"Dead Snow 2: Red vs. Dead" (IS/NO 2014) Kritik – Deutsche Panzer rollen wieder

Autor: Pascal Reis

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„Jesus, Maria and Joseph Stalin!“

Sein Ausflug in die Vereinigten Staaten konnte Tommy Wirkola zwar als durchaus erfolgreichen Schritt in seiner noch jungen Karriere verifizieren, so richtig aber wollte seine Verwurstung grimmscher Märchen mit „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ dann doch nicht zünden. Im Endeffekt hat Wirkola einen Film gedreht, der geradewegs in die Videotheken hätte gelangen müssen – Ähnlich wie sein inzwischen kultisch gefeierter Vorgänger „Dead Snow“. Zwischen „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ und „Dead Snow“ aber gibt es nicht nur in den Produktionsbedingungen und der folgenden (Heim-)Kino-Auswertung Differenzen. Entscheidender ist, dass „Dead Snow“ im Gegensatz zum neuinterpretierten Märchenstoff wirklich Freude bereiten konnte, anstatt die offensichtlichen Mängel (informal wie formal) mit zunehmender Beharrlichkeit in das Antlitz des Zuschauers zu schmieren. „Dead Snow“ war herrlich simpel und brauchte nur eine grimmige Horde Nazi-Zombies, die sich ihr sagenumwobenes Gold aus den Händen einiger nichtsahnender Urlauber zurückholen wollen. Herausgekommen ist dabei kein perfektes, aber ein (vor allem im letzten Drittel) tierisch unterhaltsames Genre-Vehikel.

Ganze fünf Jahre ist es jetzt allerdings schon her, dass wir zusehen durften, wie Martin (Vegar Hoel) zusammen mit seinen Freunden in den norwegischen Bergen um sein Leben kämpfte – Und als Einziger überlebte. Wie sehr sich die Anhänger des ersten Teils auf die Fortsetzung „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ gefreut haben, lässt sich aus den Berichten des Fantasy Film Festival ablesen: Der Saal war überfüllt und über 100 Leute mussten es sich gefallen lassen, sich keinen Platz mehr vor der Leinwand ergattern zu können. Aber sollte die ganze Vorfreude gerechtfertigt gewesen sein? Es ist ja schließlich ein nur zu bekanntes Lied vom Sequel, dessen Strophen wir wohl alle aus dem Effeff anstimmen können – Gerade im Horror-Genre! Tommy Wirkola jedoch hat es nicht nur geschafft, seinem Erstling eine würdige Fortsetzung zu bereiten, er übertrifft diese sogar mit Leichtigkeit. Wenn wir uns an „Dead Snow“ zurückerinnern, dann schnellen uns viele Erinnerungen an äußerst amüsante Szenen in den Kopf, allerdings wird auch schnell wieder klar, dass Wirkola seiner Exposition etwas zu viel Zeit gelassen hat, um einer doch recht konventionelle Horror-Rezeptur nachzueifern.

„Dead Snow 2: Red vs. Dead“ hingegen gibt direkt Vollgas. Nach einer kurzen Analepse, die uns die Geschehnisse aus Teil 1 noch einmal in Kurzform bietet, knüpft Teil 2 direkt an das offene Ende an, in dem wir sahen, wie Martin doch noch ein Münze des Nazi-Goldes aus der Tasche fiel und plötzlich Oberst Herzog (Orjan Gamst) neben ihm im Seitenfenster auftauchte. Was danach auf den Zuschauer einprasseln wird, ist eine so ultrablutige wie anarchische Sause, die sich für keinerlei Geschmacklosigkeit zu schade ist. Martin wacht nach einer wilden Verfolgungsjagd im Spital auf und muss feststellen, dass ihm ein neuer Arm angenäht wurde. Wir erinnern uns, dass Martin sich in Teil 1 den Arm mit einer Kettensäge abtrennte, nachdem er gebissen wurde. Blöd ist nur, dass es nicht sein Arm ist, sondern der von Oberst Herzog – Und der führt zu Anfang erst mal ein äußerst blutgieriges Eigenleben. Man möchte nun nur zu gerne davon schwafeln, dass sich Wirkola hier ja von Roman Flenders „Die Killerhand“ beeinflussen lassen. Die ganzen Referenzen in Erfahrung zu bringen, die in „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ untergebracht wurden, würde an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen. Stattdessen sinnt Martin auf Rache und bringt seinen eigenmächtigen Arm unter Kontrolle, wenn auch nicht ganz ohne Kollateralschaden.

Wenn sich das Arsenal an chaotischen Flachpfeifen etabliert wie positioniert hat, schließlich zieht Martin mit einer selbsternannten Drei-Kopf-Gruppe von amerikanischen Zombieschlächtern (die Spitze gegen die amerikanische Waffenpolitik darf nicht fehlen!) in den Kampf, für den er gleich mal ein Bataillon Rotarmisten erweckt, während sich die hiesige Polizei vor allem selber im Wege steht, lässt „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ keinen Stein auf dem anderen. Der schwarze Humor ist unfassbar böse, aber so lustvoll und enthusiastisch, dass Wirkolas blutverkrustetes Schelmenstück in höchstem Maße Pläsier bereitet. Absurdität hat in „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ endgültig die Oberhand gewonnen und eine idyllische Gemeinde am Altafjord wird zum Kriegsschauplatz erklärt, in dem Rot gegen Braun zum Massaker ganz nach dem „Höher, Schneller, Weiter“-Prinzip bitten – Der Panzer darf natürlich nicht fehlen. „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ ist eine unfassbar ulkige Angelegenheit, so respektvoll und neben der Spur, dass es schon reichlich schwer fallen sollte, an dem wilden, mit Gedärmen drapierten Treiben keinen Spaß zu haben.