"Can a Song Save Your Life?" (USA 2013) Kritik – John Carney lädt zur musikalischen Großstadthommage

Autor: Pascal Reis

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„You know, I wasn’t trying to win you over. I was telling you to fuck off.“

Mit seinem herrlich zurückgenommenen Musik(er)-Film „Once“ erlangte der irische Filmemacher John Carney internationale Reputation: Die Geschichte über einen Straßenmusiker und eine junge Pianistin, die nicht nur in ihrer gemeinsamen Passion zusammenfinden – natürlich war „Once“ eine Liebeserklärung an die Musik selbst -, versprühte eine ungeschönte Herzenswärme und ließ die beiden Laiendarsteller Glen Hansard und Markéta Irglová ohne jeden Ansatz von Prätention ihrer Wege gehen. Dass Carney inszenatorisch darin zwar noch keine Meisterklasse erreicht hatte, lässt sich nicht verheimlichen, doch die Aufrichtigkeit im Umgang mit seinen Charakteren konnte handwerkliche Mängel ein Stück weit kaschieren – Nicht zuletzt dadurch, dass „Once“ einer der Filme war, der Songs prinzipiell bis zum letzten Ton, bis zum letzten Zupfen an den Gitarrensaiten, hat ausklingen lassen. Nun hat John Carney seine irische Heimat verlassen und bringt mit „Can a Song Save Your Life?“ seine ersten rein amerikanische Produktion in die hiesigen Kinos.

Was wohl in jedem Fall wie in Stein gemeißelt steht: Einen Oscar für einen Song, mit dem „Once“ damals noch für „Falling Slowly“ honoriert wurde, wird „Can a Song Save Your Life?“ mit Gewissheit nicht erlangen. Dafür sind die vorgetragenen Lieder einfach zu generisch, sicher nichts, was man im Radio schnellstmöglich wegdrücken würde. Aber ein Song wie beispielsweise die Pop-Ballade „Lost Souls“, mit dem „Can a Song Save Your Life?“ die größte Emotionalität verbindet, fehlt der eingängige Einschlag wie man ihn noch in „Once“ mit sich herumtrug. Das soll also nicht heißen, dass sich „Can a Song Save Your Life?“ nicht gut anhört, gewiss nicht, dafür ist er auch viel zu vernarrt in die Magie der Musik und versucht wann immer er kann, diese auch auf den Zuschauer zu übertragen. Es ist ist nur einfach eine andere, eine weit weniger auratisch-rohe Güteklasse, mit der John Carney seine Lieder aufführen lässt. Da kommt es dann auch wenig überraschend, dass, wenn Keira Knightley dann mal ihre zarte Stimme zum Ausdruck bringen darf, sie eine Band unterstützt, die dem Sound in ihrer Gesamtheit eine viel weichgespültere Note verleiht.

Ja, „Can a Song Save Your Life?“ ist im Wesentlichen auf Massenkompatibilität getrimmt und um diese ausreizen, macht es natürlich mehr Sinn auf angenehmen Pop zu setzen, als noch den etwas brüsk erscheinenden Folk zu zentralisieren. Und es sind auch keine Laiendarsteller mehr, die uns mitnehmen auf ihrer gefühlvollen Reise, sondern gestandene Hollywoodstars. Von ihrem Freund Dave (Maroon 5-Frontsänger Adam Levine) fallen gelassen, findet sich Gretta (Keira Knightley, „Jack Ryan: Shadow Recruit“) auf dem Boden der Tatsachen wieder, nachdem sie für seine Karriere die britische Heimat verlassen hat und nun einsam durch die Straßen von Manhattan streunern muss. Dort begegnet sie dann auf dem ehemaligen Musikproduzenten Dan (Mark Ruffalo, „Marvel’s The Avengers“), der von seinem Partner Saul (Mos Def, „Per Anhalter durch die Galaxis“) gefeuert wurde und ebenfalls hilflos durch die Clubszene New Yorks irrt. Mit derartiger Prominenz im Schlepptau sollte der kommerzielle Erfolg natürlich nicht lange auf sich warten lassen und wie es zu erwarten war, performen sie alle, auch Adam Levine, dessen Dave nach und nach zur Karikatur verkommt, sehr solide.

Die Frage, die man sich bereits unweigerlich während des Abspanns stellen muss, ist: Bleibt irgendetwas von „Can a Song Save Your Life?“ auch noch in der nächsten Woche im Gedächtnis haften? Wartet dieser Film mit einer memorablen Stärke auf, die uns immer und immer wieder einholt, der wir uns im Umkehrschluss aber auch nur zu gerne stellen? Nein, „Can a Song Save Your Life?“ ist kein Werk für die Ewigkeit, dafür vergisst er sich dramaturgisch viel zu offensichtlich in der transparenten Tradition reichlich simpel gehaltener Feel-Good-Movies, deren Struktur das Drehbuch von „Can a Song Save Your Life?“ ja auch im Großen und Ganzen mit Entzücken schabloniert. Was dem Film aber in die Karten spielt und ihn über seine forcierte Massenkompatibilität hinaus auch irgendwo sympathisch macht, ist die absolute Nähe zu seinen Figuren: Die Kamera kennt größtenteils keine Distanz und saugt jede physiognomische Nuance nachhaltig auf. Wenn sich „Can a Song Save Your Life?“ dann noch als waschechte Großstadthommage aufgebäumt hat, gibt es hinten raus noch einen knappen Kommentar zur Digitalisierung der Musikszene: Natürlich schön optimistisch.