"Conjuring – Die Heimsuchung" (USA 2013) Kritik – Die Rückkehr des klassischen Gruselkinos

Autor: Stefan Geisler

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„Look what she made me do.“

Knarzende Dielen, klappernde Fenster und unerklärliche Laute aus dem Keller: Das klassische Gruselkino ist wieder auf die große Leinwand zurückgekehrt. Endlich definiert sich Horror nicht mehr alleine durch die Menge an Kunstblut, die während magenverdrehender Schnetzelorgien vergossen werden. Regisseure wie Ti West („The Innkeepers“) oder Lucky McKee („The Woman“) sind die neuen Hoffnungsträger des Genres und bringen mit ihrem fast schon altmodischen Grusel einen frischen Wind in das blutrünstigste aller Film-Genres. Denn diese Regisseure erinnern uns daran, dass es keinen größeren Horror geben kann, als der, der sich in unserem Kopf abspielt. Zu den neuen Größen des Horrorkinos gehört auch James Wan. Dieser sorgte bereits 2004 mit der Folter-Orgie „Saw“ für aufsehen. Wer jedoch den Regisseur nur auf diesen Film reduzieren würde, täte dem Mann unrecht, denn am wohlsten fühlt sich dieser eindeutig im klassischen Gruselkino, wie er bereits mehrfach ( „Dead Silence“, „Insidious“) unter Beweis stellen konnte. Auch mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ schlägt der Filmemacher wieder eine ähnliche Richtung ein, bringt er hier doch die „wahren“ Ereignisse rund um das Amityville-Horror-Haus auf die Leinwand. Zwar betritt Wan hier definitiv kein Genre-Neuland, dennoch ist „Conjuring – Die Heimsuchung“ ein unterhaltsamer Oldschool-Grusler, der seinen besonderen Reiz aus Wans perfektem Gespür für das richtige Grusel-Timing erhält.

Sommer, Sonne, neues Heim: Das Ehepaar Perron beschließt mit ihren fünf Töchtern aus der lauten, dreckigen Stadt in ein neues Haus auf dem Land zu ziehen und noch einmal einen Neuanfang zu wagen. Doch das neue Familienglück beginnt sich schon bald in einen echten Albtraum zu verwandeln, als sich unerklärliche Dinge in dem einsamen Landhaus zutragen. Schließlich hält es Carolyn Perron (Lili Taylor) nicht mehr aus und sucht das Dämonologen-Ehepaar Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) auf, und schildert ihnen die unheimlichen Vorkommnisse. Trotz einiger Bedenken sichern die Warrens zu, dass sie sich mit den unheimlichen Phänomenen im Haus der Perrons näher befassen werden und schon nach dem ersten Besuch wird klar, dass es in diesem Haus wirklich nicht mit rechten Dingen zugeht…

James Wan verlässt sich in „Conjuring – Die Heimsuchung“ auf altbewährte Horror-Elemente: Trippelnde Schritte aus dem oberen Stockwerk, ein Lachen aus dem Keller und sich wie von Geisterhand öffnende Türen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, denn ein Horrorfilm muss nicht zwingend durch Originalität bestechen, wenn es der Regisseur versteht, die Grusel-Sequenzen gekonnt in Szene zu setzen. Schließlich ist es nicht der Augenblick des offenbarten Grauens selbst, der uns den Schweiß auf die Stirn treibt, sondern die unerträglich qualvollen Sekunden bis zum finalen Schreck-Moment. Und James Wan beherrscht diese Tortur wie kein Zweiter: Gekonnt und mit wirkungsvollen Kamerafahrten weiß er die Spannung in einer Szene aufzubauen, bis man als Zuschauer direkt um den finalen Buh-Effekt fleht, um endlich wieder innerlich zur Ruhe zu kommen.

Wie schon in „Insidious“ gestaltet sich auch diesmal wieder James Wans skurriles Grusel-Figurenkabinett als extrem unterhaltsam: Einerseits furchterregend und doch immer knapp an der Grenze zur Lächerlichkeit. Egal ob verunstaltete Kinderpuppe, fette Mutter im Keller oder sadistische Hexe, die immer für einen makaberen Spaß zu haben ist, Wan lässt seiner Fantasie freien Lauf und stellt hier ein verrücktes Horror-Ensemble zusammen, bei dem man nicht weiß, ob man nun lachen oder doch lieber panisch den Raum verlassen sollte.

So perfekt Wan den Horror in Szene setzen kann, so plump inszeniert er auf der anderen Seite das Zwischenmenschliche. Statt auf die Macht der Worte oder das schauspielerische Können des teilweise großartig besetzten Casts (allen voran Patrick Wilson als „Real-Life-Ghostbuster“ Ed Warren) zu vertrauen, hat er sich dazu entschlossen, die emotionalen Momente in „Conjuring – Die Heimsuchung“ noch mit einem unangenehm aufdringlichen Soundtrack zu versehen. Schließlich soll der Zuschauer auch unter Garantie mitkriegen, dass hier gerade „echte Gefühle“ auf die Leinwand gebannt wurden. Und auch in der sonst so abgedrehten und herrlich furiosen Exorzismus-Szene verhindert eine allzu kitschige, fast schon biedere Auflösung den ganz großen Wurf. Hier siegen Familienwerte noch über die manipulative Macht des Satans, na Gott sei Dank.

Fazit: James Wan stellt in „Conjuring – Die Heimsuchung“ einmal mehr unter Beweis, dass er Horror perfekt in Szene setzen kann. Fans atmosphärischer Haunted-House-/Exorzismus-Filme sollten sich dieses Gruselvergnügen trotz einiger Abzüge in der B-Note keinesfalls entgehen lassen.