"Cowboys & Aliens" (USA 2011) Kritik – Daniel Craig im Kampf gegen fiese Aliens

„Heute ist nicht dein Glückstag, Fremder!“

null

Comic-Verfilmungen boomen das Geschäft. Jeder möchte einen Comic auf die Leinwand bringen, jeder will einen Comic-Helden spielen, die Gerüchteküche brodelt und es wird wohl lange Zeit keinen Stillstand um dieses Thema geben. Wird Christopher Nolan doch noch einen Batman drehen? Dürfen wir Daredevil in Gestalt von Josh Hartnett wirklich bewundern und wann ist Paul Giamatti endlich in „The Goon“ zu sehen? Fragen über Fragen. Die einen finden es nervig, die anderen stürzen sich nur zu gerne eine Diskussion, die noch nicht mal Dingfest sind. Zu den populärsten Comic-Verfilmungen zählen auch Jon Favreaus „Iron Man“ und „Iron Man 2“, in denen Robert Downey Jr. als selbstironischer Millionär in den Kampfanzug stieg und es so richtig krachen ließ. Qualitativ waren beide Filme klar über dem Durchschnitt, wobei sich Favreau in der Fortsetzung zuweilen etwas verzettelt hatte. Aber der New Yorker Regisseur hat die Nase noch lange nicht voll von Comics und widmete sich im Jahre 2011 Scott Michell Rosenbergs „Cowboys & Aliens“. Das Endergebnis ist jedoch eine herbe Enttäuschung.

Ein Fremder wacht irgendwo in der Wüste auf, ohne jegliche Erinnerungen, nicht mal seinen eigenen Namen weiß der Mann. An seinem Arm befindet sich ein seltsam, metallenes Gerät und der erste Ärger wartet schon auf den Fremden. Allerdings hat er nicht alles vergessen, denn seine Kampfkünste sprechen für sich. Als der Fremde in die trockene Stadt Silver City kommt, macht man ihn darüber aufmerksam, dass er Jake Lonergan heißt und auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Colonel Woodrow Dolarhyde will den gesuchten Straftäter natürlich nicht entkommen lassen, doch bevor er zu irgendwelchen Maßnahmen greifen kann, tauchen schon die ersten Raumschiffe am Himmel auf und die sind gar nicht freundlich gesinnt. Ein gnadenloser Kampf zwischen den Bewohnern Silver Citys und den Aliens beginnt…

Explosionen, Kampfgefechte und die Action selbst kann Jon Favreau natürlich gekonnt in Szene setzen, das wissen wir spätestens seit seinen „Iron Man“-Filmen. Und hier lässt auch „Cowboy & Aliens“ keine Schwächen zu, wobei man sich doch wünscht, dass die Effekte etwas beeindruckender dargestellt werden und eine Materialschlacht der Extraklasse heraufbeschwören. Dem ist nicht so, auch wenn es ordentlich kracht, und alles bleibt in einem doch recht ruhigen und übersichtlichen Rahmen. Die Effekte hingegen sehen toll aus, ob es die Raumschiffe sind, die Aliens, oder der bewegliche Turm, auf den die Siedler im Laufe des Filmes stoßen. Für die glasklare Optik und den hervorragenden Aufnahmen der Westernlandschaft war Matthew Libatique verantwortlich, und der leistet hier wirklich ganze Arbeit. Gerade die weiten Einstellungen der staubigen Kulisse können sofort überzeugen und in eine Western-Atmosphäre ziehen, die wirklich ansprechend ist. Der Soundtrack ist, wie auch der Film, auch typischen Westernmusik und geheimnisvoll-brachialen Klängen zusammengesetzt, der auch sicherlich richtig gut klingt, nur im Film nie wirklich passend eingesetzt wird.

Auch die Besetzungsliste bietet einige Schmankerl. Angefangen mit Hauptdarsteller Daniel „James Bond“ Craig, der den Helden Jake Lonergan spielt und voll in seinem Element ist. Sein Charakter ist grob und rau und mit seinem trockenen Humor zieht er in den Kampf gegen die fiesen Außerirdischen. Neben ihm steht Altstar Harrison Ford, der als grummeliger Colonel Woodrow Dolarhyde auch mal wieder zur Waffe greifen darf, an die alten Zeiten erinnert und seine Sprüche ebenso zynisch rausknurrt, auch wenn das Alter ihm natürlich inzwischen deutlich anzusehen ist, was sich auch auf seine Beweglichkeit auswirkt. Die Nebenrollen sind ebenso toll besetzt. Da hätten wir Sam Rockwell, Paul Dano und Olivia Wilde. Komisch an dem Ganzen ist nur, dass Paul Dano den interessantesten Part hat und am schnellsten aus dem Geschehen gezogen wird, während Rockwell einen schnöden Normalo spielt und immer wieder im klaren Blickfeld steht. Olivia Wilde hat die meiste Zeit damit zu tun, gutauszusehen, denn ihr Charakter ist so unglaubwürdig, dass er jede erzwungene Ernsthaftigkeit zerstört.

Zerstörungswütige Aliens tauchen im Wilden Westen auf und wollen die Menschen mal wieder zu Hackfleisch verarbeiten. Das gefällt denen natürlich gar nicht und sie setzen sich zur Wehr. Die Idee ist so simple, wie sie unterhaltsam ist, jedenfalls war das in Rosenbergs Comic so. In Jon Favreaus Leinwandadaption sieht das dann doch ganz anders aus, denn das der Film genaugenommen eigentlich gar keine Story hat, macht sich in der gut 130 minütigen Laufzeit natürlich schnell bemerkbar und so gut wie jede Szene läuft auf ein stumpfes Einprügeln der Gegensätze aus. Die Länge ist dementsprechend nicht nur schrecklich ermüdend, sondern kann weder Facetten vorweisen, noch auf der niedrigsten Unterhaltungsebene funktionieren, denn die Kämpfe selbst, so witzig sie auch klingen mögen, verlieren zunehmend an Fahrt und enden immer wieder in staubiger Eintönigkeit. Es gibt keine Überraschungen und „Cowboys & Aliens“ ist ein mutloser wie kruder Mix, der nichts riskiert und sich um jede altbekannte Konvention schlängeln, die den Ausgang des Films schon nach wenigen Minuten entgegenschreit. Nach dem atmosphärischen Beginn waren die Hoffnungen sogar noch ziemlich hoch, doch der Angriff der Aliens, zerstört jedes Feeling und erweist sich so schon als Nachteil der Films. „Cowboys & Aliens“ ist konstruierte Langeweile, in dem die Nebencharaktere seelenlos verbraten werden und in ihrer Unglaubwürdigkeit nicht mal mit zwei zugedrückten Augen akzeptiert werden können. Favreaus Inszenierung ist zu humorlos, zu löchrig und viel zu spannungsarm und die herbe Enttäuschung, denn aus dieser Grundidee hätte man so viel machen könnten, ist unausweichlich.

Fazit: Jon Favreau gelingt es nicht, die simple Kernidee gekonnt umzusetzen und nimmt den Film nicht nur viel zu ernst, sondern kann seine Inszenierung nie wirklich in eine Richtung lenken und verliert sich in der unkoordinierten Langeweile. Daniel Craig macht gewohnt eine gute Figur, Ford darf auch schön knurren, doch da hört es mit den Schauspielern auch schon auf, denn der Rest ist so eindimensional, das sie nicht die Bohne interessieren, trotz toller Darsteller wie Sam Rockwell und Paul Dano. Die Effekte wissen zu überzeugen, die Optik ist ebenfalls stark, genau wie die weiten Einstellungen, die eine wundervolle Western-Atmosphäre erzeugen. Im Endeffekt bekommt man hier nichts geboten, das wirklich im Gedächtnis bleibt, außer der schleppenden Trägheit, die in gut 130 Minuten auf einen einrieselt.

Bewertung: 3/10 Sternen