"Californication" 3. Staffel (USA 2009) Kritik – …Und ewig lockt der verhängnisvolle Weg

Autor: Pascal Reis

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„I may be easy, but I’m not sleazy.“

Am Ende der Staffel 2 schlich sich so etwas wie der Ansatz von Frieden, ein Hauch von gegenseitiger Besänftigung, in die Szenerie. Die Charaktere konnten sich wieder in die Augen schauen und ja, sogar das Wunder der Geburt beglückte uns in einer der witzigsten Szenen. Musikproduzent und Bonvivant Lew Ashby (Callum Keith Rennie) war daran nicht unbeteiligt und seine Person, die auch eine Analogie für die von F. Scott Fitzgerald entworfene Kunstfigur Jay Gatsby dargestellt, kühlte die kollektive Anfeindung etwas herunter. Hank (David Duchovny) jedenfalls hatte seine Karen (Natascha McElhone) wieder, die allerdings für einen Job zurück nach New York ist, und Becca (Madeleine Martin) fand sich in einem echten Familienkonstrukt wieder. Aber das unbeschwerte Glück ist in „Californication“ bekanntlich nicht von Dauer und Becca wird von den Irrungen und Wirrungen der Pubertät eingeholt, rebelliert gegen ihre Eltern und sucht die Nähe zu ihrer neuen Freundin Chelsea (Ellen Woglom). Hank versucht sich währenddessen als Dozent, wo für ihn nicht nur Studentin Jackie (Eva Amurri) die Beine spreizt.

Mit der dritten Staffel von „Californication“ sind wir nun an einem wichtigen Punkt angelangt: Wir haben eine handfeste Vertrautheit zu den Figuren entwickelt, Sympathie und Antipathie zigmal verschoben und unsere ganz individuellen Lieblinge auserkoren. Wir können ihre Charaktere und Wesenszüge einordnen; wissen, zu welchen Schand-, aber auch Wohltaten sie durchaus in der Lage sein können. Hank jedenfalls verdeutlicht einmal mehr, dass in ihm ein guter Vater und Lebensgefährte steckt auch wenn er uns in Staffel 3 direkt mit einer anderen Frau im Bett begrüßt, obwohl er von Enthaltsamkeit schwadronierte. Dass er als Dozent an der Schule fungiert, in der nicht nur eine Meute junger Damen wartet, die den lässigen Lifestyle von Hank als unglaublich attraktiv empfindet, sondern auch seine Assistentin Jill (Diane Farr), wie auch Chelseas Mutter Felicia (Embeth Davidtz), verkompliziert die Sache auf weite Sicht massiv. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Felicias Mann (Peter Gallagher) der Dekan der College ist. Und wie soll es anders sein? Das Chaos ist vorprogrammiert.

Hanks sexuelle Eskapaden arten in Staffel 3 endgültig aus und die Tatsache, dass die Frauen, mit denen Hank so verkehrt, auch alle etwas miteinander zu tun haben, wird natürlich im Laufe der Geschichte noch seine herben Konsequenzen nach sich ziehen. Der Witz kommt bei diesen kunterbunten Konstellationen selbstredend nicht zu kurz, allein die achte Episode, wenn alle Frauen aufeinandertreffen und Hank sich mit Leibeskräften darum müht, dass sie sich nicht über den Weg laufen, ist in ihrer absurden Übersteigerung der Vorfälle so herrlich und entbehrt sich natürlich auch einer klaren Schadenfreude nicht. Substanz erlangt die dritte Staffel jedoch dadurch, dass sie sich wieder verstärkt auf die Vater-Tochter-Beziehung konzentriert, die zum Ende der zweiten Staffel ja beinahe vollkommen unter den Tisch gefallen fiel, auch wenn sie nicht nur für Hank und Becca, sondern auch für den Zuschauer ein versöhnliches Finale gefunden hat. Nun orientiert sich „Californication“ ebenso an den pubertären Launen Beccas, die sich überwiegend gegen ihren Vater richten, der es partout nicht vollbringt, erwachsen zu werden.

Und natürlich dürfen auch Charlie (Evan Handler) und Marcy (Pamela Adlon) nicht fehlen, die sich getrennt haben und das Haus verkaufen wollen. Während Charlie es mit seiner nymphomanen Chefin Sue Collini (Kathleen Turner) zu tun bekommt, die zu jeder Tageszeit nach seinem Körper lechzt, treibt es Marcy mit dem drogensüchtigen 1980er Jahre Popstar Bruce Springsteen. Doch auch Charlie und Marcy müssen sich, wie auch Hank und Karen, immer wieder eingestehen, dass sie einfach nicht voneinander loslassen können und sich mehr brauchen, als sie es im ersten Moment vermutet haben. Jeder Charakter muss auf seine Weise Bilanz ziehen, nicht nur von den letzten Tagen, sondern von seinem Leben und im schlimmsten Fall realisieren, dass die besten Zeiten nun mal vergangen sind. Aber für eine solche Ehrlichkeit benötigt es Mut und wir haben gelernt, dass weder Hank noch Charlie davon abgeneigt sind, billige Ausflüchte zu wählen, auch wenn Charlie letzten Endes doch noch etwas deutlicher um Seriosität bemüht ist, als der unkonventionelle Hank. Die Erkenntnis von Staffel 3 allerdings ist erneut eine elementare, weil die universell zu werten ist: Man kann niemand so lieben, wie man ihn gerne hätte, sondern so, wie er ist.