"Contraband" (USA 2012) Kritik – Die Vergangenheit lässt Mark Wahlberg nicht los

„Man sollte bei dem bleiben, was man kann.“

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Immer deutlicher macht es sich bemerkbar, dass es nicht nur amerikanische Schauspieler oder Regisseure sind, die in der Filmwelt Fuß fassen können, sondern auch ausländische, die ihre Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellen und damit klarmachen, dass es noch unzählige Könner gibt, auch über den großen Teich hinaus. Da dürfen wir von Ang Lee („Brokeback Mountain“), Oren Moverman („The Messenger“), oder dem einstigen Wunderkind M.Night Shymalan („The Happening“) sprechen, auch wenn dieser inzwischen nur noch ein Schatten seiner tollen Anfangszeit ist. Aber auch in Europa findet man genügend Talente, welche sich langsam im Land der unbegrenzten Möglichkeiten austoben können. Ob es der Unger Nimrod Antal, der Däne Nicolas Winding Refn oder die deutsche Nachkriegslegende Werner Herzog ist, der sich inzwischen auch in Amerika einen Namen gemacht hat. Aus der Sicht der Schauspieler wären wohl klar Mads Mikkelsen, Javier Bardem und Christoph Waltz zu nennen. Mit dem Isländer Baltasar Kormákar betrat 2012 ein ganz neuer und ebenso interessanter Regiseur die Hollywoodbühne und im Gepäck hatte er das Remake „Contraband“, vom isländischen Schmuggler-Thriller „Reykjavik-Rotterdam“.

Ein Leben in Ruhe und Sorglosigkeit führen. Davon träumt Chris Farraday. Schön wär’s! Eigentlich ist er schon seit Jahren aus dem Schmugglergeschäft ausgetreten, doch wie das ebenso ist, lässt die Vergangenheit ihn nicht los und ausgerechnet sein Schwager Andy verbockt einen Job für den Gangsterboss Briss. Chris muss ein letztes Mal auf seine vergangenen Talente besinnen und seine alten Kumpels zusammentrommeln, um eine große Menge Falschgeld aus Mittelamerika in die USA zu schleusen. Mit seinem besten Freund Sebastian verfasst er den Plan und die Aktion kann beginnen, doch nicht nur der Drogenbaron Gonzalo wird dem ehemaligen Meisterschmuggler zum Problem, sondern auch Briggs, der immer stärker Chris‘ Frau Kate tyrannisiert…

An erster Stelle kann „Contraband“ mit seiner wirklich tollen Optik überzeugen. Die blasse Düsternis, die die Bilder wunderbar umklammert ist auch Kameramann Barry Ackroyd zu verdanken, der ebenfalls tolle Arbeit leistet, auch wenn er an einigen Stellen des Films bei seiner Führung etwas hastig wirkt. Der grau-blaue Schleier auf den Aufnahmen macht so einiges her und das unterkühlte Feeling wird toll auf den Zuschauer übertragen. Dabei sind es gerade die weiten Einstellungen und die Ansicht von oben über dem Schiff auf dem Panamakanal, oder der peruanischen Slums. Auch schauspielerisch gibt es kaum etwas zu bemängeln und „Contraband“ hat einiges an Klasse zu bieten. In der Hauptrolle hätten wir Mark Wahlberg („Boogie Nights“) als Chris, der zwar keine Charakterleistung hinlegt, aber genug Charisma besitzt, um seine Rolle ohne Probleme auszufüllen. Auch die weiteren Rollen sind mit Ben Foster („Todeszug nach Yuma“), Giovanni Ribisi („Lost in Translation“), Diego Lugano („Milk“), J.K. Simmons („Spider-Man“) und Kate Beckinsale („Underworld“) stark besetzt, wenn auch im Fall von Foster etwas verschenkt, weil er viel zu wenige Szenen zugesprochen bekommt.

Mit dem Hauptcharakter Chris kriegen wir eine Figur, die wir so schon unzählige Male geboten bekommen haben. Chris war in seiner Vergangenheit ein der besten Schmuggler überhaupt. Einer der Typen, auf die immer verlass war und ihr Ding bis zum Ende ohne Probleme durchgezogen haben. Aber die Kriminalität reicht ihm endgültig und er versucht ein bürgerliches und entspanntes Leben als Sicherheitsangestellter zu führen, um seine zwei Kinder und die geliebte Frau zu schützen und ihnen ein sicheres Dasein zu bieten. Doch der Bruder von Chris‘ Frau Kate versaut einen Drogendeal gehörig und der Gangsterboss Briggs versteht in dieser Hinsicht überhaupt keinen Spaß. Er stellt Chris Schwager unter Druck und droht auch der gesamten Familie etwas anzutun. Dementsprechend muss Chris wieder in seine alte Rolle schlüpfen, das alte Handwerk aufgreifen, mit seinem Kumpel Sebastian, dem er auch seine Familie anvertraut, einen Plan aushecken und sich erneut aus Messers Schneide begeben. Ein Fehler könnte ihm all das verbauen, was er sich in den Jahren aufgebaut hat. Doch die Lagen spitzen sich immer weiter zu, denn auf dem Schiff wird langsam Verdacht geschöpft und im trauten Heim macht der psychopathische Briggs sich immer wieder an der Frau von Chris zu schaffen. Kommt einem doch in den klaren Ansätzen schon ziemlich bekannt vor. Doch Regisseur Baltasar Kormákar verliert sich zu keiner Sekunde in gähnender Langeweile.

Im Original „Reykjavik-Rotterdam“ hat Kormákar noch selbst die Hauptrolle gespielt, nun nimmt er bei seinem Debüt auf dem Regiestuhl Platz. Eine gute Entscheidung wie sich herausstellen sollte. „Contraband“ ist in erster Linie ein klarer Heist-Thriller, in dem ein Batzen Falschgeld von A nach B transportiert werden muss und das bis ins kleinste Detail geplant. Sicher bietet Kormákar hier keine Weltneuheiten auch jene, die das isländische Original kennen, werden schnell wissen, wie der Hase läuft, doch das stört rein gar nicht, denn „Contraband“ hat vor allem eines: Tempo. Kormákar inszenierte seinen Thriller mit viel Zündstoff und lässt kaum Zeit, um mal wirklich zu verschnaufen, dabei fallen auch die kleineren Logiklöcher weniger auf, denn bis diese wirklich realisiert wurden, stecken wir schon in der nächsten brenzligen Situation. Auf der anderen Seite ist „Contraband“ jedoch eine Art Psycho-Thriller, der sich um die Angriffe von Briggs auf Kate dreht, der die verzweifelte Frau immer weiter in die Enge drängt. Aber in diesem dreckigen Spiel werden noch manche Identitäten, die zwar im Vorfeld recht schnell aufgedeckt werden können, geklärt. „Contraband“ bietet einfach gute Unterhaltung, die zwar durch ihren klaren Ablauf vorhersehbar ist, aber keine Langeweile zulässt und jede Minute auszufüllen weiß. Freunde werden zu Feinden, die Vergangenheit wird zur Gegenwart und „Contraband“ zum sehenswerten Genre-Beitrag.

Fazit: „Contraband“ ist nicht im Ansatz so schlecht, wie er immer gemacht wird. Baltasar Kormákar inszeniert einen klaren, straffen und durchgehend spannenden Thriller um eine Schmugglerbande. Das ist zwar nicht innovativ, aber unterhaltsam. Dazu das tolle Ensemble und die feine Optik und fertig ist gute und durchaus sehenswerte Abendunterhaltung.

Bewertung: 6/10 Sternen