Kritik: Days and Nights (USA 2014)

William Hurt

© IFC Films

Die Titte der Hexe muss eingefroren sein.“

„Days and Nights“ darf sich in die Tradition von Ensemblefilmen stellen, die sich seit Dekaden daran abarbeiten, das dysfunktionale Familiengerüst mit der tatkräftigen Unterstützung von namhaften Personal zu verdichten und menschliche Abgründe an die Oberfläche zu fördern, die sich sukzessive, aber gewaltig wie ein Unwetter am Esszimmertisch zusammenbrauen. Dass es der von Christian Camargo inszenierte Film nicht ganz mit dem Großkaliber eines „Im August in Osage County“ aufnehmen kann, steht außer Frage, allerdings muss das hier in Deutschland direkt für den Heimkinomarkt erschienene Werk den Vergleich zu John Wells‘ Kleinod nicht scheuen, divergiert die künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Sujet der ominösen ‚Familienbande‘ doch von Grund auf: Während „Im August in Osage County“ von Beginn an den introspektiven Blickwinkel sucht und seine Charaktere mit impulsiver Zugkraft entblättert, driftet „Days and Nights“ in philosophische Sphären ab, was den Sturz umso schwerer nachhallen lässt.

Christian Camargo, den man als Schauspieler aus den Erfolgsformaten „Dexter“ oder „House of Cards“ kennen dürfte, lädt in seinem von Anton Tschechows „Die Möwe“ inspirierten Debütfilm eine ganze Armada bekannter Darsteller in das provinzielle New England der 1980er Jahre. Dass es bei dem hier ins Fadenkreuz genommenen Aufprall verschiedener Charaktere und Lebensentwurf zwangsläufig auf den großen Knall hinausläuft, macht „Days and Nights“ von Anfang an klar, wenn sprudelnder Missmut und existentielle Ängste durch das filmische Territorium mäandert. Ausgangspunkt sind Elizabeth (Allison Janney, „“), die zusammen mit ihrem neuen Galan Peter (Christian Camargo) anlässlich des Memorial-Day-Wochenendes an den See fahren, wo sich schon der Rest der Sippe und Sympathisanten lümmeln (darunter William Hurt, Ben Wishaw, Jean Reno und Katie Holmes). Aber wo Mann und Frau auf sich gestellt sind, abgeschnitten von der Zivilisation, alleingelassen mit ihren Neurosen, ihren Spleenen und – vermutlich das größte Problem – mit sich selbst.

Die heilen (Familien-)Schalen platzen relativ schnell und „Days and Nights“ sucht in den obligatorischen Redundanzen ein Ablassventil, um die im Argen schlummernden Katastrophen auszuweiden. Dabei stilisiert Camargo, der selbstverständlich auch das Drehbuch verfasst hat, die Natur und ihre Mystik als spirituelles Terrain und deutet sie folgerichtig auch als Hort der Rückbesinnung. Am Ende bleibt „Days and Nights“ ein (inner-)familiärer wie partnerschaftlicher Kampf um reine Hoffnung und die Erkenntnis, das man sich auf zwischenmenschlicher Ebene immer durch Eigenheiten und Unstimmigkeiten näherkommt, als durch das vollkommene Einverständnis in jedweder Lage. „Days and Nights“ aber ist zu verkopft in seinem Gebaren, zu sehr darin festgefahren, sich über Allgemeinplätze zu mühen, um am Ende doch zu einem Resultat zu gelangen, zu dem auch schon die seichte gruppentherapeutische Versuchsanordnung „Sieben verdammt lange Tage“ mit Jason Bateman im letzten Jahr gekommen ist.