"Cop Land" (USA 1997) Kritik – Die gnadenlosen Seiten des Gesetzes

„Niemand steht über dem Gesetz.“

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Die Großstädte in aller Welt sind nicht nur maßgebliche Orte für jede Menge feierlichen Spaßes, beeindruckende Sehenswürdigkeiten, die die Jahrhunderte kraftvoll überstanden haben und beliebte wie entspannende Reiseziele, um die Seele einfach mal locker baumeln zu lassen, sondern sie sind auch die perfekten Standpunkte für die Entfaltung der ausweglosen Kriminalität. Drogenhandel, Gewaltverbrechen, Menschenhandel und Zwangsprostitution sind hier die brisanten Stichworte. Natürlich ist das nicht in jedem Fall so und es würde sich wohl niemand erlauben, eine Stadt wie Düsseldorf mit Mexico City oder Marseille zu vergleichen. Ob es sich dabei nun um Kleinkriminelle oder die Mafia handelt, ist vorerst vollkommen nebensächlich – Verbrechen gibt es ausnahmslos auf der ganzen Welt und die Kriminalitätsrate steigt weltweit rapide in die Höhe. Wenn man nun vom filmischen Standpunkt ausgeht, dann wird man auch schnell zugeben, dass es schier unzählige Werke zum Thema Kriminalität & Verbrechensbekämpfung gibt, die sich immer wieder aus anderen Blickwinkeln an die Probleme heranwagen, wenn auch nicht durchgehend hochklassig. James Mangold („Walk the Line“, „Todeszug nach Yuma“) trat 1997 mit seinem starken Thriller „Cop Land“ genau in diese Sparte.

Im New Yorker Vorstädtchen Garrison scheint die Welt noch in Ordnung, denn in dem ruhigen Kaff, welches in den 1970er Jahren daafür gebaut wurde, um den New Yorker Polizisten ein sicheres Zuhause zu bieten, leben dementsprechend nur Ordnungshüter und ihre Familien. Hier hat Dorfsheriff Freddy Heflin das Sagen, der es aufgrund seiner einseitigen Taubheit nie nach New York geschafft hat und von den anderen Polizisten wegen seiner etwas unbeweglichen Art gerne belächelt wird. Als der junge Polizist Babitch zwei afroamerikanische Jugendliche erschießt, stehen die Probleme schnell vor der Tür und Babitch, den jeder nur als „Superboy“ kennt, muss mit Hilfe seines Onkels Ray, ein einflussreicher Cop, verschwinden. Daraufhin beginnt Moe Tilden im Fall Babitch zu ermitteln, während Freddy immer deutlicher feststellen muss, das in Garrison die Gesetze auch etwas anders laufen, als er sich eigentlich wünscht…

Das Beeindruckende an „Cop Land“ ist in erster Linie der mehr als hochklassige Cast. In der Hauptrolle sehen wir Action-Star Sylvester Stallone („Rambo“), der den gutgläubigen und freundlichen Sheriff Freddy Heflin mimt. Stallone hat sich seinen Ruf nicht durch ausgefeilte Charakter-Darstellungen angeeignet, sondern vordergründig durch seine Muskeln. In „Cop Land“ beweist der gebürtige New Yorker, wie auch in „Rocky“, dass er durchaus in der Lage ist, eine Figur mit dem nötigen Feingefühl auszuspielen und eine emotionale Grundbasis anzufertigen, die nicht statisch wirkt, sondern glaubwürdig. Neben Sylvester Stallone sind Kaliber wie Ray Liotta („Narc“), Harvey Keitel („From Dusk Till Dawn“) und Robert De Niro („The King of Comedy“) vertreten, die zwar nicht den gleichen Raum wie Stallone geschenkt bekommen und immer wieder in den Hintergrund gedrängt werden, dafür aber in ihren Einsätzen wie gewohnt überzeugen, vor allem Ray Liotta zeigt sich hier von einer seiner besten Seiten. Dazu sind dann noch noch Robert Patrick („Terminator 2“), Michael Rapaport („True Romance“), Janeane Garofalo („Stay“) und Noah Emmerich („Die Truman Show“) mit von der Partie, die den Cast vervollständigen.

Innovativ ist „Cop Land“ nicht im Geringsten. Wir bekommen die Hölle (New York) und den unscheinbaren Vorhof (Garrison) dieser vorgestellt. Die New Yorker Polizisten kennen die Abgründe der Kriminalität, wissen, wie die Gesetze umgangen werden und wie reizvoll ein Regelbruch sein kann, selbst für die Ordnungshüter. Und hier kommen wir zu der Thematik, die sich seit Jahrzehnten durch die Filmgeschichte zieht: Korruption und der geregelte Wert der Gesetze. In „Cop Land“ scheint jeder Charakter mit seinen Probleme zu kämpfen, nur einer von ihnen hat sich offensichtlich nicht auf die falsche Seite geschlagen: Sheriff Freddy. Die gutherzige, aber auch tragische Figur des Films. Gerne belächelt und nie für voll genommen, kümmert er sich um Lappalien: Die fehlerhafte Müllentsorgung und Kinderraufereien. Bis auch er feststellen muss, das die bebende Ungerechtigkeit, die für ihn nur in der Großstadt wirklich vertreten war, längst in seiner Nachbarschaft angekommen ist. „Cop Land“ wird zu einem Thriller, der sich nicht nur um die Bestechlichkeit und die ethische Korrektheit der Gesetzeshüter kümmert, sondern auch um den Nepotismus, der die persönliche Sachlage immer tiefer in den moralischen Sumpf zieht. Dennoch muss man zugeben, so spannend und routiniert Mangolds Inszenierung auch sein mag, der Verlauf wirkt nach wie vor konstruiert und altbekannt.

Fazit: Allein wegen der herausragenden Besetzung, erwartet man von vornherein ein Meisterwerk. Den Erwartungen kann „Cop Land“ jedoch nicht standhalten, denn zum einen, kann sich nur Sylvester Stallone wirklich in den Vordergrund spielen und zum anderen ist die Story rundum Korruption und moralische Standhaftigkeit ein alter Hut. „Cop Land“ ist dennoch spannend inszeniert und kann den Zuschauer durchgehend bei Laune halten, auch wenn man hier kein meisterhaftes Cop-Drama geboten bekommen, sondern sich letztlich mit einem durchaus überdurchschnittlich starken Film anfreunden muss.