"Dark Blue" (USA 2002) Kritik – Die Farbe der Korruption

„Es muss erst hässlich werden, bevor es besser werden kann.“

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Ron Shelton hat sich mit Filmen wie ‚Weiße Jungs bringen’s nicht‘ und ‚Tin Cup‘ nicht gerade einen großen Namen gemacht. Ein Händchen für gute Besetzungen hatte er dabei hingegen schon mehrmals bewiesen. Mit seinem Thriller ‚Dark Blue‘ aus dem Jahr 2002 inszeniert Shelton einen spannenden Korruption-Thriller mit tollen Darstellern.

‚Dark Blue‘ fängt die Atmosphäre der 90er zu dem Zeitpunkt der Rassenunruhen stark ein. Die Großstadtaufnahmen von Los Angeles wurden in rauen und gleichermaßen stilsicheren Bildern verpackt. Blanchards Soundtrack überzeugt ebenfalls durchgehend durch seinen emotionalen und doch anspannenden Unterton und unterstreicht die Szenen passend.

Wie ich es schon erwähnte, ist ‚Dark Blue‘ mit guten Schauspieler bestückt. Kurt Russell spielt Sgt. Eldon Perry und kann ganz groß auffahren. Sein Perry ist kompromisslos, dreckig und doch nicht ganz verdorben und Russell füllt jede Facette seines Charakters mit Bravour aus. Brendan Gleeson als korrupter Vorgesetzter Jack Van Meter holt ebenfalls das Nötigste aus seiner Rolle und überzeugt durch sein gewohnt routiniertes Schauspiel. Ving Rahmes als gutmütiger stellvertretender Polizeichef Arthur Holland hat eine eher kleine Rolle, kann aber durch sein typisch charismatisches Auftreten schnell Sympathien für seine Figur entwickeln. Einzig Scott Speedman als Grünschnabel Bobby Keough fällt aus dem starken Cast und bleibt durchgehend blass und emotionslos.

‚Dark Blue‘ zieht uns ins Los Angeles des Jahres 1992. Der Afroamerikaner Rodney King wurde vor laufender Kamera von mehreren Polizisten verprügelt. Dazu wird der koreanische Supermarkt von zwei Männern überfallen, die den Tresor klauen und keine Gefangenen machen. Sgt. Perry und sein junger Partner Keough bekommen den Fall zugesprochen und sollen die Mörder ausfindig machen. Perry ist kein Mann der großen Worte und Keough kann sich Perrys Verhalten kaum anpassen. Das brutale Verhalten von Perry gefällt dem Polizeichef Holland gar nicht, doch noch sind ihm die Hände gebunden. Perry ist jedoch nicht der Einzige, der nicht gerade für das Gesetz handelt. Sein Vorgesetzter Van Meter schützt Perry in seinem Handeln wo er nur kann. Van Meter hat selber genug Dreck am Stecken. Holland weiß das und wartet auf den passenden Moment, in dem er zuschlagen kann. Währenddessen werden die Polizisten, die King verprügelten, freigesprochen und in der Stadt bricht die Hölle aus.

Mit unserem Hauptdarsteller Sgt. Perry kriegen wir eine inzwischen „normale“ Figur des Polizisten-Genres. Perry kann die Enttäuschung über sein Berufsleben nicht in Worte fassen und versucht sich durch den Alkohol und unrechtmäßige Gewalt Luft zu machen. Darunter leidet vor allem Perrys Frau, die ebenfalls angefangen zu trinken hat und von einer richtigen Beziehung kann kaum noch die Rede sein. Auch sein Partner Keough kann mit Perrys Vorgehensweisen nicht umgehen und versinkt immer mehr neben ihm. Seinen Hass lässt Perry an einzelnen, manchmal unschuldigen, Personen aus. Er hat es jedoch nie anders gelernt. Perry kommt aus einer Polizeifamilie und musste zusehen, wie sein Großvater und Vater versuchten die Stadt zu säubern und bitter gescheitert sind. Und auch Perry verliert sich in einer Welt ohne Zuneigung und Unterstützung. In seinem Herz ist mehr Platz für Hass als für Liebe, dennoch ist er noch nicht ganz im Teufelskreis aus Korruption und illegalen Machenschaften untergegangen. Als er merkt, dass er in diesem System selber keinen Wert mehr hat, macht es langsam Klick im Kopf. Verbrechen vergeht jedoch nie und das ist jedem klar.

Durch die Geschichte rundum den Fall von Rodney King, bekommt der Film seinen ganz brisanten Hintergrund. Der Freispruch kommt für die Polizisten. Die Stadt wird zum Dschungel und geht in Flammen auf. Die afroamerikanischen Bürger plündern, morden und wüsten. Perry mittendrin, in seinem eigenen Chaos gefangen. Sein Gewissen meldet sich, viel zu spät, aber es ist noch da.

Perry kommt aus seinem Abgrund nicht mehr raus, dafür hat er zu viel falsch gemacht. Doch er kann seinen dreckigen Vorgesetzen Van Meter mit hinunterziehen. Als Perry am Ende des Films eine Rede hält, trägt er leider etwas zu viel auf. Die innere Veränderung von Perry ist sogar noch irgendwo nachvollziehbar, seine Ansprache jedoch zu viel.

Die Geschichte um die korrupte Polizei ist sicherlich nichts Neues. Die meisten von ihnen haben Schmutz an den Händen und ihre Finger in dreckigen Spielchen. Gerechtigkeit wird nur noch selten in den Vordergrund gestellt und eine ehrliche Seele ist in so einer Welt sowieso verloren. Verbrecher und Gesetzeshüter geben sich die Hände und die Stadt badet mehr und mehr in unbändiger Kriminalität. ‚Dark Blue‘ kann aber, trotz wenig neuem, über seine zwei stündige Laufzeit gut unterhalten, was natürlich vor allem an den Schauspielerleistungen liegt. Die Nebenhandlungen rundum die weiteren Charaktere lassen den Film zwar gelegentlich etwas überladen wirken, klar über dem Durchschnitt liegt er aber in jedem Fall.

Fazit: ‚Dark Blue‘ besticht an erster Stelle durch seine tollen Darsteller, Speedman ausgenommen. Dazu kommt die fesselnde Atmosphäre, die feine Optik und Sheltons solide Inszenierung. Eine neue Geschichte kriegen wir nicht erzählt und auch in manchen Momenten will der Film etwas zu viel. Nichtsdestotrotz bleibt ‚Dark Blue‘ in jedem Fall sehenswert und ist eine kleine Genre-Perle.

„Wir können das entweder diplomatisch Regeln, oder aufeinander losgehen wie Nigger.“

Bewertung: 7/10 Sternen