"Brotherhood" (KR 2004) Kritik

null

„I wish this was all just a dream. I want to wake up in my bed, and over breakfast, I’d tell you that I had a strange dream. Then I would go to school, and you and mom would go to work.“

Ein Kriegsfilm, der, wie so viele andere, mit einem kurzen Clip in der Gegenwart und einem Flashback beginnt. Und dann kam diese Woge, diese Komplexität, diese Emotionen des Krieges, welche mich wie ein Orkan aus meinem Sessel gerissen haben.

Zwei Brüder (überragend gespielt von Jang Dong-kun und Won Bin), die sich nicht näher sein könnten und ein Krieg, der Korea-Krieg, welcher die beiden immer mehr entfremdet, bis es schließlich zum Bruch der geliebten Brüder kommt. Die Entwicklung der Brüder Jin-tae und Jin-seok hilft dem Zuschauer zu verstehen, wie grausam Krieg ist, dass sich dieser nicht einfach in Gut und Böse unterteilen lässt. Der Krieg macht die Menschen zu Bestien, lässt den besten Menschen zu etwas mutieren, was er sich vorgenommen hat, niemals zu werden. Ein Film, der zeigt, dass Freundschaft und Liebe die wichtigsten Dinge im Leben sind. Gezeigt wird all das auf so intensive Art und Weise, dass ich nicht nur einmal dazu geneigt war, zu heulen.

Der Grund, warum ich mich lange von diesem Film ferngehalten habe, ist der ihm unterstellte Patriotismus. Da frag ich mich, wisst ihr überhaupt was Patriotismus bedeutet? Ganz im Gegenteil, hier bekriegen sich zwei Nationen, welche einst wie Brüder gegen Japan gekämpft haben. Schlägereien und Kämpfe unter den eigenen Leuten, extreme Brutalität, der Zweifel an die eigene Regierung, nur um ein paar Beispiele gegen den Patriotismus zu nennen.

Anfangs hat mich der Film in seiner Inszenierung zugegebenermaßen ein wenig an ‚der Soldat James Ryan‘ erinnert. Sobald jedoch der Abspann einsetzt kann ich nur eines Schlussfolgern, ‚der Soldat James Ryan‘ ist gegen diesen Film nichts, nichtssagend und inszenatorisch zweitrangig. ‚Brotherhood‘ hält zudem viele Wendungen und Überraschungen bereit, ist in seiner Aussage äußert Komplex und weiss emotional auf allen Ebenen, egal ob musikalisch, atmosphärisch, schauspielerisch oder technisch mehr als nur zu überzeugen.

Letztlich darf ich trotzdem nicht vergessen, dass ‚Brotherhood‘ durchaus seine Schwächen hat. Einerseits wird das Schicksal der beiden Brüder ein wenig zu klischeehaft erzählt und ist daher, allerdings nur geringfügig, langatmig. Andererseits ist der Film ein bisschen actionlastig. Diese beiden Punkte schmälern den Gesamteindruck jedoch kaum, denn lange habe ich keinen Kriegsfilm mehr gesehen, der so überzeugend zeigt, wie sinnlos, beängstigend, tragisch und brutal Krieg ist. ‚Brotherhood‘ ist in der Tat sehr brutal inszeniert, aber auch das zeigt nur, was der Korea-Krieg wirklich war. Einer der schlimmsten Kriege der Geschichte, an den man sich erinnern soll, hauptsächlich an seine Herzlosigkeit, Brutalität und Sinnlosigkeit. Wir sollen daraus lernen. Ich persönlich habe daraus gelernt. Aber was bringt es uns Normalsterblichen, daraus zu lernen, wenn es die Regierungen nicht tun? Eine interessante und traurige Perspektive, die in ‚Brotherhood‘ nur allzu gut verdeutlicht wird. Dies ist schmerzhaft und ‚Brotherhood‘ ein schmerzhaftes, packendes Meisterwerk!

Fazit: „Ein Kriegsfilm, der, wie so viele andere, mit einem kurzen Clip in der Gegenwart und einem Flashback beginnt…“ jedoch in all seiner Tragik, Inszenierung und Botschaft einzigartig ist und fast alle anderen Kriegsfilme in der ersten Runde K.O. schlägt.

„Look at me. Trust me.“ Go watch this movie!

Bewertung: 9/10 Sternen