Charakterköpfe der Filmgeschichte – Johnny Depp und sein gelungener Imagewechsel

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Seinem Nachnamen wird der heutige Charakterkopf nicht wirklich treu, auch wenn er bei seiner Rollenwahl nicht immer den besten Geschmack bewiesen hat. Aber wer hat schon eine durchgehend exzellente Karriere vorzuweisen? Die Wenigsten. Es geht hier also heute um einen Darsteller, durchaus nicht immer im Bereich der Perfektion, der die Masse dennoch auf seiner Seite hat und nur einen kleinen Teil der Menschen noch nicht von seinem Können überzeugt hat, aber das lässt sich entweder auf die schwierige Geschmacksfrage, oder auf den Neid zurückführen. Hier geht es um eine Person, die zu den beliebtesten Superstars der Welt gehört und allein durch ihr legeres Auftreten begeistern kann. Und mit Sicherheit ist dieser Mensch kein aalglatter Bubi, der zwar die Herzen der Frauen auf seiner Seite hat, aber auch die Männer für sich begeistern kann und ab und an sicher auch mal einen männlichen Liebesbrief in seinem Postfach vorfinden darf. Charme hat der Mann, keine Frage, auch wenn ihn alle als Depp bezeichnen. Jedoch ist er nicht irgendein Depp, sondern der einmalige Johnny Depp.

Aber auch die Karriere von Johnny Depp lief nicht immer reibungslos, was sich an erster Stelle aus kommerzieller und persönlicher Sicht von ihm bestätigen lässt. Durch seine Hauptrolle in der TV-Serie „21 Jump Street“ (1987-1990), in der Depp einen Undercover-Polizisten spielte, wurde der damals 26 jährige zum Schwarm aller Teenager, der mit seinem zurückhaltenden Grinsen die Herzen besagter Mädchen zu Purzelbäumen animierte. Zuvor waren es eher kleinere Rollen im Horror-Klassiker „Nightmare on Elm Street“ (1984) und dem Kriegsfilm „Platoon“ (1986), in denen Depp zu sehen war, allerdings nichts von seinem Talent beweisen konnte und schon gar nicht als kommenden Superstar in den Sinn kam. Wes Craven gibt heute gerne zu, er habe Johnny Depp nur für seinen Film genommen, weil ihn Hauptdarstellerin Heather Langenkamp süß fand. Nach seinem Auftritt in „21 Jump Street“, hatte Johnny Depp also erst mal zwei klare Ziele vor Augen. Zum einen wollte er sein von ihm verachtetes Teenie-Image möglichst schnell abwerfen, und zum anderen, wollte er sich auch einen besonderen Ruf in der Filmwelt schaffen. Depp wollte ein Unikat werden, ein Darsteller, der für etwas ganz Eigenes steht. Mit der Musical-Parodie „Cry Baby“ (1990) von John Waters, gelang der große richtungsweisende Knall noch nicht, obwohl Depp als Elvis Jr. eine ansehnliche Figur machte, und der Film verschwand schnell in den Unweiten der Filmregale.

Es sollte also an dem Exzentriker Tim Burton liegen, der Johnny Depp unter seine Fittiche nahm, ihm eine Rolle gab, die passender nicht sein konnte und ihm auch zu dem Ruf verhalf, den Depp sich immer gewünscht hat. Er stand endlich für den etwas anderen Schauspieler, der sich nicht der breiten Masse hingab und sich nicht so verbiegen ließ, wie die Traumfabrik es gerne hätte. Gemeint ist natürlich „Edward mit den Scherenhänden“ (1993), der nicht nur für den Beginn der grandiosen Zusammenarbeit zweier Paradiesvögel stand, sondern auch für Johnny Depps Ankunft in der Filmwelt. Es war der Anbeginn der Zeit, in der man gut und gerne mal einen schrägen Blick kassierte, wenn man äußerte, dass man Johnny Depp Fan sei. „Johnny Depp? Ich weiß nicht. Der ist doch irgendwie komisch und eigenartig.“ Ein Satz, der zum ständigen Begleiter wurde. Aber Johnny Depp blieb sich treu, zum Glück. Was folgte waren Auftritte in „Arizona Dream“ (1993), „Benny und Joon“ (1993), „Gilbert Grape“ (1993) und „Ed Wood“ (1994), in denen Johnny Depp sicher nicht gerade die normalsten Charaktere der Filmgeschichte verkörperte. Außerhalb der Filmwelt feuerte Depp gleichzeitig sein ganz eigenes Rebellenimage immer weiter an.

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Erst im Jahre 1995 nahm Johnny Depp eine Rolle an, die ihm sein Äußeres einbrachte: „Don Juan DeMarco“. Der legendäre Frauenschwarm und Herzensbrecher, der Schürzenjäger und Bettenspringer. Eine Ausnahme, denn eigentlich war es genau die Rolle, die Depp vermeiden wollte. Depp versuchte sich kurz darauf in John Badhams „Gegen die Zeit“ (1995), in der er jeder Skurrilität den Rücken kehrte und einen Standarddaddy in einer Extremsituation mimte. Eine ungewohnte Rolle, die Depp in seiner ganzen Simplizität dennoch zu meistern wusste. Danach nahm alles seinen starken Lauf. Es folgten das Mafia-Drama „Donnie Brasco“ (1997), seine erste eigene Regiearbeit „The Brave“ (1997), für die er sogar Marlon Brando gewinnen konnte, allerdings erwies sich der Film als kolossaler Flop, und auch sein legendärer Auftritt in Terry Gilliams „Fear and Loathing in Las Vegas“ (1998), in dem er das Alter Ego seines Kumpanen Hunter S. Thompson genial darstellte. Wer sich etwas mit Thompson beschäftigt hat, der wird sich an dieser Stelle ein Lächeln nicht verkneifen können und zugeben, dass die beiden Männer einfach wie Topf und Deckel zusammenpassten. Man kann sich wohl kaum ausmalen, was für ein Gefühl durch Johnny Depps Körper strömte, als er die Asche seines langjährigen Freundes 2005 in den Himmel schoss und ihm die ewige Freiheit schenkte. Mit Roman Polanskis „Die neun Pforten“ (1999), Tim Burtons „Sleepy Hollow“ (1999), „Blow“ (2001) und „From Hell“ (2001), ging die persönliche Erfolgsserie weiter und der in Frankreich lebende Star konnte sein vorhandenes Talent in standhaftes Können umbauen und sich als ein ernstzunehmender Darsteller in der Filmwelt etablieren.

Danach sollte dann ein kleiner Karrierewandel folgen. Mit seinem Auftritt als torkelnder Pirat in „Fluch der Karibik“ (2003), hat sich der Weltstar nicht nur einen Kindheitswunsch erfüllt, sondern auch gleichzeitig sein Rebellenimage vollständig abgelegt und der Traumfabrik mit dem Blockbuster zu einem der größten Erfolge überhaupt verholfen. Das soll an dieser Stelle jedoch nicht negativ sein, denn Depps Performance war großartig und die Oscar Nominierung für seine Captain Jack Sparrow Interpretation kam nicht von ungefähr. Über das Mitwirken in den drei Fortsetzungen kann man streiten und auch darüber, dass Depp seinen Jack Sparrow auch in anderen Filmen raushängen lässt. Doch seine Vorstellungen als CIA-Agent Sands in „Irgendwan in Mexiko“ (2003), als James Matthew Barries in „Wenn Träume fliegen lernen“ (2004), als Willy Wonka in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (2005), als teuflischer Barbier in „Sweeney Todd“ (2007), als John Dillinger in „Public Enemies“ (2010) und auch als erwachender Vampir in „Dark Shadows“ (2012) sind Bespiele genug, die die wiederholenden Darstellung verblassen lassen. Depp weiß was er tut, auch wenn er seine Rollen nicht mehr mit der Sorgfalt wie in den 1990er Jahre wählt und sich mal einen Fauxpas wie in „The Tourist“ leistet. Was man natürlich auch nicht unerwähnt lassen sollte, ist die Tatsache, dass Johnny Depp sich auch als Synchronsprecher in Filme wie „Rango“ (2011) und „Corpse Bride“ (2007) mit viel Erfolg bewiesen hat.

Was soll man schlussendlich über Johnny Depp noch sagen? Er ist der Sexiest Man Alive, er trägt gerne Schminke, geht kaum noch ohne Hut aus dem Haus, ist leidenschaftlicher Kettenraucher, sieht mit 50 Jahren noch aus wie 30, hat krankhafte Angst vor Clowns, läuft im lockeren Schlabberlook durch die Gegend, ist Frisurentechnisch über alle Zweifeln erhaben und ist ein wirklich fantastischer Schauspieler, den man doch einfach lieben muss. Charismatisch, bodenständig, sympathisch, gefragt, erfolgreich, extrem cool, wandelbar und nicht mehr wegzudenken aus der Filmwelt. Seine Wandlung, vom Teeniestar zum Rebell und schließlich zum kommerziellen Topverdiener ist sicher eine Sache, die viele stören wird, doch Johnny Depp bleibt simpel gesagt immer Johnny Depp, egal was er macht. Man darf sich auf das freuen, was Depp uns in Zukunft noch servieren wird, ob mit seiner Arbeitsehefrau Tim Burton oder mit wem auch immer. Johnny Depp hat seinen hohen Stand ohne Frage mehr als nur verdient und weiß es immer wieder, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und das wird auch so bleiben.

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