"Camelot" (GB 2011) Serienkritik – Eva Green als Lady Morgan

null

König Artus ist eine der größten Legenden der britischen Geschichte. Zig Mythen ranken sich um den Mann, so dass man inzwischen nicht mehr weiß, was sich davon wirklich zugetragen hat. Antoine Fuqua versuchte sich 2004 auf historischer Ebene der Persönlichkeit zu nähern, wobei er sich dabei in einer dummen Schlachtenplatte verlor. Nun nimmt sich die Miniserie „Camelot“ der Beziehung zwischen Artus und seiner Stiefschwester Morgan an und macht so aus der britischen Sage ein zehnstündiges, kurzweiliges Familiendrama. Das ist jedoch in Zeiten von „Game of Thrones“ zu wenig und es ist schade, dass so viel Potential auf der Strecke liegen gelassen wurde.

Sehr hübsch photographiert, größtenteils hervorragend besetzt, auch wenn Jamie Campbell Bower als Artus sehr gewöhnungsbedürftig ist, mit toller Musik unterlegt und einer äußerst gelungenen Inszenierung. Viel zu meckern gibt es optisch gesehen nicht. Beim Drehbuch muss sich das Filmteam allerdings einige Kritik gefallen lassen. So lobenswert es auch ist, der Artus-Sage neue Facetten abzugewinnen, um die Serie weniger vorhersehbar zu gestalten, so aufgesetzt wirkt das an manchen Stellen. Die Szene beispielweise, als sich Artus das erste Mal vor seinem Volk beweisen und das berühmte Schwert aus einem Felsen ziehen muss, wirkt total lächerlich. Mit diesen narrativen Problemen muss sich der Zuschauer aber zum Glück nur anfangs rumschlagen, denn sobald man sich durch die ersten paar Folgen gekämpft und an Campbell Bower als Artus gewöhnt hat, steht der Unterhaltung nichts mehr im Wege. Die Darsteller, allen voran Joseph Fiennes als Merlin und Eva Green als undurchsichtige Lady Morgan, machen Spass und garantieren Spannung und ehe man sich versieht, verliert man sich in dieser wunderschön bebilderten, teils sehr düster angelegten Welt aus Mord, Betrug und Zauberei. Es werden Kehlen aufgeschlitzt, Köpfe abgehackt, Menschen vergiftet und bei all dem geht es mal wieder nur um Macht und die Krone. Brillant stellt „Camelot“ dabei dar, wie einfach das Volk zu blenden ist. Keine Aussicht hat Morgan anfangs auf die Krone, aber durch Geschick, Lügen und Unmenschlichkeit kommt die Krone ihr schließlich immer näher. Und ab dieser Stelle gewinnt die Geschichte sehr an Tragik und Tiefgang. „Camelot“ ist also im Vergleich zur unsäglichen „King Arthur“-Verfilmung ein großer Schritt in die richtige Richtung. Den Schauspielern wird Spielraum zur Entfaltung gegeben. Man fiebert immer mehr mit den Charakteren, sie alle haben gute und schlechte Eigenschaften, wenn auch die Darstellung dieser manchmal etwas einfältig ist. Und auch überraschend wird es an manchen Stellen. Wer sich zu Beginn beispielsweise darüber ärgert, dass die Liebesgeschichte zwischen Artus und Guinevere so kitschig ist, der wird sich spätestens am Ende verwundert umschauen, wie bitterböse eine Serie enden kann, denn dann wird all den Klischees und kitschigen Momenten ein Tritt in den Allerwertesten verpasst. Das ist grandios und grausam zugleich.

„Camelot“ verkauft sein Publikum letzten Endes also nicht für so doof, wie es noch in den ersten Folgen den Anschein macht. Intelligent ist zwar sicherlich etwas anderes, aber die Serie bleibt sich immer selbst treu, zieht ihr Ding durch, hat gut ausgearbeitete Figuren zu bieten und ist an einigen Stellen wirklich ungemein spannend. Das ist vor allem Eva Green alias Morgan zu verdanken, denn ihr Handeln ist kaum durchschaubar. Noch nach dem Abspann bleibt die Frau ein Rätsel, ein Monstrum an Persönlichkeit und eine der gelungensten Serienfiguren der letzten Jahre. Und auch wenn alle anderen ebenfalls keine schlechte Arbeit abliefern, so ist es doch ihr zu verschulden, dass die Serie nachwirkt und zumindest ein bisschen zum Nachdenken anregt.

Bewertung: 6/10 Sternen