Kritik: Celeste & Jesse (USA 2012)

Autor: Conrad Mildner

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„Sich von mir zu trennen war das beste, was er je hingekriegt hat. ich sollte mich auch von mir trennen.

Es fällt schwer bei der Menge an großartigen Comedy-Serien aus den USA noch den Überblick zu behalten und damit meine ich nicht glattgebügeltes Massenopium wie „How I Met Your Mother“, „Two and a Half Man“ oder „The Big Bang Theory“. Ich spreche von den originellen Perlen wie „Modern Family“, „Community“ oder „Parks and Recreation“. Letztere war auch die Startrampe für Quincy-Jones-Tochter Rashida, die nun mit „Celeste & Jesse“ zum Indie-Großangriff ansetzt.

Celeste (Rashida Jones) und Jesse (Andy Samberg) sind seit Monaten getrennt und dennoch wohnen sie immer noch Tür an Tür und verbringen ihre Zeit zusammen als wäre nichts gewesen. Jesse hofft insgeheim auf eine Fortsetzung der Beziehung. Celeste behält Jesse bei sich um nicht aus ihrer Comfort-Zone zu rutschen. Als Jesse aber eine neue Freundin findet, wird sich Celeste klar, was sie verloren hat. Nur ist es jetzt nicht schon zu spät?

Rashida Jones schrieb das Drehbuch zusammen mit Schauspielkollege Will McCormack. Sie erfüllte sich damit einen lang gehegten Traum und konnte sich so auch eine tolle Rolle verschaffen. Zu jeder Sekunde wird klar wie viel Spaß Jones beim Spielen der Celeste hat. Dazu kommt, dass ihre Rolle auch das einzig besondere an der doch recht konventionellen Indie-Komödie ist. Schade ist, dass Jones Partner Andy Samberg zahm und blass bleibt. Es ist zwar erfreulich, dass sich der bekannte Comedian in so eine nachdenkliche Rolle geworfen hat, aber ein bisschen mehr überraschenden Verve hätten wir uns für das „The Lonely Island“-Mastermind schon gewünscht.

Regie-Handwerker Lee Toland Krieger inszeniert „Celeste & Jesse“ mit der Reinlichkeit eines iPhone-Putztuchs. Jede Oberfläche glänzt. Es gibt schöne Frauen, Chai-Latte und veganen Seetang-Salat. Angebissene Äpfel an Computerbildschirmen und weiße Wände soweit das Auge reicht. Ein bisschen wirkt es als ob Krieger und Kameramann David Lanzenberg einen überlangen Imagefilm für das Jobs-Imperium gedreht hätten.

Die seichte Aufmachung von „Celeste & Jesse“ kann aber auch schlecht die guten Seiten des Films verschleiern, denn auch wenn Celestes Charakter das Interesse am Film allein stemmen muss, fesselt ihre Figur und Rashida Jones Darstellung bis zum Schluss. Es macht zudem einen gewissen Spaß der glänzenden Karrieristin beim Abstieg ins Liebeschaos zuzuschauen, von der Marketingexpertin zur Alkoholikern. Das klingt jetzt zwar recht düster, aber keine Sorge, „Celeste & Jesse“ hält immer einen Silberstreif bereit, kommt aber nie in die reizenden Höhen der gleichnamigen Rom-Com „Silver Linings“ von David O. Russell.

Am Ende bleibt ein kluges aber unausgewogenes Drehbuch, das Jesses Figur teilweise zum Statisten degradiert und auch mit ein paar seltsamen Gags aufwartet. Elijah Woods schwule Figur und die dazugehörigen Witze sind teilweise so erzwungen und blöd, dass man sich häuten möchte. Julia Roberts Nichte Emma macht dafür wieder einen tollen Job als furchtloses Pop-Sternchen. Es schaukelt ständig bei „Celeste & Jesse“, wie auch in deren Beziehung, vom Apple-Chic bis zum Drogenexzess, die kommerzielle Perversion eines Indiefilms und bei weitem nicht so gut wie die Rashida-Jones-Sitcom „Parks and Recreation“.