"Detention" (USA 2011) Kritik – Nachsitzen kann tödlich sein

„Ich persönlich habe großes Mitleid mit Tieren, deswegen esse ich nur Babytiere.“

null

Die Zeiten der feinsinnigen und ebenso genialen Horror/Grusel-Parodien à la „Tanz der Vampire“ gehören der Vergangenheit an. Heute sind Horror-Komödien viel zu oft unter dem Deckmantel der Veralberung unterwegs und wollen möglichst viele Vorbilder schamlos durch den Kakau ziehen. Manchmal gehen die Rechnungen der Regisseure auch auf und wahre Perlen wie „Tucker & Devil vs. Evil“ oder „Shaun of the Dead“ dürfen die Horrorfreaks auf der ganzen Welt mit dem treffsicheren Humor und der überzogenen Brutalität beglücken. Auf der anderen Seite können solche Filme allerdings auch richtig in die Hose gehen, wie man bei sämtlichen Teil der „Scary Movie“-Reihe, „Beilight“ und „Jennifer’s Body“ mit Megan Fox feststellen musste, die sich in ihren beleidigenden Peinlichkeiten keine Grenzen setzten und damit jenseits von Gut und Böse umherirrten. 2011 meldete sich Regisseur Joseph Kahn mit seinem ganz eigenen Teenieslasher zurück, natürlich mit genügend Anspielungen auf Horrorfilme und die Popkultur, und setzt sich mit „Detention“ genau in der Mitte der beiden aufgezählten Bereiche fest.

Ein angsteinflößender Killer mit Ballköniginnenkrone treibt kurz vor dem großen Prom an einer amerikanischen Highschool sein blutiges Unwesen. In dieser Highschool sind auch Riley, die so schon genügend Sorgen hat und auf einen Serienkiller wirklich gerade verzichten kann und Clapton Davis, der sich irgendwo zwischen Skater und der Retroschiene angesiedelt hat und frisch aus den 80er Jahren entflohen sein könnte. Als es wieder zu einem Mord an einer Schülerin kommt, verdonnert Schuldirektor Verge eine Handvoll Schüler zum Nachsitzen, weil er der Meinung ist, dass einer von ihnen der gefährliche Serienkiller sein muss. Nun werden die Teenager nicht nur den Ball verpassen, sondern bekommen es auch seltsamerweise mit Aliens zu tun. Riley und Co. können das Chaos nur stoppen, in dem sie die Vergangenheit beeinflussen…

Der Soundtrack zu „Detention“ setzt sich aus den verschiedensten Liedern zusammen, die die Originalmusik von Brain Mantia und Melissa Reese, die auf herrliche Gruselklänge setzen, fein begleiten, gerade weil diese Songs aus den angedeuteten Generationen entsprungen sind. Ob es N SYNC, die Backstreet Boys oder Sting ist, alles lässt sich hier humorvoll in das Geschehen einbinden und lädt mindestens zu einem Lächeln ein. Kameramann Christopher Probt fängt das bunte Highschool-Treiben mit angenehm ruhigen und unaufgeregten Einstellungen ein und vergisst sich zu keinem Moment in der zurzeit beliebten Wackelkamera. Schauspielerisch sollte man hier zwar keine Glanzleistungen erwarten, doch die Darsteller der Teenies erfüllen ihren Zweck mehr als deutlich. Josh Hutcherson gibt Clapton Davis und kniet förmlich vor den 80er Jahre nieder, Shanley Caswell darf als Riley Jones schön bissig auftreten und knackige Sprüche herausfauchen und Spencer Locke gibt die hohle Blondine Ione, die stolz darauf wäre, wenn der Serienkiller sie umbringt, denn nur die coolen Mädchen werden ausgesucht. Dann wäre da noch Dane Cook als finsterer Direktor Verge und James Black als Sportlehrer Mr. Cooper, die auch noch einige Lacher auf ihre Kappe nehmen dürfen.

„Wessen Idee war dieser Snuffporno? Lady Gagas?“

Facebookwahn, Handysucht und treffsichere Coolnesstipps von dem beliebtesten Mädchen der Schule, begrüßen uns in „Detention“ und weisen die Richtung, in die uns Regisseur Joseph Kahn in den nächsten 90 Minuten führt. Während wir in das Highschoolleben eintauchen und Cheerleader, Bitches, Schläger, Fanboys, Hipster und Goths kennenlernen, werden uns auch die beiden Hauptcharaktere Clapton und Riley sympathisch gemacht, die zwar beide nicht ganz normal sind, aber nie mit ihren Eigenarten negativ auffallen. „Detention“ schafft es, im flotten Minutentakt immer wieder Andeutungen und einen Querverweise auf die Popkultur oder die Filmgeschichte von den 80er Jahren bis in die Gegenwart zu offenbaren. Ob Oasis, „Avatar“, „Road House“, Steven Seagal, Michael Keaton, „Iron Man“, „Die Fliege“ oder „Scream“, hier bekommt alles seine Erwähnung. Und gerade in diesen Momenten, wenn die Geschichte rundum den mysteriösen Serienkiller etwas in den Hintergrund rückt und man den Teenies bei ihren Problemen folgt, dann weiß „Detention“ mit einer schrägen, selbstironischen und zynischen Art die parodierende und lockere Unterhaltung richtig anzutreiben. Kommt es jedoch zum Nachsitzen, dann verliert sich der Film in einem äußerst kruden wie unsinnigen Genre-Mix, der gar nicht mehr weiß, was er nun eigentlich will und das Ziel vollkommen aus den Augen verliert. Zeitreise, bluttriefender Slasher und Teenie-Komödie prallen aufeinander, finden aber keinen Zusammenhalt und die leichte, aber spaßige Inszenierung verliert sich in einem unausgearbeiteten Allerlei, das den vorherigen guten Eindruck erheblich in die Tiefe drückt und „Detention“ schlussendlich im Genre-Mittelfeld platziert.

Fazit: „Detention“ fängt toll an, zieht Klischees süffisant durch den Kakao, schießt unzählige Spitzen gegen die Popkulturen und die Filmgeschichte und weiß einfach wunderbar zu unterhalten, so dass die Geschichte um den seltsamen Serienkiller immer wieder in den Hintergrund rückt und das Hauptaugenmerk auf den Teenies liegt, was aber vollkommen in Ordnung ist. Wenn die letzte halbe Stunde eingeschlagen wird, dann verliert „Detention“ seinen Reiz, setzt in Sachen Kunstblut einige Liter obendrauf und vergisst sich in einem unausgearbeiteten Mix, der dem Spaß dann doch ein Ende setzt. Wie heißt es so schön? Viele Zutaten verderben die Suppe. Genau das trifft auf „Detention“ zu, auch wenn er keine Gaumenbeleidigung ist.

Bewertung: 5/10 Sternen