"Cast Away" (USA 2000) Kritik – Tom Hanks und sein einsamer Überlebenskampf

„Seht euch nur mein Werk an! Ich habe Feuer gemacht!“

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Regisseur Robert Zemeckis dürfte nicht nur Cineasten und Kritikern ein Begriff sein, sondern auch geradem dem Unterhaltungspublikum bekannt, denn die meisten seiner Filme, zielen doch direkt in den klaren Mainstreambereich, was aber an dieser Stelle nun nicht abwertend oder bösartig gemeint sein soll. Das fing schon mit seinem großen Einstieg in die Filmgeschichte an, der Zemeckis mit dem Abenteuerfilm ‚Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten‘ mit Michael Douglas und Kathleen Turner 1984 gut gelang. Und auch seine weitere Karriere lässt sich weiterhin gut lesen und ist mit Filmen wie ‚Zurück in die Zukunft‘, den zwei Fortsetzungen, ‚Falsches Spiel mit Roger Rabbit‘, ‚Der Tod steht ihr gut‘ und ‚Contact‘ stark bestückt. Seinen richtigen Erfolg, auch bei den Auszeichnungen und Preisen, durfte Zemeckis dann 1994 mit ‚Forrest Gump‘ feiern, der Tom Hanks auch endgültig zum Superstar machte. Inzwischen ist es um Zemeckis ziemlich still geworden und seine letzten Animationsfilme ‚Die Legende von Beowulf‘ und ‚Disney’s Eine Weihnachtsgeschichte‘ waren viel mehr Enttäuschungen, als eine Wiederbelebung der vergangenen glorreichen Tage. Seinen letzten Film mit richtigen Menschen und ohne Animationen inszenierte Zemeckis im Jahre 2000 mit ‚Cast Away‘ und lieferte damit auch ein überzeugendes Survival-Drama ab.

Chuck Noland ist Systemingenieur bei FedEx. Als er eigentlich mal wieder mit seiner Familie zu Weihnachten entspannen wollte, ruft erneut die Arbeit, doch an sein Ziel wird Chuck nie ankommen. Sein Flieger stürzt über dem Südpazifik ab und die Wellen treiben ihn auf eine einsame Insel. Nun ist Chuck vollkommen auf sich allein gestellt und hat als Hilfsmittel nur das, was ihm die Natur schenkt und was sich in den FedEx-Paketen versteckt, welche ebenfalls immer nach und nach an die Insel angespült werden…

Das Zemeckis seinen Film auf Monuriki, einer Inselgruppe der Mamanuca-Archipel, gedreht hat, trägt natürlich seinen Teil zur Authentizität des Films bei. Die tollen Kamerafahrten von Don Burgess, gerade aus der Vogelperspektive sind fantastisch. Aber auch die weiteren ruhigen Einstellungen der Insel sind eine wahre Augenfreude. Der weiße Sand, das hellblaue Wasser, die Felsen und die grüne Landschaft machen so einiges her. Genau wie Alan Silvestris gefühlvoller Score, der die Extremsituation wunderbar untermalt und die Emotionen des Hauptdarstellers toll unterstreicht. Und da wären wir auch gleich beim Dreh und Angelpunkt von ‚Cast Away‘: Tom Hanks. Heute ist Tom Hanks nur noch ein uninteressanter Schatten, der sich in Projekten wie ‚Extrem laut und unglaublich nah‘ oder ‚Larry Crowne‘ herumschlägt, doch in den 90ern und Anfang des neuen Jahrtausends war Hanks einer der besten Darsteller seiner Generation. Das zeigt er auch als leitender FedEx-Angestellter Chuck, den er mit so viel Emotionen ausfüllt und wirklich jedem Zuschauer näher bringen kann, so dass das mitfühlen wie mitleiden in jeden Moment ermöglicht wird.

Robert Zemeckis nimmt sich dem wohl schlimmsten Fall an, der einem Luftreisenden zustoßen kann, dabei wünscht sich doch jeder von uns einmal, einfach auf einer einsamen Insel zu entspannen und die Alltagssorgen vergessen zu können, nur nicht in dem Ausmaß und unter den Umständen, wie es unsere Hauptfigur in ‚Cast Away‘ erleben muss. Alles beginnt in Russland, wo Chuck gerade für seine internationalen Geschäfte unterwegs ist und die FedEx-Zentrale in Moskau koordiniert, doch die Heimat schreit schon nach ihm, genau wie seine Frau (Helen Hunt), die seine Ankunft sehnlichst erwartet. Weihnachten und die Feiertage stehen vor der Tür, Chuck möchte die Seele baumeln lassen und die Zeit mit seiner Frau genießen, obwohl sein Job einen ebenso hohen Stellenwert hat und Schnelligkeit wie Pünktlichkeit steht über allem. Aber Chuck wird schon wieder zu einem neuen Flug gerufen, der eigentlich nur kurz andauern sollte, doch es kommt mal wieder alles anders als erwartet. Das Flugzeug stürzt über den pazifischen Ozean an und nur Chuck überlebt den Absturz. Er findet sich auf einer vollkommen verlassenen und felsigen Insel wieder. Chuck muss seinen Lebensstil natürlich schlagartig ändern und sich der neuen unfreiwillig gewählten Umstände anpassen. Er muss sich sein essen selber fangen, aus Kokosnüssen und den Regen trinken und mit geringsten Mitteln irgendwie überleben. Ohne soziale Kontakte oder sonstige Bindungen ist er vollkommen auf sich gestellt und seine einzige Bezugsperson ist ein Volleyball namens Wilson. Als er es nach 4 Jahren Inselaufenthalt jedoch wagt, von ihr zu verschwinden und in seinem alten Umfeld wieder auftaucht, muss er feststellen, dass natürlich nichts mehr so ist, wie es einmal war und das Leben auch ohne ihn weitergehen musste, dabei war es doch gerade seine Frau, die ihn die schwere Zeit irgendwie durchstehen lassen hat.

Robert Zemeckis teilt ‚Cast Away‘ in drei klare Teile ein: vor dem Absturz, auf der Insel und die schwere Rückkehr. Dabei schickt Zemeckis Chuck von einem Gefühlschaos direkt wieder in ein nächstes. Die Einsamkeit der Lage, die anfängliche Hilflosigkeit und das Trennen von alten Gewohnheiten, wird uns in einer exzellente One-Man-Show nähergebracht. Doch auch in der Heimat wird es vorerst nicht besser, denn Chuck ist bereits für tot erklärt worden, seine Frau hat einen neuen Mann und er selbst kann sich nur schwer wieder in die Gesellschaft eingliedern, was natürlich klar ist, wenn man bedenkt, dass er seit Jahren nur Selbstgespräche mit einem Volleyball geführt hat. ‚Cast Away‘ kann eine emotionale Intensität hervorrufen, die sich ohne Probleme mit dem Realismus von Zemeckis Inszenierung verbinden kann, um sich langsam um den Zuschauer zu klammern. Wir hoffen gemeinsam, leiden, schöpfen Mut, verlieren ihn wieder und ein normales „bis gleich“ nimmt ganz neue Dimensionen an. Fast dokumentarisch begleiten wir Chuck auf seinem schweren Leidensweg, von der Zivilisation in die Katastrophe und wieder zurück. Was äußerst schade ist, ist die Tatsache, dass Zemeckis uns nicht die Insel erkunden lässt und fast ausschließlich am Strand verweilt, auch über einige Längen zwischendurch kann der Film nicht hinwegarbeiten. Nichtsdestotrotz bleibt ‚Cast Away‘ ein mehr als überdurchschnittliches und sehr gutes wie spürbares Abenteuer-Drama.

Fazit: Zemeckis letzte Arbeit mit richtigen Schauspielern erweist sich erneut als guter Film, der vor allem von seinem tollen Hauptdarsteller Tom Hanks lebt. Dazu die tollen Aufnahmen, der schöne Score und Zemeckis klare Inszenierung machen ‚Cast Away‘ sicher zu einem besonderen Film, der auf seiner emotionalen Basis toll funktioniert, zwar seine Schwächen hat, aber trotzdem immer wieder gesehen werden kann.

Bewertung: 7/10 Sternen