"Dame, König, As, Spion" (UK, F, DE 2011) Kritik – Spione, Maulwürfe und gepflegte Langeweile

„Things aren’t always what they seem.“

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Manche Filme lassen schon Monate vor Kinostart das Herz eines jeden Cineasten höher schlagen. So zum Beispiel der Spionage-Thriller „Dame, König, As, Spion“, in dem sich die Crème de la Crème der britischen Schauspielgemeinschaft die Klinke in die Hand geben sollte. Ließen sich doch unter anderem Gary Oldman („The Dark Knight“), John Hurt („Melancholia“), Tom Hardy („Inception“), Colin Firth („Das Mädchen mit den Perlenohrringen“) und Mark Strong („The Guard – Ein Ire sieht schwarz“) für dieses englisch-französisch-deutsche Kino-Projekt verpflichten. Auch die Romanvorlage von John le Carré („Der ewige Gärtner“) versprach einen elektrisierenden Spionage-Thriller, der fesselt bis zur letzten Sekunde. Und in der Tat ist das clevere Finale einer der wenigen Höhepunkte im neuen Film des schwedischen Regisseurs Tomas Alfredson („So finster die Nacht“), in dem man aber sonst vergeblich nach ähnlich spannungsgeladenen Momenten sucht.

Oktober 1972: Zeiten des Umbruchs im Hauptquartier des britischen Geheimdienstes. Nach einer missglückten Auslandsmission in Budapest, bei der Jimi Prideaux (Mark Strong), einer der erfahrensten Männer für Auslandseinsätze ums Leben kam, müssen der langjährige MI6-Chef „Control“ (John Hurt) und sein Stellvertreter George Smiley (Gary Oldman) ihren Stuhl räumen. Jedoch schon einige Monate später tritt Staatssekretär Oliver Lacon (Simon McBurney) wieder an den pensionierten George Smiley mit einer ungewöhnlichen Bitte heran. Im Auftrag der Regierung soll er einem ungeheuerlichen Verdacht nachgehen: Gibt es einen Maulwurf in den oberen Reihen des britischen Geheimdienstes, der für den russischen Geheimdienst arbeitet? Zusammen mit dem jungen Agenten Peter Guillam (Benedict Cumberbatch) ermittelt Smiley fortan in den eigenen Reihen.

Zwar mag sich der Kalte-Krieg-Spionage-Plot auf dem Papier interessant anhören, doch leider erstickt Tomas Alfredson fast schon stoische Inszenierung jeden Spannungsansatz im Keim. Auch wenn der britische Geheimdienst vor einer der größten Krisen aller Zeiten steht, verhalten sich alle Agenten des britischen Geheimdienstes so, als hätte man ihnen Beruhigungsmittel in den geliebten Earl Grey Tee getan. Besonders Hauptfigur George Smiley steckt jede Hiobsbotschaft ohne große Reaktionen weg und man wünscht sich direkt, dass dieser eiskalte Spion einmal Emotionen zeigen würde. Doch scheinbar haben britische Agenten der alten Schule kein sehr ausgeprägtes Emotionsspektrum und so beschränken sich Gefühlsregungen auf minimales Minenspiel. Die einzigen Ausnahmen unter dieser Armada von gefühlsarmen Geheimdienstrobotern stellen John Hurt und Tom Hardy dar, die durch ihre emotionalen Ausbrüche wenigstens einen Hauch Menschlichkeit beweisen.

Ein anderes Manko ist die Vielzahl von Personen, Orten und verschiedenen Zeitebenen durch dessen verworrenes Netzwerk sich der Zuschauer anfangs kämpfen muss. Wer hier schnell durchblicken will, der sollte sich es sich im Kino mit einem Notizblock bewaffnen und alle Namen und Aufgaben der einzelnen Personen akribisch notieren, sonst kann es leicht passieren, dass man besonders in der ersten Stunde mehr als einmal den Überblick verliert. Ist man dann endlich im Film angekommen und hat sich einen Überblick verschafft, kommt der Film auch im letzten Drittel langsam in Fahrt. Stiller, aber dennoch packender Höhepunkt ist hierbei die Szene, in der Smileys Assistent Peter Guillam für seinen Vorgesetzten einige Dokumente aus dem Hauptquartier des britischen Geheimdienstes stehlen soll.

Auch wenn über „Dame, König, As, Spion“ bisher wenig Positives gesagt wurde, so hat der Film auch seine guten Seiten. Fühlt man sich doch dank gelungener Ausstattung und Kostüme direkt zurück in die 70er Jahre versetzt. Von der Tapete, über die Kleidung, bis zu den Frisuren, hier stimmt einfach alles. Das 70er Jahre Feeling wird letztendlich perfekt abgerundet durch eine ungewohnt grobkörnige Auflösung – Nostalgie pur! Und auch die hochkarätige Schauspieler wissen zu gefallen. Leider kann kaum einer der prominent besetzten Nebenrollen sein volles Können abrufen, aber einige Darsteller schaffen es trotz ihrer knapp bemessenen Leinwandzeit den Figuren ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Besonders Tom Hardy, der sich als verzweifelt verliebter Agent Ricki Tarr überraschend Leidenschaftlich gibt, schafft es ein bisschen Leben in die sonst so graue Ermittlungsarbeit zu bringen.

Fazit: Was bleibt nach über zwei Stunden britischer Spionagescharade? Größtenteils geschlagene Langeweile und ein unterforderter Cast. Wenn man sich aber dennoch für den spannenden Spionagestoff des Autors John le Carré interessiert, sollte man einen Blick auf die gleichnamige Serienadaption riskieren. 1979 von der BBC produziert, genießt die Serie bis heute Kultstatus und das nicht zuletzt dank eines wunderbaren Sir Alec Guiness in der Rolle des George Smiley.

Bewertung: 4/10 Sternen