"Crazy, Stupid, Love." (USA 2011) Kritik – Love is all around

„Sag ihr, sie ist die perfekte Mischung aus sexy und süß, Arschloch.“

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Romantische Komödien sollten den Kinogängern inzwischen eigentlich überdeutlich aus dem Halse hängen, denn in dem Ausmaß, in dem wir heutzutage mit diesen „RomComs“ konfrontiert wird, sollte allmählich Schluss sein mit der konstruierten Langeweile, die einfach rein gar nichts neues bietet und sich in den alten, schmalzigen Klischees verliert, um sich dann auch noch mit Kitsch zu bedecken. Ein Graus für jeden männlichen Kinobesucher, ein Fest für die Frauenwelt und das offensichtliche Erfolgsrezept für das erste Date, um den Arm langsam um die Begleitung zu legen und den Verlauf des Weiteren abends ebenfalls in rosige Aussicht zu stellen. Frischer Wind muss also endlich hier, wobei die Liebesthemen gar nicht das Problem sind, doch sie müssen in einer Form wie in „500 Days of Summer“ oder auch „Beginners“ angefasst werden, damit sich auch die männlichen Zuschauer angesprochen fühlen dürfen und dem Geschehen interessiert folgen. 2011 brachte das Regie-Duo Glenn Ficarra und John Requa ihre ganz eigene RomCom „Crazy, Stupid, Love.“ in die Kinos und konnte damit auch endlich wieder den erhofften frischen Wind mitbringen, auch wenn ihr Film sicher weit weg von einem Meisterwerk ist.

Eine richtige Hauptfigur gibt es in diesem Sinne gar nicht, denn dafür hat „Crazy, Stupid, Love.“ einfach zu viele Charaktere in sich tragend. Angefangen mit dem dreifachen Vater Cal, der bei einem Abendessen aus heiterem Himmel erfahren muss, dass seine Frau Hannah ihn mit ihrem Chef betrogen hat und die Scheidung will. Darauf verbringt der seine Tage mit Vorliebe in Bars, in denen er seinen Schmerz offenkundig preisgibt und sich den Alkohol langsam zum Freund macht, bis der Frauenschwarm Jacob auf ihn aufmerksam wird. Jacob ist ein Aufreißer wie er im Buche steht, keine Frau ist seinem Charme gewachsen und er kennt alle Tricks. Wer könnte also besser geeignet sein, als Jacob, der Cal wieder auf andere Gedanken bringen könnte und in die hohe Kunst des Flirtens einweiht. Mit Erfolg! Dumm nur, dass Cal ausgerechnet die Lehrerin seines pubertären Sohn erwischt und beim Elternsprechtag in eine äußerst unangenehme Situation stolpert. Mit seinem Sohn kommen die nächsten Liebesprobleme, denn der ist in die „Babysitterin“ verliebt, die immer wieder ein Auge auf die Kinder von Cal wirft und diese Babysitterin ist dazu noch in Cal verliebt. Dann wäre da noch Hannah, die sich auf Jacob einlässt, es aber schafft, ihn zu halten, was aber zu ganz anderen Schwierigkeiten führen wird…

Das große Highlight von „Crazy, Stupid, Love.“ ist die hochkarätige Besetzung, die bis in die Nebenrollen angesehene Namen vorzuweisen hat. An erster Stelle steht Steve Carell als Vater Cal, der hier wieder mal sein Können in ernsten als auch komischen Szenen beweist und seinen Charakter durchgehend überzeugend darstellt. Dann Ryan Gosling, der 2011 das Jahr seines Lebens hatte, und als Aufreißer Jacob natürlich die perfekte Besetzung ist, nicht nur weil der das Aussehen eines Frauenschwarms besitzt, sondern auch das anziehende Charisma. Julianne Moore als Emily, Emma Stone als Hannah und Marisa Tomei als Kate sind ebenfalls wunderbar, wobei Stone wie immer ihre seltsamen Gesichtsausdrücke auflegt, hier allerdings nicht in der nervenden Form wie man es sonst von ihr gewohnt ist. Dann wären da noch Kevin Bacon als Chef David Lindhagen, Analeigh Tipton als Babysitterin Jessica, Jonah Bobo als Sohnemann Robbie und John Carroll Lynch als Vater von Jessica. Ein großartiger Cast. Dazu gibt es noch einen schönen Score von Beck und Urata, wie auch klare Aufnahmen von Andrew Dunn, die ohne jede Sperenzchen oder unnötige Spielereien auskommen.

„Die Haut unter den Augen sieht aus wie der Sack von Hugh Hefner.“

Das leidige Thema Liebe begrüßt uns jeden Monat mit seinem schmalzigen Lächeln in den Kinos. Wie oft wurde sie in den Lichtspielhäusern durchgekaut, wie oft mussten wir unsere Nerven schon strapazieren lassen, gerne auch, um einen persönlichen Vorteil daraus ziehen zu können und wie oft haben wir den aufgedrückten Hollywoodstempel in Bezug auf die Liebe schon verflucht. In „Crazy, Stupid, Love.“ geht es natürlich auch wieder um die Liebe, wie uns der Titel unschwer erkennen lässt, doch in diesem Fall kann uns das Duo Ficarra und Requa endlich wieder überzeugen und quält uns nicht mit einschläfernder Standardkost. Wir bekommen es gleich mit mehreren Charaktere zutun, die alle mit ihren Gefühlen und den Folgen kämpfen, ob es nun die pubertäre Jugendliebe ist, oder auch der Schmerz der Trennung und des Fremdgehens. Die Gefahr hätte hier sein können, dass der Film zu überfrachtet daherkommt, doch weit gefehlt. Jeder Charakter bekommt in den gut 120 Minuten Zeit sich zu zeigen, die Schwächen und Stärken klarzustellen und dem Zuschauer näherzukommen. Dabei umrandet der Film gekonnt Klischees, führt sie offenherzig vor und lässt sie kurz darauf wieder mit viel Humor in sich zusammenbrechen. Die Gefühle kochen flammend auf, werden aus dem Tiefschlaf geweckt, oder auch auf Eis gelegt. Ein Aufreißer der Extraklasse tut sich mit einem Familienvater zusammen, der in Sachen Flirten zum alten Eisen gehört und die neuen Tricks erst wieder lernen muss. Darum spannen Ficarra und Requa eine schöne, romantische, dramatische und herzliche Geschichte, mit feinen Überraschungen und flotten Wendungen. Wäre das vorhersehbare Ende nicht gewesen, das sich nur zu gut in das alte RomCom-Muster pressen lässt, dann wäre hier eindeutig noch mehr drin gewesen.

Fazit: „Crazy, Stupid, Love.“ lässt sich ohne Probleme in die Reihe der Highlights der romantischen Komödien zählen, denn mit dem lockeren und frischen Wind, den dramatischen Tönen, die Ficarra und Requa auch treffen, und den sympathischen wie interessanten Charakteren kann der Film durchgehend überzeugen. Hätte man sich das Ende in dieser Form gespart und den vorher eingeschlagenen Weg konsequent durchgezogen, in dem die Klischees herrlich gebrochen wurden, dann hätte „Crazy, Stupid, Love.“ noch mehr Lob einstecken können. So bleibt ein starker Film, der in jedem Fall sehenswert ist.