 2004 schon in seiner ersten großen Rolle als homosexueller Stricher in ‚Mysterious Skin‘ begeistern konnte. Die Rede ist natürlich von Joseph Gordon-Levitt, der hier Brendan verkörpert. Als kühler Außenseiter, der genau weiß wie er vorzugehen hat, zeigt Gordon-Levitt wie auch im Vorjahr eine durchgehend starke und abwechslungsreiche Darstellung, auch wenn er nicht die Eindringlichkeit wie im Jahr zuvor erreicht. Die Nebenrollen können zwar nicht mit Gordon-Levitt mithalten, zeigen in ihren Rollen aber auch gute Leistungen. Da wäre Lukas Haas als The Pin, Matt O’Leary als The Brain, Nora Zehetner als Laura und Noah Fleiss als Tugger.

Auch in der heutigen Zeit hat man noch viel Freude an einem schönen Krimi zum miträtseln. Die wenigsten würden einen solchen Film abschlagen, weil sie kein Interesse daran hätten. Es macht einfach nach wie vor unheimlich viel Spaß der Mördersuche zu folge und selber mit einzusteigen. Die einzelnen Puzzlestücke selber suchen und auf eigene Weise zusammenzustecken. So kann man sich selber beglückwünschen, wenn man den Weg zur Auflösung auch alleine gefunden hat, oder darf sich darüber freuen, wenn man am Ende vollkommen falsch gelegen hat und nochmal richtig durch die Unvorhersehbarkeit überrascht wurde. Rian Johnson inszeniert mit ‚Brick‘ genau einen solchen Filmen, schlägt aber trotzdem neue Wege ein.

‚Brick‘ lädt uns zur altbekannten amerikanischen Highschool ein und serviert uns alle typischen Charaktertypen. Es gibt den Nerd mit Hornbrille, die Kiffer, die Schönheit, den Footballbubi und auch den dealenden Bandenchef mit hauseigenen Schlägern. Dann wäre da eben noch Brendan, der diesen Charakteren so gar nicht ähnlich ist und sie trotzdem verbindet. Er ist bewusster Einzelgänger, bewahrt immer einen klaren Kopf, verfolgt die Spuren zur Wahrheit immer genau und prügelt sich auch mal wenn es sein muss. Im Gegensatz dazu steht die düstere Drogenszene, die in der Highschool ihre Wellen schlägt und Brendan immer tiefer in sich zieht. Johnson versteh es diese zwei Welten genau zu verknüpfen. Mit ironischem Blick auf das Schulsystem samt Schüler und gegenüber die dunkle Verbrecherwelt, die zunehmend undurchsichtiger wird.

Die große Stärke von ‚Brick‘ ist jedoch die altmodische Krimiaufmachung, die mit der Moderne verbunden wird. Alles erinnert an eine Kriminalgeschichte der 50er Jahre, sowohl die Vorgehensweise der Inszenierung, als auch das Verhalten des Protagonisten. Diese Gratwanderung hätte schnell misslingen können und nicht nur aufgesetzt wirken, sondern auch unfreiwillig komisch. Das trifft hier zum Glück nicht ein und Johnson beweist gleich mit seinem Debütfilm sein sorgfältiges Händchen für Inszenierungen. Er arbeitet die Geschichte Stück für Stück aus und verrät nie zwischendurch zu viel. Der Film geht also in die noir Richtung. Das heißt, es wird nicht nur finster, sondern auch eiskalt und ohne Hoffnungen auf ein Happy End.

‚Brick‘ weiß zu packen und zieht den Zuschauer mit seiner fesselnden Atmosphäre sofort mit sich. Man muss jedoch am Ball bleiben, denn wenn man nur einige Minuten unachtsam wird, könnten einige Details verloren gehen. ‚Brick‘ schlägt einen Haken nach dem anderen und ein gelöstes Geheimnis offenbart schon ein Neues. Auf alles gibt Johnson jedoch keine Antwort und es liegt am Zuschauer selbst sich an den gewissen Stellen seine Antwort selber zu geben und zurecht zu biegen, aber genau das macht doch den Reiz des Ganzen aus. Mit Sicherheit hat ‚Brick‘ auch an einigen Ecken seine kleinen Macken und es schleichen sich gelegentlich hier und da einige kurze Längen ein, doch das mildert den Gesamteindruck kaum. ‚Brick‘ bleibt einfach ein spannender und genauso origineller Thriller, den man durchaus mehrere Male genießen kann, ohne das etwas von seiner Qualität verloren geht.

Fazit: Mit ‚Brick‘ inszenierte Rian Johnson einen altmodischen Krimi in neuem Gewand. Die dunkle Atmosphäre lässt keine groben Längen zu, die Schauspieler sind toll gewählt und Johnsons durchdachte Inszenierung hält durchgehend bei Laune und lädt zum Raten ein. Ein starker Independent-Film, der unbedingt gesehen werden sollte, auch wenn er sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird.

Bewertung: 8/10 Sternen