"Broken City" (USA 2013) Kritik – Mark Wahlberg und Russell Crowe im Kampf der Egomanen

Autor: Pascal Reis

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„There are some wars you fight and some wars you walk away from, this is the fighting kind.“

Geschwister auf dem Regiestuhl gibt es in Hollywood ja zu genüge: Joel und Ethan Coen („No Country for Old Men“), Andy und Lana Wachowski („Matrix“) und Bobby und Peter Farrelly („Verrückt nach Mary“). Zugegeben, der anhaltenden Qualität der sagenumwobenen Coen-Brothers kann kein Geschwister-Pärchen in der heutigen Zeit das Wasser reichen, es ist aber auch der Fall, dass man sich die Gebrüder aus Minnesota gar nicht mehr als individuelles Unikat vorstellen kann, denn dafür sind ihre Rollen als Künstler in der Branche bereits untrennbar legiert. Ein ganz anderes Doppel hat die Nabelschnur der Zusammenarbeit im Jahre 2013 jedoch durchtrennt und den Versuch gewagt, sich einmal gesondert voneinander zu etablieren. Gemeint sind da Albert und Allen Hughes, die unter Anderem schon die Graphic Novel-Adaption „From Hell“ und den ästhetischen Endzeit-Flop „The Book of Eli“ gemeinsam realisieren durften. Nun bewegt sich der jüngere Bruder Allen Hughes nach einem kleinen tête-à-tête im Episoden-Film „New York, I Love You“ erneut allein auf weiter Flur und will der Welt zeigen, dass er auch als alleiniger Regisseur zu einem durchaus soliden Output in der Lage ist. Mit seinem Thriller „Broken City“ ging diese Rechnung allerdings nicht auf.

Nachdem der New Yorker Polizist Billy Taggert einen Gangster auf offener Straße mit mehreren Kugeln auch aus persönlichen Motiven richtete, war die Karriere in Uniform für Taggert abgelaufen. Als es brenzlig wurde und Taggert ein Gefängnisaufenthalt drohte, wurde die Anklage fallengelassen und es kam lediglich zur Beendigung seines Staatsdienstes als Gesetzeshüter. Hinter dieser fragwürdigen Entscheidung steckte der angesehene New Yorker Bürgermeister Nicholas Hostetler, der einige Beweisstücke unter den Tisch fallen ließ. Die Jahre vergehen und Taggert schlägt sich von dort an als Privatdetektiv durch das Leben, bis ihn eines Tages erneut Bürgermeister Hostetler kontaktiert, der Taggert dazu benötigt, um einen äußerst hinderlichen Verdacht zu bestätigten: Hostetler vermutet nämlich, dass seine Frau Cathleen die Sache mit der Treue nicht mehr mit dem nötigen Ernst betrachtet und sich inmitten einer leidenschaftlichen Affäre befindet, was nicht gerade förderlich für die Wiederwahl Hostetlers wäre und dem Konkurrenten Jack Valliant perfekt in die Karten spielen würden. Taggert willigt dem Auftrag ein, doch schon bald findet er sich in einem Strudel aus Intrigen wieder…

Mark Wahlberg ist bereits eine Art Prototyp im Action-Thriller-Genre, denn wenn man den Bostoner Rüpel in einer bestimmten Sparte finden möchte, dann hält man sich am besten in der Ecke auf, in dem mit Vorliebe mit Schusswaffen und Fäusten kommuniziert wird. „Vier Brüder“, „Shooter“, „Corrupter“ und „Contraband“ sind da nur einige Beispiele, die diese Vermutung in eine Tatsache umwandeln. In „Broken City“ erleben wir Mark Wahlberg als Billy Taggert erneut in einer für ihn vollkommen typischen Rolle, die der Narzisst zwar problemlos runterleiert, aber von schauspielerischem Talent ist nicht die Spur zu finden, Wahlberg genügt es, seinen angespannt-finsteren Blick aufzulegen und sich dem ewigen Kreislauf des Genres-Alltags hinzugeben. Russell Crowe macht seine Sache als schmieriger Bürgermeister Nicholas Hostetler da schon besser und ist zum Glück Lichtmeilen von dem penetranten Overacting seiner John Nash-Karikatur aus „A Beautiful Mind“ entfernt, unterfordert ist der Australier in seiner eintönigen Rolle aber allemal. Ebenso der restliche Cast, der mit Catherine Zeta-Jones („Chicago“), Jeffrey Wright („Casino Royale“) und Barry Pepper („Der Soldat James Ryan“) überdurchschnittlich besetzt ist, aber vom Film zu keiner Zeit gefordert wird.

Wenn uns standardisierte Großstadtaufnahmen begrüßen, die weder Charakter besitzen, noch den Schauwert eines Postkartenmotives überbieten, dann ist die Qualitätskurve, auf der sich Allen Hughes mit „Broken City“ befindet, bereits in diesen ersten Minuten abzulesen. Das Drehbuch von Brian Tucker ist natürlich der Ursprung allen Übels und seine Geschichte über Korruption, Lügen und Verrat auf höchster Ebene wurde bereits in unzähligen Vorgängern durchgekaut und kann dem breitgefächerten Sujet in seiner schier endlos erscheinenden Redundanz nicht einen Bruchteil an Kreativität einflößen. Mit dem Ex-Cop Taggert und dem amtierenden Bürgermeister Hostetler hat man zwei Figuren in der Mitte des Geschehens positioniert, die kläglich nach einem Hauch von Ambivalenz flehen, damit der offensichtliche Handlungsverlauf nicht bereits mit dem ersten Blick ins Gesicht der Persönlichkeiten abzulesen ist. Den Gefallen wurde den beiden Egomanen jedoch nicht getan und wer sich hier wirklich ein komplexes Charaktergerüst erhofft, der wird im Gegenzug mit ausbuchstabierten Statuierungen von Gut und Böse bestraft – Grauzonen bleiben unerfüllbares Wunschdenken.

Wenn die Inszenierung und die Schauspieler schon kein Eisen mehr aus dem Feuer holen können und die Story wirklich so altbacken ist, dass man sich als Zuschauer fragen muss, ob alle Beteiligen entweder Jahrzehnte im Eisschlaf verbracht oder seit den 1970er Jahren keinen Kinofilm mehr zu sehen bekommen haben, dann bleibt es wohl ein Geheimnis, welche Art Publikum mit „Broken City“ letzten Endes wirklich erreicht werden sollte. Die Konfrontation mit Fakten – eben denen, das in der Politik nicht alles mit rechten Dingen zugeht und irgendwie jeder seinen eigenen Dreck am Stecken hat – wird nicht nur die erfahrenen Cineasten den Schlaf in die Augen treiben, sondern auch der Durchschnittskonsument darf die Stirn runzeln, wenn hier eigentlich marginal-abgedroschene Ingredienzen zu unvergleichbare Weltverbrechen von aktueller Form aufgezogen werden, aber gleichzeitig jede moralische Diskrepanz verdrängen. „Broken City“ wird problemlos in der Versenkung verschwinden, ohne zuvor auch nur einmal erhellendes Tageslicht gesehen zu haben.

Fazit: „Broken City“ treibt im verzichtbaren Fahrwasser von trivialem Einheitsbreit à la „Helden der Nacht“ und „Gesetz der Ehre“. Der Plot besitzt auf dem Papier bereits einen überlangen grauen Bart und jedes einzelne Genre-Partikelchen, welches sich bereits seit Jahren schon als ausgelutscht titulieren darf, wird in diesem Möchtegern-Neo-Noir-Langweiler im Schneckentempo aufgekocht, um den Zuschauer in seiner vorausgegangenen Vermutung schamlos zu bekräftigen: „Broken City“ ist in seiner eindimensionalen Banalität nicht zu überbieten.