"Departed" (USA 2006) Kritik – Eine Ratte kommt selten allein

„Die Kirche will das Du gehorchst: Niederknien, aufstehen, niederknien, aufstehen. Wenn dir das gefällt, weiß ich nicht wie ich dir helfen kann. Ein Mann geht immer seinen eigenen Weg. Niemand schenkt dir was…Du musst es dir nehmen! Non serviean!“

null

Martin Scorsese ist eine der lebenden Legenden der Filmgeschichte. Nach Meisterwerken wie ‚Taxi Driver‘, ‚GoodFellas‘ und ‚Wie ein wilder Stier‘ fehlte ihm nur noch die Oscar-Trophäe auf dem Kaminsims. Nach 5 Nominierungen für die beste Regie fand Scorsese endlich den Weg zum goldenen Jungen und gewann mit seiner sechsten Nominierung für ‚Departed‘ 2006 endlich die mehr als verdiente Auszeichnung. Auch den Oscar für den besten Schnitt, das beste adoptierte Drehbuch und den wohl wichtigsten Oscar für den besten Film konnte der harte Gangster-Thriller ‚Departed‘ einstecken und das völlig zu Recht.

‚Departed‘ ist in hervorragenden Bildern eingefangen. Der mehrfach für den Oscar nominierte Kameramann Michael Ballhaus leistet wieder einmal grandiose Arbeit und fängt den rauen Alltag des organisierten Verbrechens ein. Dazu der ausgezeichnete und rasante Schnitt von Thelma Schoonmaker und der geniale Score von Howard Shore der jede Szene exzellent kommentiert. Dazu auch die abwechselnde Liederwahl von brachialen Nummern wie „I’m Shipping Up To Boston“ von den Dropkick Murphys oder gefühlvollen Balladen wie „Comfortably Numb“ von Van Morrison.

Früher war Scorsese’s Muse Robert De Niro, heute ist es ‚Leonardo DiCaprio‘. Vergleichen sollte man beide nicht, fest steht allerdings das beide grandiose Schauspieler sind. Leonardo DiCaprio der sein Sunnyboy-Image endgültig ablegen konnte, überzeugt vollends unter Scorsese Anleitung und spielt ganz groß auf, wie auch der restliche namenhafte Cast. Matt Damon, Alec Baldwin, Vera Farmiga, Ray Winstone, Martin Sheen, der einmalige Jack Nicholson und Mark Wahlberg der mit seinen geschliffenen Sprüchen nicht nur für einen Lacher sorgt. Allesamt sind sie ein wahres Besetzungs-Highlight und spielen fantastisch.

Nach Gangster-Filmen wie ‚Hexenkessel‘, ‚GoodFellas‘ und auch ‚Casino‘ findet Scorsese den Weg ins Gangster-Genre 2006 wieder. Scorsese inszeniert mit ‚Departed‘ einen Thriller voller Lügen und Brutalität. William Costigan (DiCaprio) will der schlechten Vergangenheit entfliehen, wird aber genau wegen dieser als Spitzel in die Mafia eingeschleust. William wird immer verzweifelter und droht an dem Auftrag zu zerreißen. Mafiapate Costello (Nicholson) ist ein alter Hase, aber sicher nicht vom alten Eisen. Er verschafft sich den nötigen Respekt und geht dafür natürlich ohne Probleme über Leichen. Colin Sullivan (Damon) arbeitet mit Costello zusammen, hat sich aber bereits bei der Polizei bis zum Staff Sergeant hochgearbeitet. Niemand schöpft Verdacht, bis auf Bryce Dignam (Wahlberg) der in seiner Arbeit mit Sicherheit nicht auf den Mund gefallen ist und einen grandiosen Spruch nach dem anderen rausfeuert. Für seine Leistung erhielt Wahlberg eine Oscar Nominierung. Dignam’s Partner Captain Oliver Queenam (Sheen) ist nicht ganz so aufbrausend, aber dennoch zielgerichtet und leitet Costigan durch seinen Lebensgefährlichen Job. Dazu auch noch die schwere Beziehung zwischen Costigan, Sullivan’s Freundin die Polizei-Psychologin ist und Sullivan selber. Scorsese nimmt es mit vielen verschiedenen Charakteren auf, schafft es aber allesamt genug auszubauen und das dazu noch in einer fesselnden Art und Weise wie man sie sich nur wünschen kann.

Knapp 2 1/2 Stunden Zeit nimmt sich ‚Departed‘ für seine Geschichte und wirkt nicht im Ansatz auch nur Langweilig, denn die Laufzeit benötigt der Film auch. Die Spannung liegt aber eben auch an den genialen Schauspielern, die jede Emotion fantastisch rüber bringen. Die Anspannungen ihres Berufs, der Identitätsverlust, die Kompromisslosigkeit und die Tragik, die vor allem Costigan mitbringt, wird herausragend dargestellt. Die letzten 10 Minuten des Films zählen dann wohl noch ganz besonders zu den besten des Gangster-Film-Genres überhaupt. Mit einmaliger Kompromisslosigkeit geht Scorsese vor und lässt den Zuschauer mit großen Augen zurück.

Fazit: Martin Scorsese schafft wieder einmal ein einmaliges und extrem fesselndes Filmerlebnis der Extraklasse, der ihm endlich zur längst überfälligen Auszeichnung verhalf. ‚Departed‘ ist geniales Crime-Kino mit fantastischen Schauspielern, stark fotografiert, dazu die stimmig gewählte Musik und die temporeiche Inszenierung machen ihn zu einem der besten und spannendsten Filme aller Zeiten, der auch nach dem zehnten Sehen nicht langweilig wird.